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Bundestagswahl 2013
Der liberale Kandidat: Politik darf nicht zum Beruf werden

Moers. Der 46-Jährige findet, dass Abgeordnete nur eine begrenzte Zeit in Parlamenten sitzen sollten. Wegen seiner guten Beobachtungsgabe nennen Freunde ihn "Sherlock Holmes". Von Julia Lörcks

 Wenn Thomas Heiske Texte über seine Person liest, dann fühlt er sich meistens nicht richtig eingeschätzt. Also fragen wir ihn selbst: Wie würden Sie sich denn beschreiben? "Ich bin ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Bürokratie", antwortet Heiske.

Nun gut: Als Kandidat, der am 22. September für die FDP im Wahlkreis Wesel I in den Bundestag einziehen will, muss er das fast schon sagen. Und wie sind Sie sonst so? Heiske: "Ich würde sagen, ich habe eine mangelnde Selbstdisziplin, weil ich an keinem Schokoriegel der Welt vorbeigehen kann. Meine Freundin sagt aber, ich wäre gut strukturiert, weil ich jeden Tag eine Stunde joggen gehe. Außerdem sei ich wie Sherlock Holmes." Demnach ein detailgenauer Beobachter und nüchterner Schlussfolgerer. Heiske bestätigt: "Ich beobachte die Menschen ganz genau."

Im Gespräch gibt sich der Liberale, der in Schermbeck seit 1995 eine Rechtsanwaltskanzlei betreibt, gut vorbereitet. Er redet von Verschwendung von Steuergeldern, die man bestrafen sollte. Von Arbeitsplätzen in der Region, die man schaffen und erhalten sollte. So sei es zum Beispiel der FDP zu verdanken, dass im Kreis Wesel ein Hochschulstandort etabliert werden konnte. Sorgen macht sich Heiske jedoch um die Anzahl der Hausärzte in der Region: "Durch den demografischen Wandel wird das Netz grobmaschiger werden. Es müssen nicht nur finanzielle Anreize vom Gesundheitsministerium geschaffen werden, es muss sich auch etwas an der Ausbildung verändern." Er redet über den Hochwasserschutz, der am Niederrhein effe*/ktiver und erneuert werden muss. Und über Berufspolitiker. "Ich plädiere dafür, dass die Zahl der Legislaturperioden auf maximal drei im Bundes- und Landtag und auf vier auf kommunaler Ebene begrenzt wird. Die Verweildauer einzelner Abgeordneter ist zu lange, sie sollen schließlich ein Spiegelbild der arbeitenden Bevölkerung und keine Berufspolitiker sein", sagt Heiske. Der 46-Jährige, der nicht mehr so gern über sein Alter spricht, geschieden ist und zwei Kinder (zwölf und ein Jahr alt) hat, ist seit 30 Jahren politisch aktiv. Damals trat er in die Junge Union in Schermbeck ein, war eine Zeit lang sogar deren Vorsitzender. Durch sein Studium der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaften in Bochum und Münster ließ er dieses Amt jedoch ruhen. Erst 1998, als ihn die FDP fragte, ob er nicht für die Kommunalwahl im Jahr 1999 kandidieren wolle, kehrte er auf die politische Bühne zurück. Seitdem sitzt er für die Schermbecker Liberalen im Gemeinderat. Es folgte die Mitgliedschaft als sachkundiger Bürger im Kreisausschuss für Gesundheits- und Ordnungsangelegenheiten und die Nominierungen als FDP-Kandidat für den Bundestag. Insgesamt viermal: 2002, 2005, 2009 und jetzt im Jahr 2013. Dass seine Partei nicht alles eingehalten hat, was sie in der vergangenen Legislaturperiode versprochen hat, weiß er selbst. Stichwort Steuerharmonisierung. Heiske kann Fehler zugeben.

Wahlkreis Wesel I: Hünxe, Voerde, Alpen, Hamminkeln, Kamp-Lintfort, Rheinberg, Schermbeck, Sonsbeck, Wesel und Xanten

Quelle: RP
 
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