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Nettetal
Schönheit und Traurigkeit vereint

Nettetal: Schönheit und Traurigkeit vereint
Leidenschaft lag im Spiel des Folkwang Kammerorchesters Essen, das im idyllischen Innenhof von Schloss Krickenbeck ein Konzert gab. Solistin Kathrin Ten Hagen verband kunstvoll Expressivität mit Behutsamkeit. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Großartig war das Ambiente des Konzerts, zu dem der Kulturkreis der Wirtschaft nach Krickenbeck eingeladen hatte. Werke von Grieg, Vasks und Sibelius standen auf dem Programm. Von Angela Wilms-Adrians

Nicht ein loderndes Feuer der Verbrennungen, sondern eine anregend wärmende Glut der vielfach leuchtenden Zwischentöne beherrschte das nunmehr 20. Schlosshofkonzert auf Einladung des Kulturkreises der Wirtschaft in Nettetal. "Feuer aus dem Eis" hatte das Folkwang Kammerorchester Essen sein Konzert mit großen nordischen Komponisten überschrieben. Das Ambiente war wieder großartig, wenn auch die Außentemperaturen leicht unterkühlt waren und der Himmel dicht bewölkt, als trage er wegen der ungewissen Zukunft der Schlosshofkonzerte Trauer. Denn Kulturkreismitglied Karl Fleuth sagte zur Begrüßung in Anspielung auf den Eigentümerwechsel: "Es ist möglich, dass wir das letzte Mal hier sind. Wir wissen noch nicht, wie 2016 die Würfel gesetzt werden. Wir müssen abwarten."

Dirigent Johannes Klumpp führte in der Moderation mit jungenhaftem Charme durch das Programm mit Werken von Edvard Grieg, Peteris Vasks und Jean Sibelius. Er erzählte von den Besonderheiten ihrer Musik, die der Weite des Landes nachspüre. Das Orchester und die Solistin Kathrin Ten Hagen ließen die Zuhörer im gleichermaßen lebhaften wie einfühlsamen Spiel teilhaben an der oft wundersamen Ambivalenz von Schönheit und Traurigkeit in den ausgewählten Kompositionen. Unendlich behutsam war der Auftakt mit Griegs elegischen Melodien "Herzwunden" und "Der letzte Frühling". Unter Klumpps Dirigat konzentrierten sich die Orchestermitglieder auf die feinen und lyrisch anmutenden Nuancen des Pianobereiches. Die Melodien wurden behutsam von Instrument zu Instrument gereicht, die warme Klangfarbe der Celli antwortete etwa dem subtilen Ausdruck der Geigen. Feinstes Pianissimo erschien in seinem zarten Ausdruck eher einer Ahnung gleich transparent als greifbar nah.

Zu Vasks "Vox amoris - Fantasie für Violine und Streichorchester" unternahm das Ensemble den Sprung zu einem zeitgenössischen Werk. "Vasks lässt die Musik aus der Stille entstehen und lässt sie in der Stille entschwinden", verriet Klumpp. Tatsächlich glichen die unendlich leisen Klangbilder des Anfangs einem sachten Hauch und waren doch subtil differenziert. Das Orchester steigerte spannungsreich und intensiv, ohne jemals ins Laute zu wechseln. Leidenschaftliche Intensität lag ebenso im Spiel der Solistin Kathrin Ten Hagen, die Expressivität mit Behutsamkeit kunstvoll verband. Die Zuhörer lauschten gebannt diesem eher unbekannten, doch reizvollen Werk. Zu Sibelius' Suite opus 117 differenzierten Orchester und Solistin abermals reich und doch zurückhaltend, um den zuweilen ätherischen Klang der Miniatursätze eindrucksvoll einzufangen. Dabei erstrahlte etwa der dritte Satz witzig, keck und doch anmutig leicht. Nach Griegs Holberg Suite mit dem melancholisch singenden Adagio und dem in großer Spielfreude vibrierenden Schlusssatz erbaten sich die Zuhörer eine Zugabe. Mit einem kleinen Werk des fast unbekannten Norwegers Ole Bull lag diese jenseits bekannter Pfade und betörte als schöner Ausklang.

Quelle: RP
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