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Axel Niemöller
"Man braucht eine Querdenker-Mentalität"

Axel Niemöller: "Man braucht eine Querdenker-Mentalität"
FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Der Tennislehrer spricht über eine Auszeichnung sowie Perspektiven und Aufgaben der Gladbacher Tennisklubs

Herr Niemöller, Ihre "Allround"-Tennisschule wurde in der vorigen Woche zu "Deutschlands Tennisschule 2015" gekürt. Was muss eine Schule leisten, um mit einem solchen Titel ausgezeichnet zu werden?

Niemöller Zunächst einmal gibt es nur 65 Tennisschulen, die vom Deutschen Tennis Bund offiziell lizensiert sind. Dafür muss ein ganzer Kriterienkatalog erfüllt werden, dabei geht es beispielsweise um organisatorische und fachliche Voraussetzungen, die Qualifikationen der hauptberuflichen Trainer, das Marketingkonzept oder um eine breit gefächerte Angebotspallette.

Was hat letztlich den Ausschlag für Ihre Schule gegeben?

Niemöller Dass in Tim Sandkaulen der amtierende Deutsche Jugendmeister aus unserer Schule hervorgegangen ist, war bei der Bewertung auf jeden Fall nur ein Punkt unter vielen. Noch wichtiger ist, dass wir über ein sehr kompetentes Trainerteam verfügen, das sein Spektrum zuletzt nochmals deutlich erweitert hat - von der speziellen Athletiktrainer-Ausbildung über Fortbildungen zum Food- oder Mental-Coach bis zum Personaltrainer. Damit schaffen wir ein Angebot für alle Alters- und Leistungsklassen sowie für viele Interessen, gewinnen und binden so unsere Mitglieder. Außerdem war der Jury wichtig, dass wir für Kontinuität und Nachhaltigkeit stehen und mit einigen Klubs schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Desweiteren kooperieren wir mit sieben Grundschulen, die über die Tennis-Schul-AG auch an Ogata-Camps in den Ferien teilnehmen.

Stichwort Kontinuität: Sie haben sich vor 30 Jahren mit der Tennisschule selbstständig gemacht. Wie hat sich seither die Popularität ihres Sports entwickelt?

Niemöller Mitte der Achtziger Jahre sprach man vom Boris-Becker-Boom, später war Tennis dann irgendwann out. Der Sport hatte in Deutschland mit einigen Schwankungen in den vergangenen Jahrzehnten zu kämpfen, unsere Tennisschule war aber zum Glück davon nicht betroffen. Man ist aber auch selbst mitverantwortlich dafür, wie erfolgreich man ist. Man muss seine eigene Philosophie und sein eigenes Alleinstellungsmerkmal entwickeln, um interessant zu bleiben. Hierzu bedarf es auch einer Querdenker-Metalität. Das gilt für Tennisschulen genauso wie für die Klubs.

Wie wichtig sind dabei innovative Ideen wie die Tennis-Pausenliga, die Sie sich beim Fußball abgeschaut haben, oder jüngst das Super-Talent-Casting beim Odenkirchener TC?

Niemöller Tennis ist nach Fußball und Turnen immer noch der mitgliederstärkste Sport in Deutschland, trotzdem steht er nicht mehr so im Fokus wie zu den Zeiten eines Boris Becker. Deswegen müssen wir uns auf wesentlich breitere Füße stellen und neue Aufhänger suchen. Dazu gehört auch, dass man über den Tellerrand hinausschaut. Ich habe zum Beispiel einen guten Austausch mit Borussias U 23-Trainer Arie van Lent. Ebenso schaue ich immer genau hin, was in anderen Sportarten zusätzlich angeboten wird. Wenn es gelingt, bestimmte Projekte wie die Pausenliga oder die Talentsichtung auf unseren Sport zu übertragen, kann das für die Tennisschulen und -klubs nur gut sein.

Wie steht es denn derzeit um Gladbachs Tennisvereine?

