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Nettetal
Medizinische Hilfe für das Hospital auf Lesbos

Nettetal. Die Nettetaler Hilfsorganisation "Human Plus" hat am Wochenende mehr als 32,3 Tonnen medizinischer Hilfsgüter, Nahrung und Ausstattung für Babys, Kleinkinder und alte Menschen verladen. Ziel ist die griechische Insel Lesbos, wo tausende Flüchtlinge unter besonders unwürdigen Umständen festsitzen. Von Ludger Peters

Anestis Ioannidis lässt keinen Zweifel daran, wie enttäuscht er von den europäischen Staaten ist. Der Zustrom von Flüchtlingen aus dem vorderen Orient und aus afrikanischen Staaten reißt nicht ab. Viele machen sich auf den Weg, weil sie nicht mehr in den Lagern in den Ländern bleiben wollen, die an Syrien angrenzen. "Das sind oft Menschen, die wenigstens das Geld haben, um mit Hilfe von Schleusern weiterzukommen. Diejenigen, die immer noch in diesem fürchterlichen Bürgerkrieg festsitzen, haben die Mittel gar nicht", sagt Ioannidis bitter. Seit 2011 schon bringt seine Organisation Hilfsgüter nach Syrien hinein. Er ist nicht sicher, ob das überhaupt noch andere Organisationen schaffen.

Aber auch das Elend der Menschen, die den vergleichsweise kurzen und dennoch lebensgefährlichen Weg vom türkischen Festland aus auf nahe liegende griechische Inseln geschafft haben, rührt ihn und seine Mitstreiter sehr. Ioannidis ist zornig, wenn er an medienwirksame Besuche von Politikern auf der Insel Lesbos denkt, die ihre Zusagen zur humanitären Hilfe bis heute nicht eingehalten hätten. "Gerade dort, an ihrer Außengrenze, muss die Europäische Union als Erstes dafür sorgen, dass tausende Flüchtlinge medizinisch versorgt werden, Unterkunft finden, registriert und wie Menschen behandelt werden", sagt Ioannidis. Nur dank der Hilfe fast ausschließlich freiwilliger Helfer sei die humanitäre Katastrophe dort bisher abgewendet worden. Auf ihre Bitte hin habe Human Plus die Insel besucht. "Das Bild, das sich uns bot und die Situation der Flüchtlinge ist erdrückend. Es ist menschenunwürdig, inakzeptabel und für uns Europäer beschämend", sagt Ioannidis. Es gelang innerhalb weniger Tage, ein Busunternehmen unter Vertrag zu nehmen, das jeden Tag von sechs bis 18 Uhr jene Stellen an der Küste ansteuert, wo Flüchtlinge anlanden. Es nimmt sie auf und bringt sie zu einzigen Registrierungsstelle in Moria auf der Insel - Babys, Kleinkinder, alte Menschen, vollkommen erschöpfte Erwachsene. "Unbeschreiblich" sind nach Angaben die Zustände. "In Moria spielen sich jeden Tag dramatische Zustände ab. Das möchte ich gar nicht näher beschreiben", sagt Ioannidis. Und er sehe nicht, dass sich an der Situation dieser Menschen irgendetwas ändert. Er ist zutiefst verärgert und betrübt darüber, dass die Hilfszusagen aus der EU ausgeblieben sind. Das habe mit dem Konflikt um die Finanzen Griechenlands nichts zu tun und dürfe damit nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Die Geschäftsleitung des einzigen Krankenhauses auf Lesbos verpflichtete sich auf Initiative von Human Plus, alle Flüchtlinge zu behandeln, die medizinisch versorgt werden müssen. Der Hilfstransport versorgt das Haus nun mit Babymilch, Babynahrung, Windeln für tausende Babys, Kleinkinder und alte Menschen, mit Verbandsstoffen und medizinischem Equipment. "Das Krankenhaus kann dies alles gar nicht alleine bewältigen. Umso froher sind wir über die Vereinbarung."

Ioannidis schätzt, dass sich auf der Insel mehr als 20.000 Menschen aufhalten. Viele seien schwer erkrankt, es gebe schwangere Frauen, und das Herbstwetter setze ihnen zu. Unterkünfte fehlen, die Flüchtlinge leben im Freien, übernachten auf nacktem Boden. "Es sterben täglich Menschen, weil sie auf dem Weg nach Lesbos im Mittelmeer oder an Folgen der Strapazen auf der Insel sterben", berichtet er.

Human Plus Herrenpfad 38, Kaldenkirchen; Telefon 02153 13 97 262, Mobil 0172 49 55 600, E-Mail anestis.ioannidis@human-plus-org; Internet www.human-plus.org

Quelle: RP
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