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Moers
Hakenkreuze an Flüchtlingswohnheim

Hakenkreuze an Flüchtlingswohnheim
FOTO: Klaus Dieker
Moers. In der Nacht zu Dienstag haben Unbekannte rechte Parolen und Hakenkreuze an die Fassade des ehemaligen Hotels "Am Kamin" gesprüht. In wenigen Wochen sollen dort Flüchtlinge untergebracht werden. Der Staatsschutz ermittelt. Von Markus Plüm

Die aufgesprühten Worte an der Seitenfassade des ehemaligen Hotels "Am Kamin" zeugen nicht gerade von überdurchschnittlichem Intellekt: "Asysanten raus!" Dahinter prangt ein Hakenkreuz an der weißen Wand. Wenige Schritte weiter sind die Worte "Go home" zu lesen, ebenfalls mit einem Hakenkreuz versehen.

In der Nacht zu Dienstag haben Unbekannte die Wände des Gebäudes an der Xantener Straße mit diesen Parolen beschmiert. Bereits am frühen Morgen verständigten Anwohner die Polizei, die den für solche Delikte zuständigen Staatsschutz aus Duisburg informierte. Die Beamten leiteten sofortige Ermittlungen ein, befragten Nachbarn und die Inhaber der angrenzenden Geschäfte, ob sie etwas beobachtet hätten.

FOTO: Klaus Dieker

Erst in der vergangenen Woche hatte die Stadt Moers Schreiben verschickt, in denen die Anwohner über den bevorstehenden Einzug einer Gruppe von Flüchtlingen in das ehemalige Hotel informiert wurden. Das Gebäude sollte eigentlich schon seit einigen Monaten als Übergangswohnheim dienen, anhaltendende Umbauarbeiten verzögerten die Folgenutzung jedoch.

Der Inhalt des Informationsschreibens ist für Ramon van der Maat, Pressesprecher der Polizei Duisburg, auch eine mögliche Erklärung für die Schmierereien: "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine Protestaktion gegen den anstehenden Einzug der Flüchtlinge handelt." Ob es sich wie zuletzt im sachsen-anhaltinischen Tröglitz um eine Tat mit nationalsozialistischem Hintergrund handelt, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen.

Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer zeigt sich von dem Vorfall betroffen: "So etwas schadet natürlich dem Ansehen der Stadt. Nach meiner Wahrnehmung gibt es in Moers aber anders als in anderen Städten keinen Nährboden für Rechtsextremisten. Der Runde Tisch zur Aufnahme von Flüchtlingen zeigt genau das Gegenteil. Weiterhin findet er deutliche Worte in Richtung der Täter: "Idioten, die meinen, die Gelegenheit nutzen zu müssen, um auf irgendeinen Zug zu springen, gibt es leider überall."

Petra Hölzgen wohnt direkt neben dem alten Hotel, habe in der Nacht allerdings auch nichts Ungewöhnliches bemerkt: "Unser Schlafzimmer geht nach hinten raus, daher haben wir nichts mitbekommen." Dennoch habe sie nun Angst um ihre Sicherheit: "Hoffentlich bleibt es hier ruhig, das ist meine allergrößte Sorge. Diese armen Menschen wohnen hier doch noch nicht einmal. Wir sollten erst einmal abwarten, wie es sich entwickelt."

Unterdessen wurden die Parolen bereits am gestrigen Mittag schon wieder entfernt. Nach Abschluss der Spurensicherung durch den Staatsschutz wurden sie durch ein beauftragtes Unternehmen übermalt.

(rp)
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