| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Konturen eines Anti-Museums

Mönchengladbach: Konturen eines Anti-Museums
Olivier Foulon, Susanne Rennert und Susanne Titz (von links) sind die Kuratoren der Ausstellung "Von da an" im Alten Museum an der Bismarckstraße 97. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Heute vor 50 Jahren eröffnete der damalige Museumsdirektor Johannes Cladders im ehemaligen städtischen Museum die erste Ausstellung mit Arbeiten von Joseph Beuys. Eine Retrospektive. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Ein großes Porträt ziert die Fassade des alten städtischen Museums an der Bismarckstraße. Erich Höfer hängt da. Der aus Sarajevo stammende Künstler Braco Dimitrijevic hatte an einem Morgen des Jahres 1975 um 10.10 Uhr Höfer, einen zufällig vorbeikommenden Passanten, "festgehalten" - in Wort und Bild. Erich Höfer entdeckt der Kunstsucher noch einmal: Mit Blick auf das "neue" Museum auf dem Abteiberg hängt sein Bild an der Museumsbrücke. Somit ist die Verbindung zwischen altem und neuem Museum bildlich hergestellt.

In diesen Tagen und den kommenden Monaten darf zurückgeblickt werden. Heute Abend, 50 Jahre nachdem Museumsdirektor Johannes Cladders seine erste Ausstellung mit Joseph-Beuys-Arbeiten dort vorstellte, wird im Alten Museum die Ausstellung "Von da an. Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967-1978" eröffnet. Kuratiert wurde sie von Susanne Titz, Susanne Rennert und Olivier Foulon.

Elf Jahre Ausstellungstätigkeit von Johannes Cladders, es waren elf bewegte Jahre in einer Aufbruchsgesellschaft. Über den knarzenden alten Fußboden schlendernd, macht der Besucher eine Zeitreise. Das müssen aufregende Zeiten gewesen sein, in denen Kunstgeschichte geschrieben, die aber auch hart hinterfragt wurde. Zeiten, in denen sich ein Museumsdirektor traute, ein fast leeres Museum (ein Antimuseum eben) zu präsentieren: Drei Wochen lang lud der niederländische Konzeptkünstler Stanley Brouwn 1970 die Menschen ein, einmal im Jahr (insbesondere in der genannten Ausstellung) "durch kosmische strahlen" zu "gehen". Außer Aufnahmen von Passanten vor dem Museum sah man: nichts. Oder ausschließlich graue Bilder zu zeigen, nämlich solche von Gerhard Richter. Oder die Industriefotografie von Bernd und Hilla Becher, die der 2009 verstorbene Museumsdirektor Claddders als einer der ersten als Kunstwerke erkannte.

In der Ausstellung im Alten Museum sieht man von diesen Künstlern die legendär gewordenen Kassettenkataloge: Bei Brouwn liegt eine Instruktion in dem Karton, Richter legte ein Leporello mit Abbildungen der Bilder in einen von ihm grau bemalten Karton, die Bechers füllten ihren mit den Fotos. Heiß begehrt waren damals die Kassettenkataloge - aus einer finanziellen Not heraus entstanden, besitzen sie dennoch heute hohen Wert.

In einem kleinen Raum betritt der Besucher einen der Mönchengladbach-Squares des Bildhauers Carl André. Das Kunstwerk "findet nur statt, wenn man drauf steht", erklärt Susanne Titz.

Unglaublich beeindruckend ist die "Wiederaufführung" einer Arbeit von Daniel Buren von 1975 über die gesamte Höhe des Treppenhauses. 1975 hat Buren in seiner typischen "Handschrift", namentlich mit Stoffstreifen in Weiß und einer anderen Farbe, die bis dahin erfolgten Ausstellungen zitiert. Er hat überall da, wo Bilder hingen, Leerstellen in dem Markisenstoff gelassen und nannte diese Schau "À partir de là", also: Von da an. Und genau das ist auch der Titel der aktuellen Ausstellung. Damit ist der Bogen zum Heute erneut geschlagen.

In Audiostationen kann der Besucher die Reden zu den Eröffnungen der Kunstausstellungen durch Johannes Cladders hören, auf der Homepage des Museums ein Interview mit ihm anhören. Im Treppenhaus erklingen Worte des Monsignore Otto Mauer von der Galerie Nächst St. Stephan in Wien, die er zur Eröffnung der Beuys-Ausstellung in Gladbach sprach. Und im Museum Abteiberg setzt sich die Ausstellung fort.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Konturen eines Anti-Museums


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.