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Nettetal
Bilder erzählen von Flucht und Angst

Nettetal: Bilder erzählen von Flucht und Angst
FOTO: Burghardt Joachim
Nettetal. Gewehre, Mündungsfeuer, Menschen auf dem Boden: "Sie haben unser Dorf umzingelt und drauf los geschossen, das habe ich gemalt", erzählt der junge Mann. Er zeigt auf ein Bild, auf dem das Massaker zu sehen ist. Von Joachim Burghardt

Er blickt zu Boden, schweigt und flüstert dann: "Alles so traurig." Ja, traurig und bewegend sind die Motive, die die jungen Flüchtlinge gemalt haben. Aber auch fröhliche Darstellungen sind zu sehen auf den Bildern, die im Jugendzentrum Arche vorgestellt wurden.

Die jungen Künstler stammen aus afrikanischen und asiatischen Ländern und leben nun in Nettetal. "Sie haben schnell Kontakte gefunden, ja Freundschaften geschlossen mit deutschen Jugendlichen", sagt Stephan Pläp, Leiter des Jugendzentrums von St. Sebastian. Die Malaktion ist ein Projekt von Kirche, Sozialverband und Künstlern. So hat das Lobbericher Künstler-Paar Minten-Rathner die Flüchtlinge in seinem Atelier malen lassen. "Manche hatten noch nie mit Pinsel oder Stift gearbeitet", erklärte Brigitte Minten-Rathner. Umso beeindruckender, was die Jugendlichen auf die Leinwände gebannt haben - von Details bis zu collagenhaften Szenen. Menschenmengen vor Grenzzäunen, ein Gesicht ohne Kontur und Körper, aber auch Herzen und lächelnde Menschen sind dargestellt. "Malen ist wie sprechen. Die jungen Leute erzählen in Bilder von ihren Erlebnissen und Gefühlen", erläutert Salvatore Minten. Das Künstlerpaar kam in Gesprächen mit Pläp auf die Idee, junge Flüchtlinge in sein Atelier einzuladen.

Einige der Künstler wohnen im früheren Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck: "Hier betreuen wir von der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe unbegleitete minderjährige Flüchtlinge", erklärt Fatbardh Ibrahimi. Mitfinanziert wird das Projekt vom Katholischen Kirchengemeindeverband Nettetal (KGV). Eher schüchtern registrieren die Flüchtlinge das Interesse an ihren Werken. "Das sind Erinnerungen, die ruhig alle sehen können, aber sie gehen mir selbst immer wieder nahe", sagt ein junger Mann. Dann zeigt er auf eine Szene im Bild und lächelt: "Das tut gut!" Zu sehen ist unter dem Schriftzug "Afghanistan" eine Schlägerei, doch die Szene daneben trägt den Titel "Europa" und zeigt zwei Menschen, die sich die Hand reichen. Einrichtungen, die die Bilder ausstellen wollen, können sich bei St. Sebastian, Telefon 02153 914130, melden.

Quelle: RP
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