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Unsere Woche
Vluynerin in den Bundestag?

Moers. Nach vielem Hin und Her haben die Krefelder Sozialdemokraten nun doch darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten für die Bundestagswahl aufzustellen.

Eines muss man den Krefelder Sozialdemokraten lassen: Sie wissen, wie sie ihren Moerser Genossen in die Suppe spucken. So eierten sie bei der Frage, ob sie einen eigenen Kandidaten für die Bundestagswahl aufstellen sollten, ziemlich herum. Erst hieß es nein, dann ja, dann vielleicht, jetzt wieder nein. Zudem ließen sie, angeblich aufgrund eines Missverständnisses, vereinbarte Termine verstreichen.

Das alles könnte man in Moers abhaken und sich darauf konzentrieren, den besten Bewerber zu finden. Allerdings haben die Krefelder da schon eine vernehmliche Duftmarke gesetzt. Vorstandsmitglieder, die nicht namentlich genannt wurden, hätten sich für die Vluynerin Elke Buttkereit ausgesprochen. Formal ist das zwar noch keine Empfehlung für die Kandidatin, inhaltlich kann man es aber wohl kaum anders verstehen, als dass die Krefelder SPD auf jeden Fall vermeiden will, dass ein Moerser das Rennen macht.

Damit bestätigt sich, was bereits gemutmaßt wurde: Krefeld hält das Moerser Kandidatenangebot für zu schwach, hat aber selbst auch nichts Besseres anzubieten. Dass die dortigen Genossen auch dem Fast-Krefelder Andreas Albrecht den Rücken zeigten, ist ein weiteres Indiz für die Krefelder Skepsis.

Vielleicht hat man sich aber auch einfach überlegt, welche Kandidatin am ehesten das Zeug hätte, gegen die bereits feststehende CDU-Mitbewerberin Kerstin Radomski gut auszusehen. Da hat eine Frau schon einmal einen Startvorteil. Zwar hat auch Silvia Rosendahl, die Vorsitzende des Ortsvereins Rheinkamp, kommunalpolitische Verdienste vorzuweisen. Sie kann aber als Mitarbeiterin der Düsseldorfer Staatskanzlei in Sachen Bodenständigkeit der ehemaligen Vluyner Klompenkönigin Buttkereit nicht das Wasser reichen. Dass in Krefeld so etwas eine Rolle spielt, sieht man ja auch daran, dass die Sozialdemokraten für den südlichen Krefelder Wahlkreis eine ehemalige Karnevalsprinzessin aufgestellt haben.

Wie die Wahl am 30. September ausgeht, hängt unter anderem davon ab, welche Ortsvereine wie viele Delegierte zusammenbekommen. Sollte niemand absagen oder krank werden, hätten Krefeld und Neukirchen-Vluyn bei der Kandidatenwahl zusammen 69 Stimmen. Nötig zum Sieg wären 76. Durchaus denkbar, dass Buttkereit es schafft, diese Stimmen in Moers zu holen, wo solche Wahlen von einigen Mitgliedern traditionell gerne genutzt werden, um alte Rechnungen zu begleichen. Albrecht jedenfalls traut der Vluynerin zu, das Rennen zu machen. Das sollte zu denken geben.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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