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Mönchengladbach
Stadt setzt auf Ministerin Scharrenbach

Mönchengladbach: Stadt setzt auf Ministerin Scharrenbach
FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Kommt jetzt Bewegung in den Streit um die Vermarktung des alten Finanzamts? NRW-Ministerin Ina Scharrenbach will vermitteln. Sie war gestern zwei Stunden in Gladbach unterwegs und interessierte sich für die Innenstadtsanierung. Von Dieter Weber

Der Baudezernent sagt: "Sollte." NRW-Ministerin Ina Scharrenbach antwortet mit: "Könnte." Die unterschiedliche sprachliche Auslegung könnte eine Petitesse sein, denn Mönchengladbach hat gute Karten, wenn es um die Verteilung von Geld aus dem Fördertopf "Soziale Stadt" geht. Doch entscheidend ist eine Runde, die Mitte Mai in Düsseldorf tagt und in der die Spitzen aus mehreren Ministerien über das Programm beraten werden.

Das Urteil von Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, hat in dieser Konferenz Gewicht, kann sogar entscheidend sein für die Erwartung der Stadt, viele Millionen Euro Zuschüsse zu bekommen.

Und deshalb wird der Eindruck wichtig sein, den Scharrenbach bei ihrem gestrigen Besuch in Mönchengladbach bekommen hat. Fast zwei Stunden war sie mit Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, Planungsdezernent Gregor Bonin und den CDU-Landtagsabgeordneten Jochen Klenner und Frank Boss in der Gladbacher Innenstadt unterwegs.

Sie schaute sich an, wie die Situation vor Ort ist und ließ sich erklären, wie die Stadt sie verändern will. Im Mittelpunkt stand dabei das Konzept mit dem sperrigen Titel "Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept Alt-Mönchengladbach", kurz IHEK. 63 unterschiedliche Projekte mit einer Gesamtinvestition von 49,3 Millionen Euro hat die Stadt entwickelt und im Strategiepapier aufgelistet. Rund 80 Prozent der Kosten sollen Zuschussgeber tragen. Neben dem Land sind es noch die EU und der Bund.

Und wie sind Gladbachs Chancen auf die Fördermillionen? "Wir haben mit der Stadt gute Erfahrungen gemacht", sagt Scharrenbach. Sabine Makelski, im NRW-Bauministerium Referatsleiterin für Städtebauförderung, stützt diese Aussage. Sie hat das Programm "Soziale Stadt Rheydt" begleitet. "Das lief alles sehr gut ab, alle Termine wurden eingehalten", bekräftigt sie und sorgt bei den Gastgebern für zufriedene Mienen.

Die NRW-Ministerin ist vor allem von der Stadtbücherei und ihrem Umfeld mit dem Adenauerplatz angetan, eines der zentralen Projekte in der IHEK-Planung. "Das ist ein spannender Standort", sagt sie. Stadtplaner Bonin nutzt die Gunst der Stunde und spricht die Situation mit dem alten Finanzamt an: "Wir haben als Stadt in diesem Bereich eigene Immobilien und haben mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb, der das Finanzamt vermarktet, Gespräche geführt, was man mit dem innerstädtischen Komplex in hervorragender Lage machen kann. Doch wir kommen nicht weiter." Scharrenbach hört zu und bietet Hilfe an. "Ich werde mit dem Finanzministerium und dem BLB Kontakt aufnehmen", verspricht sie.

Beim Rundgang liegt das Augenmerk nicht nur auf das IHEK-Programm. Die Gäste aus Düsseldorf lassen sich erklären, wie die Stadt die Situation an der oberen Hindenburgstraße mit hohem Leerstand lösen will, indem ein Durchbruch zum Museum Abteiberg geschaffen wird. Sie hören zu, als OB Reiners kurz die Geschichte der Altstadt und vom Niedergang der einstigen Partymeile erklärt.

"Es gibt gute Ansätze, diesem Standort einen anderen Charakter zu geben", sagt Reiners und berichtet vom gezielten Kauf von Häusern durch die städtische EWMG und verstärkte Anstrengungen von Anwohnern, Initiativen und dem Club der Wirte, den Bereich wieder attraktiver zu gestalten. Die geplante Markthalle auf dem Kapuzinerplatz wird ebenso Thema wie die Erweiterung des Geroparks um den Bereich des Parkplatzes. Auch die Wohnungsbauprojekte in der City Ost, auf dem Maria-Hilf-Gelände und dem Reme-Areal mit mehreren tausend Wohnungen interessieren Scharrenbach.

Am Ende kommt ihre entscheidende Frage: "Und wann wird man etwas von den Veränderungen sehen können? Die Bürger wollen nicht nur immer auf bunte Pläne blicken." Planer Bonin windet sich kurz, ringt sich dann zu einer klaren Aussage durch: "In fünf Jahren. Das gesamte IHEK-Programm ist auf zehn Jahre angelegt. Und die ersten Förderanträge sind raus." Jetzt liegt der Ball bei Ina Scharrenbach.

Quelle: RP
 
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