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Moers
Verein für spastisch Gelähmte feiert ein letztes Mal

Moers. Die Feier zum 50-jährigen Vereinsbestehen war ein besonderer Anlass - der Verein löst sich wegen Überalterung auf. Von Jutta Langhoff

50 Jahre ist es jetzt her, dass sich an einem Tag im März fünf Männer und zwei Frauen in der Moerser Sozietät zusammenfanden, um einen ungewöhnlichen Verein zu Gründen. Sie alle hatten spastisch gelähmte Kinder und suchten die Gemeinschaft mit anderen, ebenfalls betroffenen Eltern. Vor allem aber wollten sie ihre Kinder nicht länger - wie damals üblich - zuhause vor den Augen der Öffentlichkeit verstecken, sondern ihnen ein möglichst würdiges Leben in der Gesellschaft verschaffen.

Eine in jenen Tagen pioniermäßige Tat, denn zu diesem Zeitpunkt "hatten Behinderte noch keine Lobby", wie es die langjährige Vorsitzende des Moerser "Vereins für spastisch Gelähmte und andere Körperbehinderte", Gisela Meißner, am Samstag bei einer Feier zum 50-jährigen Bestehen ihres Vereins in der Gaststätte des TV Kaldenhausen in Rumeln-Kaldenhausen beschrieb. Eine gleichzeitig freudige, aber auch traurige Feier. Freudig, weil der Verein in den 50 Jahren seines Bestehens vieles zugunsten der nicht nur in Moers und am linken Niederrhein lebenden Behinderten verändern konnte, traurig, weil es seine letzte Feier war. Der zum Schluss noch aus rund 70 Mitgliedern bestehende Verein hat im April vergangenen Jahres beschlossen, sich aufzulösen. "Wie sind jetzt fast alle schon über 80", begründete Vorstandsmitglied Klaus Bender diese Entscheidung.

"Bis auf zwei, die noch in ihren Familien leben, sind alle unsere Kinder inzwischen in verschiedenen karitativen Einrichtungen untergebracht, so dass wir uns über ihre Zukunft keine Sorgen mehr zu machen brauchen." Das war jedoch nicht immer so.

So richtete der Verein zum Beispiel schon anderthalb Jahre nach seiner Gründung in den Räumen der ehemaligen Hoerstgener Grundschule einen eigenen Kindergarten ein, weil es in den regulären Kindertagesstätten keine Plätze für behinderte Kinder gab. Später kam dann noch eine Tagesbildungsstätte für junge Erwachsene, eine Sportgemeinschaft und eine Reiseabteilung dazu, die mit eingesammelten Spendengeldern den Kindern und ihren Eltern einmal im Jahr einen gemeinsamen Urlaub in den Bergen, am Meer oder in anderen schönen Erholungsgebieten ermöglichte.

Die letzte große Aktion des Vereins war die Beteiligung am Bau eines von den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein in der Moerser Römerstraße errichteten Behindertenwohnheims. Sein größter Erfolg war es jedoch, entscheidend dazu beigetragen zu haben, spastisch gelähmte Menschen und andere Körperbehinderte aus ihrer leider immer noch nicht ganz beseitigten gesellschaftlichen Außenseitenrolle zu befreien.

Quelle: RP
 
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