| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Fischessen mit Sorgen

Mönchengladbach: Fischessen mit Sorgen
Handelshof-Chef Joachim Potrykus (li.) mit dem Prinzenpaar Niersia Monika und Michael II. FOTO: Denise Brenneis/MKV, BUsch (Archiv)
Mönchengladbach. Die Kindertanzgarden boomen, die Seniorensitzungen sind voll - doch die Berufstätigen machen einen Bogen um den Mönchengladbacher Karneval. Es ist nicht die einzige Sorge, die Karnevals-Boss Bernd Gothe umtreibt. Von Ralf Jüngermann

Wenn beim Fischessen des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes dessen Vorsitzender Bernd Gothe im Handelshof-Restaurant zum Mikrofon schreitet, wissen die Karnevalisten und Ehrengäste, was sie erwartet: eine Grundsatzrede im Fidel-Castro-Format, ein Rückblick auf die Session, der Finger in Wunden legt, die andere noch gar nicht bemerkt haben, verbunden mit freundlichen, aber unmissverständlichen Handlungsanweisungen für die nähere Zukunft.

Vor einigen Jahren hatte Gothe bei diesem Anlass gemahnt, dem Karneval fehle es an Nachwuchs. Vergangenes Jahr machten ihm die schwach besetzten Seniorensitzungen Sorgen. Jetzt sind es weit über 600 Kinder, die in Tanzgarden aktiv sind und die Sitzungen der jeweiligen Gesellschaften bereichern: Der Gardetanz boomt. Die beiden Seniorensitzungen waren bestens besucht. Heißt: Bei den ganz Jungen und den Ältesten ist vorerst alles im Lot. "Doch wir haben eine viel zu große Lücke bei den 30- bis 50-Jährigen", sagte Gothe. Nur wenige aus dieser Altersklasse gingen zu Sitzungen. Und auch am Rand des Veilchendienstagszuges habe man zu wenige von ihnen gesehen, konstatierte Gothe. "Wir können es uns jetzt einfach machen und alles auf das schlechte Wetter schieben. Aber das stimmt nicht", sagte der Karnevalsboss. Er habe auch nicht den Eindruck, dass die Erwerbstätigen lieber daheim mit Freunden Karneval feiern. "Was müssen wir tun, damit diese Menschen Freude am Karneval haben?", fragte Gothe in die Runde der Karnevalsgesellschaften und erklärte die Suche nach Lösungen für wesentlich für die Zukunft des hiesigen Karnevals.

Trotz eines "großartigen Mottos, das alle Bevölkerungsgruppen angesprochen hat", sei es nicht gelungen, Sportler, Handwerker und auch in nennenswerter Anzahl Schützen in ihren Uniformen als Teilnehmer des Zuges zu gewinnen. "Das Ergebnis wat trotz vieler Gespräche im Vorfeld leider enttäuschend", sagte Gothe. Der MKV-Boss freute sich zwar über viele Asylbewerber am Straßenrand. "Unser Engagement, sie zum Zug einzuladen, hat sich gelohnt. Das war Integration pur", so Gothe. Allerdings sei Karneval mehr, als Kamelle mit nach Hause zu nehmen und "Halt Pohl" zu rufen. Man wolle Freude vermitteln, zum Tanzen und Singen animieren. "Da haben viel Nachholbedarf, unabhängig davon, wo sie geboren wurden."

Auch im kommenden Jahr werde der MKV hart arbeiten müssen, um den Veilchendienstagszug in dieser Form zu finanzieren. Erst recht, da das Leihen der Tribünen am Geroweiher um 50 Prozent teurer geworden sei - und am Ende viele Plätze leer blieben. Der Verband müsse überlegen, wie man die Premium-Sitzplätze im Zusammenspiel mit Sponsoren besser vermarkten könne.

Bernd Gothe tadelte und mahnte aber nicht nur, sondern lobte auch. Und zwar nicht nur den neunjährigen Jungen aus Glehn, der Gothes 2200 Euro teuren Ring, der ihm beim Kamelle-Werfen von der Hand gerutscht war, gefunden und sich gemeldet hatte. Sondern auch das kleine und das große Prinzenpaar. Und seinen ewigen Stellvertreter Hans-Peter Jansen. Der scheidet auf eigenen Wunsch aus dem MKV-Vorstand aus und bekam nach seinem emotionalen Rückblick lange und stehende Ovationen. Gothe kündigte an: "Wir werden Dich und Deinen Rat weiter brauchen."

Handelshof-Chef Joachim Potrykus wusste zu berichten, dass sein Haus an die Karnevalsgesellschaften als Wurfmaterial unter anderem 52.000 Flummis, eine Million kleine Popcorn-Tüten, 30 Tonnen Bonbons und 860.000 Tüten mit Speckseilen verkauft habe. Doch jetzt ist Schluss mit lustig - und mit süß. Im Handelshof boomt jetzt - und zwar auch wegen der Karnevalisten - der Verkauf von Frischfisch. Von dem gab es traditionell zum Sessionsabschluss reichlich für die MKV-Gäste.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Fischessen mit Sorgen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.