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Moers
Meerbecker wollen in Rumänien helfen

Moers: Meerbecker wollen in Rumänien helfen
Moers. Das Nachbarschaftsnetzwerk 55plus unterstützt die Rumänienhilfe der Grafschafter Diakonie. Die Moerser möchten in der Ortschaft Sacueni eine Waschküche einrichten und Gemüsegärten anlegen. Von Josef Pogorzalek

Von Armut und Elend zu hören und zu lesen ist das eine. Es mit eigenen Augen zu sehen ist das andere. "Wir waren schockiert über die Zustände", fasste gestern Wolfgang Angerhausen die Eindrücke einer Gruppe von Meerbeckern zusammen, die im Januar in der rumänischen Kleinstadt Sacueni im Kreis Bihor waren. Die im Interkulturellen Nachbarschaftsnetzwerk 55plus engagierten Meerbecker sahen zugewucherte Gärten und heruntergekommene Häuser. Sie trafen Menschen ohne Arbeit, Geld, Perspektiven und Lebensmut. "Eine junge Familie mit zwei Kindern, beide Eltern waren arbeitslos, lebte von 50 Euro Hilfe im Monat", berichtete Angerhausen. "In einem Romadorf lebten die Menschen in Lehmhütten ohne Strom. Wir waren sprachlos."

Die Meerbecker, die sich sonst innerhalb des Netzwerks um das Miteinander vor ihrer Haustür kümmern, wollen den Menschen in Rumänien helfen. Im April soll ein Hilfstransport nach Sacueni rollen. Benötigt werden Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Mehl, Margarine, aber auch (Kinder-)Kleidung, Betten, Matratzen, Hygieneartikel Geschirr, Spielzeug und viel mehr. Über reine Hilfsgütertransporte hinaus möchten die Meerbecker aber nachhaltige Hilfsprojekte in Sacueni ankurbeln. Hungernden Familien soll über Patenschaften geholfen werden. "Für 20 Euro im Monat, die ein Bäcker bekommt, erhält eine Familie einen Monat lang jeden Tag ein frisches Brot", schilderte Angerhausen eine Idee. Eine andere ist der Aufbau einer Waschküche. Ein Gebäude stehe zur Verfügung, gebraucht werden Waschmaschinen, Trockner, Nähmaschine und Bügeleisen. Ein weiteres Projekt ist der Anbau von Gemüse in Sacueni. Dafür werden Gartengeräte und Saatgut gebraucht.

Oben Wolfgang Angerhausen und Rainer Tyrakowski-Freese im Lagerraum, wo sich bereits einige Spenden angesammelt haben. Unten: Die Rumänen freuen sich über die Hilfe. Hier zwei Fotos von einem Besuch vor Ort. FOTO: Dieker, Angerhausen (2)

Angerhausen und seine Mitstreiter fügen sich ein ins Netz der Rumänienhilfe der Grafschafter Diakonie. "Wir sind dankbar für die guten Ideen", sagte gestern Diakonie-Geschäftsführer Rainer Tyrakowski-Freese. Seit drei Jahren setzt sich die Diakonie in Bihor ein, das im Grenzgebiet zu Ungarn liegt. Die reformierte Kirche in Bihor ist Partner und Garant dafür, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Die unterversorgte ländliche Region habe eine wechselvolle Geschichte hinter sich, sagte Tyrakowski-Freese. Viele Menschen fühlten sich als Ungarn, der Anteil von Sinti und Roma an der Bevölkerung sei hoch. "Der rumänische Staat vergisst diese Gegend. Die reformierte Kirche und die katholische Kirche sind als einzige im größeren Umfang sozial aktiv." Vielen Familien bleibe nur eine Strategie: Wenigstens ein Mitglied ins Ausland zu schicken, in der Hoffnung, dass es dort Arbeit findet und den Daheimgebliebenen Geld zukommen lässt.

Interkulturelles Nachbarschaftsnetzwerk 55plus, Bismarckstraße 35b, 02841 5182066, netzwerk@meerbeck55plus.de, www.unser-quartier.de/meerbeck55plus

Quelle: RP
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