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Mönchengladbach
Hauptkirche Rheydt: Musik und Dunkelbier von Max Reger

Mönchengladbach. Zur Eröffnung des Rheydter Musiksommers erklangen Werke des vor 100 Jahren verstorbenen Komponisten. Anschließend gab es Brezn und Bier. Von Dirk Richerdt

Er konnte aufbrausend sein - und entsprechend komponieren. Davon kündet die 1899 entstandene "Introduction und Passacaglia" des Hünen Max Reger (1873-1916), mit der Kirchenmusikdirektor Udo Witt die "Sommernacht mit Max Reger" in der evangelischen Hauptkirche eröffnete. Der Oberpfälzer verfügte aber auch über deftigen Humor. Das belegten die ins Konzert eingestreuten Anekdoten wie die von einer missliebigen Zeitungskritik, die Reger wutentbrannt mit aufs stille Örtchen nahm, oder sein Hinweis gegenüber einer fürstlichen Dame: "Reger bleibt immer Reger, von vorn wie von hinten gelesen."

Erst 13 Jahre alt, übernahm Udo Witts Tochter Sophie mutig und erfolgreich den Part der Moderatorin dieses Gedenkkonzerts anlässlich des 100. Todestages des Weideners. Dabei lernten die fast 300 Besucher manch wenig bekanntes Werk Regers kennen. Und erfuhren beim klangsinnlichen Vortrag der aus der Ukraine stammenden Geigerin Tanja Cherepashchuk, Mitglied der Niederrheinischen Sinfoniker, und der Oboistin Petra Straeten, dass der sonst oft schroff und herb klingende Bach- und Brahms-Verehrer Reger auch eine erzromantische Seite hatte. Bei den Duos mit Udo Witt an der Sauer-Orgel durften die Partnerinnen stets dominieren und die Vorzüge ihrer Instrumente ansprechend zur Geltung bringen. Besonders überzeugte die Oboe bei dem Chanson de Matin des englischen Zeitgenossen Edward Elgar mit zwitschernden Trillern und fein ausgesponnenen Ton-Netzen.

Für die zweite Hälfte zogen die Musiker von der Orgelbühne um vor die Kanzelwand, wobei nun auch visuell die innig ausgekostete Intensität der langen Bogenführung von Tanja Cherepashchuk zu bewundern war und Petra Straeten bei einem Idyll ("Idillio") von Ermanno Wolf-Ferrari ansprechend die sommerlich-verspielte Stimmung dieser Tonsprache traf. Dabei begleitete Udo Witt nun am Flügel. Wie auch beim Schlussstück, dem "Wiegenlied und Burla" für Violine und Klavier. Das hatte Reger für seine Adoptivtöchter Lotti und Christa geschrieben. Burla ist der dank Verdis "Falstaff" berühmt gewordene italienische Ausdruck für Schabernack, und dafür sorgte die Kirchengemeinde dann mit einem außergewöhnlichen Kehraus. Die Besucher durften im Vorschiff bayerische Brezn und das speziell in Weiden gebraute Bier "Max-Reger-Dunkel" kosten. Prost auf den Rheydter Musiksommer!

Quelle: RP
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