Niemöller Viele sind froh, dass sie ihre Mitgliederzahlen in etwa halten können. Es kommen durchaus jedes Jahr neue Mitglieder hinzu, jedoch fällt auch immer eine große Zahl hinten heraus, sei es aus beruflichen, familiären oder Altersgründen. Passive Mitglieder gibt es kaum noch, da die Bindungsfähigkeit vieler Tennisspieler zu ihrem Klub abgenommen hat. Zudem kann es sich kaum ein Verein mehr leisten, einen Trainer fest anzustellen, um den eigenen Trainingsbetrieb selbstständig zu gewährleisten.

Sind deswegen die Tennisschulen für die Vereine heute elementar wichtig?

Niemöller Genau. Jeder Klub, der etwas auf sich hält, kooperiert mittlerweile mit einer Schule. Die Tennisschulen haben heutzutage eine viel größere Bedeutung, ihre Aufgabenbereiche sind viel umfangreicher geworden. Wir arbeiten alleine mit vier Vereinen zusammen. Und es ist wichtig, dass wir eine enge Bindung zum jeweiligen Klub aufbauen, deswegen engagieren wir uns auch ehrenamtlich - ob als Jugendwart, im Beirat oder im Förderverein - in den Vereinen, unabhängig von der sportlichen Ausrichtung. Das funktioniert sehr gut.

Bringt Konkurrenzkampf unter den Klubs Ihren Sport voran?

Niemöller Die Klubs müssen kapieren, dass man vor allem gemeinsam stark ist. Dazu gehört, die Leistungen des anderen anzuerkennen und zu respektieren. Ein Beispiel: Ich muss mich als Tennisspieler doch freuen, wenn der Gladbacher HTC in der Bundesliga spielt und mir ein Event bietet, bei dem es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, es sich anzuschauen. Genauso sollte es bei der Frage, ob ich an den Kreismeisterschaften teilnehme oder nicht, keine Rolle spielen, in welchem Klub das Turnier ausgetragen wird. Mir als Kreisjugendtrainer ist es ja auch völlig egal, aus welchen Vereinen sich die Jugendlichen des Kreiskaders zusammensetzen.

Gibt es bezüglich der Altersstruktur in den Klubs mehr Sorgen bei den Erwachsenen oder beim Nachwuchs?

Niemöller Es gibt heutzutage viele Baustellen, um die sich die Klubs kümmern müssen, man darf sich auf jeden Fall nicht nur einer Zielgruppe widmen. In vielen Vereinen kommen mittlerweile die meisten Mitglieder aus den Altersklassen ab 45 Jahre und älter, während es zwischen 20 und 45 Jahre häufig Probleme gibt. Das wird in nächster Zeit eine wichtige Herausforderung sein, denn gerade die Damen und Herren 30 sind in einem Verein das Verbindungsstück zwischen der Jugend und den Senioren. Was die Jugendlichen angeht, müssen die Klubs ihren Mitgliedern deutlich machen, wie wichtig die Nachwuchsarbeit für die Zukunft ist. Denn leider werten manche älteren Mitglieder die Jugend als reines Zuschussgeschäft.

Am Freitag beginnen die Kreis- und Stadtmeisterschaften der Jugend. Was erhoffen Sie sich vom Turnier?

Niemöller Zunächst einmal freue ich mich riesig auf die Wettbewerbe. Für mich sind die Kreis- und Stadtmeisterschaften grundsätzlich ein absoluter Saisonhöhepunkt, da sie den Talenten in unserem Kreis eine tolle Plattform bieten, um sich auf einem lokalen Turnier zu präsentieren. Aus meiner Sicht gibt es aber zu viele Jugendliche, die diese sportliche Herausforderung scheuen. Es sind letztlich immer dieselben Talente, die sich dem Wettkampf stellen und sich dann auch durchsetzen. Dadurch wird zwangsläufig die Diskrepanz unter den Teilnehmern immer größer, und darunter leidet das Niveau. Es mangelt uns nicht an Nachwuchsspielern, nur wäre es schön, wenn mehr Kinder sich sportliche Ziele setzen würden.

Quelle: RP
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