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Mönchengladbach
Ist Bob Odenkirk ein Okerker Jung?

Mönchengladbach: Ist Bob Odenkirk ein Okerker Jung?
Ob die Vorfahren von Bob Odenkirk tatsächlich aus Odenkirchen stammen? FOTO: Hans-Peter Reichartz, Grafik: Martin Ferl
Mönchengladbach. Mit der Drama-Serie "Better call Saul" feiert der US-Schauspieler Bob Odenkirk derzeit große Erfolge, zuvor mit "Breaking Bad". Sein Bruder Bill schrieb Episoden für die "Simpsons". Eine Reise zurück zu ihren familiären Wurzeln. Von Jan Schnettler

Das Internet vergisst nichts - dieser Erkenntnis helfen nicht zuletzt dystopische Fernsehserien wie "Black Mirror" auf die Sprünge. Dass das Internet aber auch nichts vergisst, das lange vor seiner Zeit geschehen ist, kann ein ziemliches Faszinosum sein. Ein Beispiel. Auch viele Mönchengladbacher verfolgen derzeit begeistert die TV-Serie "Better call Saul", einen Ableger von "Breaking Bad". Der Streaming-Dienst Netflix wirbt derzeit dafür sogar großflächig an zahlreichen Bushaltestellen im Rheinland, Hauptdarsteller Bob Odenkirk ist also in aller Munde. Und mancher Gladbacher, nicht nur aus Odenkirchen, denkt sich da: Momentchen - Odenkirk? Ist der Mann, der den Anwalt Saul Goodman verkörpert, etwa einer von uns? Zumal sein Bruder Bill, seines Zeichens Comedy-Autor, der unter anderem etliche Folgen für die TV-Serie "Die Simpsons" geschrieben hat, fast ebenso prominent ist.

Da beginnt die Recherche im Internet, und sie führt weit in die Vergangenheit zurück. Erster Halt: das Online-Lexikon Wikipedia. Robert John "Bob" Odenkirk wurde am 22. Oktober 1962 in Berwyn, Illinois geboren. Seine Eltern hießen von Barbara und Walter Odenkirk. Nächster Stopp ist eine Seite namens www.ethnicelebs.com, auf der die unmittelbare Abstimmung von Prominenten dargestellt wird. Kein Impressum nach deutschem Vorbild, keine Garantien für Richtigkeit, aber immerhin: Da die aktuellsten Einträge der frisch geschasste FBI-Chef James Comey und der neue französische Präsident Emmanuel Macron sind, ist die Seite zumindest nicht von virtuellen Spinnweben überzogen.

Sie verfolgt Bob Odenkirks Familie bis zur Generation seiner Ururgroßeltern zurück: Die Vorfahren seines Vaters sind demnach deutsch und irisch, die seiner Mutter ebenfalls, mit einer stärkeren Betonung des deutschen Einflusses. Seine Großeltern väterlicherseits hießen Walter Leonard Odenkirk und Virgina Dooley. Walter Leonards Vater hieß Harry Thomas Odenkirk, dessen Vater James Edward Odenkirk.

Das sind schon ganz schön viele Odenkirks, die mit Sicherheit nicht in St. Laurentius Odenkirchen getauft wurden. Die Auswanderung in die Staaten muss also bereits weit zurückliegen. Die Ethnicelebs-Seite verweist nun ihrerseits auf Stammbaum- und Genealogie-Seiten - unter anderem kann man sich die eingescannten Angaben seiner Großeltern mütterlicherseits aus der Volkszählung von 1900 anschauen. Chapeau, Internet! Interessanter für unsere Zwecke ist aber eine Stammbaum-Seite mit dem schönen Namen "McCoy-Messer Mega Project". Es listet Geburtsjahre und -orte der Odenkirk-Vorfahren auf. Ururgroßvater James Edward, bei dem wir einen Zwischenstopp eingelegt hatten, kam demnach am 30. April 1843 in Pennsylvania zur Welt.

Weiter zurück also. Isaac Odenkirk - 1810 geboren, ebenda. Dann wird's spannend: George Oatencirck, geboren 1760, war Bob und Bill Odenkirks Ururururgroßvater. Die eher lautmalerisch anmutende Namensänderung lässt vermuten, dass George dasjenige Familienmitglied war, der in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist - und richtig: Als Geburtsort wird lediglich "Germany" angegeben. 1760 war das - und damit bereits 16 Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Bei George Oatencirck enden die Aufzeichnungen auf dieser Seite. Die spezifische Suche nach ihm führt jedoch weiter auf die Seite www.odenkirk.com. Das ist eigentlich das Portal eines Pianisten und "Internetkomponisten" namens Cliff Odenkirk, dessen Layout eher auf die 90er schließen lässt, doch scheint der Mann sich mit einigem Aufwand um die Aufarbeitung der Familiengeschichte verdient gemacht zu haben. Und siehe da: Georges Vater Johann Jacob Odenkirchen, geboren um 1730, gestorben um 1789, trug noch den deutschen Nachnamen. Bei Johann Jacob, schreibt Cliff Odenkirk, enden die zurückverfolgbaren Spuren.

Demnach wanderte jener Johann Jacob mit Frau und drei Kindern (besagter George sowie Eva Margaretha Ottenkirk und John Peter Ottenkirk, die es mit einer anderen lustigen Verballhornung des Nachnamens versuchten) auf dem Schnellsegler "Recovery" nach Amerika aus, der am 31. Oktober 1771 nach der Reise von Rotterdam über die Isle of Wight in Pennsylvania anlegte. Die Logbücher zeigten, heißt es weiter, dass jener Johann Jacob aus dem Bereich des Mittel- oder Oberrheins stammte, eventuell der "Pfalz" - das jedoch war damals ein schwammiger Sammelbegriff. Im Berks County, Pennsylvania, machten sich die Söhne schnell einen Namen als Farmer und trugen dazu bei, die Region als Landwirtschaftsstandort voranzubringen.

Cliff Odenkirk beschreibt auf seiner Seite auch die Historie des Gladbacher Stadtteils Odenkirchen. Ob es einen wirklichen Bezug zur Familie gibt, kann er nicht sagen. Immerhin: In den Untiefen des World Wide Web findet sich doch tatsächlich noch die an der Universität von Toronto digitalisierte Version des 550 Seiten starken Buches "Chronologisch geordnete Sammlung von mehr als 30.000 Namen von Einwanderern in Pennsylvanien" aus dem Jahr 1876. Auf der vollständigen Passagierliste der "Recovery" von 1771 findet sich denn auch ein Johann Jacob - doch mit Nachnamen heißt er Denkircher, nicht Odenkirchen. Irgendwer hat also irgendwann einen Fehler gemacht - vielleicht etwa in der Hektik des Einschiffens oder beim Übertragen der Schiffsdaten in das Buch das "O" geschlabbert und das abschließende "n" kurzerhand zum "r" gemacht.

Wie dem auch sei, die Spuren der Odenkirchens verlieren sich irgendwann doch im vor-digitalen Zeitalter - immerhin aber erst um 1730. Klar ist jedoch: Bob Odenkirk ist sicher nicht als Odenkirchener Jung zu bezeichnen. Selbst wenn Johann Jacob tatsächlich Odenkirchen geheißen und von ebenda gestammt haben sollte, läge das nunmehr fast 300 Jahre zurück.

Quelle: RP
 
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