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Mönchengladbach
Blick hinauf zur Freiluftgalerie

Mönchengladbach. Gehen Sie auf Entdeckungstour: Im Bereich der Altstadt sind acht großformatige Fotografien von drei Gladbacher Künstlern an Hausfassaden zu sehen. Die Bilder bleiben ein Jahr hängen, dann soll es eine neue Ausschreibung geben. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Wer in den kommenden Wochen und Monaten durch die Altstadtstraßen Mönchengladbachs geht, sollte dabei aufmerksam sein, seine Blicke schweifen lassen und den Kopf gelegentlich ein wenig nach oben wenden. Nur auf diese Weise wird der Spaziergänger die echte Bereicherung erleben, die die Stadt seit einigen Tagen zu bieten hat: Eine Freiluftgalerie, in der es acht großformatige Fotografien von Anna Link, Marc-Daniel Kress sowie Fabio Borquez - alle drei in Mönchengladbach lebend - zu entdecken gilt.

Über die Weiherstraße, Neustraße, Rathausstraße, Waldhausener Straße, Turmstiege, Gasthausstraße und Heinrichstraße führt der Weg der "#kunstroutealtstadt", wie sie offiziell heißt. Da begegnen dem aufmerksamen Passanten andere Menschen aus weit entfernten Altstadtvierteln: einem Akkordeonspieler, den Anna Link in einem "kurzen, schönen Moment der Begegnung" in Lissabon fotografisch festhielt. Oder einem Bild von Marc-Daniel Kress, der als junger Mann einen Amsterdamer Flohmarkt in seiner zeitlosen Ästhetik fotografierte, die nach wie vor gültig ist.

Die Fotografien von Link und Kress entstammen der umfangreichen, seit 20 Jahren entstehenden und ständig fortgesetzten Serie "Fotografisches Reisetagebuch". In Mönchengladbachs Altstadt möchten sie mit Blicken in ferne Altstädte Fenster zu diesen Sehnsuchtsorten öffnen. Besonders begeistert zeigt sich Anna Link von den Korrespondenzen, die zwischen Fotografie und Umgebung entstehen: Auf der Seitenfassade eines vorspringenden Hauses an der Waldhausener Straße1 hängt ein schmales hochformatiges Bild, aufgenommen in Valetta auf Malta. Es zeigt eine Heiligenfigur, die auf einem Platz über einem Mann im Anzug aufragt. Im realen Umfeld der Altstadt wird das Foto überragt von einem "sky"-Werbeschild - "cultural crash" nennt Link dieses Zusammentreffen, ein (friedlicher) Kulturkampf besonderer Art. Wobei die Werbung auch als Verweis auf den im Bild nicht sichtbaren Himmel sein könnte.

Der seit zwei Jahren in Mönchengladbach lebende, argentinische Fotograf Fabio Borquez zeigt vorwiegend inszenierte Fotografie: Frauen wie aus den "Goldenen 20ern", Frauen zwischen Verlockung und diabolischem Blick - sie setzen ganz besondere Akzente in der Feiermeile Mönchengladbachs.

Die "#kunstroutealtstadt" geht zurück auf eine Idee der "Initiative Altstadt Mönchengladbach", deren 1. Vorsitzender Johannes Jansen ist. Mit der Unterstützung der Stadt und des Kulturbüros entwickelte die Initiative das Projekt. Die Jury, bestehend aus Thomas Hoeps vom Kulturbüro, Taco de Marie als Stadtplaner und Jansen, wählte unter den eingesendeten Fotografien die genannten acht aus. Aus dem "Fonds für Wohnumfeldverbesserung bei bürgerschaftlichem Engagement" kamen etwa 10.000 Euro für die Umsetzung des Projektes. Feste Rahmen wurden - natürlich nach Absprache mit den Eigentümern - an ausgewählten Fassaden angebracht und die auf Planen gedruckten Fotografien installiert.

Es könnten in Zukunft durchaus mehr Kunstwerke an mehr Fassaden werden, so der Wunsch der Initiatoren. Die acht Fotografien der ersten Runde bleiben nun ein Jahr hängen, danach gibt es eine neue Ausschreibung und neue Arbeiten. Fotografen und Illustratoren sind in erster Linie angesprochen. Gerne auch solche, die nicht schon einen festen Platz im Künstlerpool c/o Mönchengladbach haben.

Quelle: RP
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