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Mönchengladbach
"Die Hände in den Schoß legen kann ich nicht"

Mönchengladbach. Den Wechsel von der 60-Stunden-Arbeitswoche in den "Ruhestand" hat Peter Holzenleuchter hingekriegt. "Ich bin ein ganzes Berufsleben lang meist auf der linken Überholspur der Autobahn gefahren. Heute bin ich auf der rechten Spur unterwegs", sagt der inzwischen 65-Jährige. "Der Tag hat sich entschleunigt. Ich habe weniger Hetze und Hektik." Dafür Zeit, mit seiner Frau Marlis durch Düsseldorf zu schlendern, bei einer Tasse Cappuccino mit Blick auf den Rhein zu sitzen oder an schönen Sommertagen schon mal auf gemieteten Quads mit seiner Frau und Tochter Britta samt Schwiegersohn Andreas an den linken Niederrhein zu fahren. Viel Zeit für die drei und vier Jahre alten Enkelkinder Leo und Mila, für Kater Amadeus und Kurzurlaube in St. Peter im Schwarzwald oder auch für Städtetouren, zuletzt nach Rom. Für Treffen mit seinen früheren Kollegen in Düsseldorf und Mönchengladbach.

Einfach die Hände in den Schoß zu legen, das ist nichts für den "schwatten Pitter", wie er genannt wurde, als seine Haare noch pechschwarz waren statt weiß. Seit drei Jahren baut er, mit viel Eigenleistung, sein elterliches Haus um und modernisiert es. Er pflegt, weitgehend allein, den 2000 Quadratmeter großen Garten, in dem er 16 verschiedene Obstbäume gepflanzt hat mit zum Teil nicht mehr so "gängigen" Sorten. Und er nimmt sich Zeit für die Arbeit im Korschenbroicher Stadtrat mit den Schwerpunkten Bau, Planung, Finanzen, Bildung und Familie. Da zeigt er, dass er "Bürgermeister könnte", auch mit 65 - woran allerdings kaum einer, der ihn wirklich kennt, gezweifelt hatte. Wobei Holzenleuchter sich heute noch weiterbildet: in Seminaren, bei Vorlesungen etwa in der Volkshochschule, mit den Themen Kommunalverfassung, Datenverarbeitung oder IT-Prozesse. Früher, als er noch im Amt war, hat er übrigens im Düsseldorfer Berufskolleg selbst unterrichtet. "Lernen ist wie gegen den Strom schwimmen: Wer aufhört, treibt zurück", drückt er es plakativ aus.

Er ist Schöffe am Amtsgericht Düsseldorf. Und da ist sein Einsatz als Vize-Vorsitzender des von ihm 2013 in Korschenbroich mitgegründeten Vereins Augenhilfe Afrika. "Mit einer Spende von 50 Euro kann man einem Menschen in Afrika das Augenlicht zurückgeben", sagt Peter Holzenleuchter und nennt gleich die Internet-Adresse: www.augenhilfe-afrika.de.

Der Gedanke zu diesem Verein ist, wie so vieles in Korschenbroich, auch in der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft entstanden. Peter Holzenleuchter ist natürlich aktiver Schütze, im Grenadierzug "Alt Engbrück", gegründet 1738. Bei Unges Pengste hat er 1983 seine Frau Marlis kennengelernt - ein Bettrather "Mädchen", das längst nicht mehr weg aus Korschenbroich möchte. Und das einen Traum hat, den der weiße Pitter vielleicht doch noch mal Wirklichkeit werden lässt: an seiner Seite als Königin bei Unges Pengste zu stehen.

Sein eigener Traum ist, in einigen Jahren auf einer Harley Davidson die Route 66 in den USA entlangzufahren. Und dass seine Enkel dann zu ihm sagen: "Echt cool, Opa!" Das wäre ein echtes Kompliment für den Mann, dem 2012 im Gladbacher Krankenhaus Maria Hilf die karnevalistische Ehrendoktorwürde "Humoris Causa" verliehen wurde - "für einen rheinischen Menschen mit barocker Lebensfreude".

(oes)
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