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Neuss
Exotische Frühlingsboten zur Winterzeit

Halsbandsittiche: Eingewanderte Exoten
Halsbandsittiche: Eingewanderte Exoten FOTO: Tobias Krause
Neuss. Genug von der Kälte! Die Halsbandsittiche sorgen beim Spaziergang in Neuss dafür, dass sich schon mal so etwas wie Frühlingsstimmung breitmacht. Doch die exotischen Papageienvögel konkurrieren auch mit heimischen Arten. Von Andreas Buchbauer

Viel exotischer und schöner geht es für einen Vogel eigentlich nicht. Zumindest nicht in hiesigen Breiten. So ein Halsbandsittich löst beim Spaziergang im Park das aus, wofür sonst Katzenvideos auf YouTube bekannt sind. Ein verzücktes "Oh, wie süß" - wahlweise auch einen "Oh, wie schön"-Ausruf. Um die Jahrtausendwende haben sich die grün gefiederten Prachtexemplare in Neuss und Umgebung angesiedelt. Seither vermehren sie sich stetig.

Auf mehr als 200 Exemplare schätzt die Biologin Susanne Wiertz-Kirchberg vom Neusser Umweltamt die Population inzwischen. Auch wenn die Halsbandsittiche sich in der Quirinus-Stadt so schön eingenistet haben, gilt: Sie sind Pendler. "Viele von ihnen schlafen meist in Düsseldorf und kommen dann tagsüber nach Neuss." Kaum auszudenken, was ein Kölner aus so einer täglichen Landeshauptstadtflucht machen würde! In Neuss nimmt man's gelassen und erfreut sich beim Spaziergang an den gefiederten Tagestouristen - meistens jedenfalls.

Denn die Vögel können durchaus ein Problem darstellen. Die Tiere finden ausreichend Nahrung in Form von Obst, Beeren und Blüten und werden zum Beispiel für Hohltauben zu Konkurrenten. Auch bei der Suche nach Nistplätzen gibt es Reibungspunkte mit heimischen Arten. Daher sollten sich die Halsbandsittiche, so schön die Papageienvögel auch anzusehen sein mögen, in den hiesigen Breiten nicht ausufernd vermehren. "Anfüttern wäre der falsche Weg", sagt Susanne Wiertz-Kirchberg. Sie verweist auf das für öffentliche Flächen in Neuss geltende Fütterungsverbot. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) setzte die Tiere bereits auf die Liste der als "potenziell invasive Arten" eingestuften Vögel. Experten beobachten ihre Entwicklung schon länger - und ob der Halsbandsittich eine Gefährdung für heimische Arten darstellt.

Ursprünglich ist der Halsbandsittich in den Savannengebieten Afrikas und auf dem indischen Subkontinent heimisch. In einigen Großstädten Indiens sind Halsbandsittiche laut BfN sogar so zahlreich, dass sie - vergleichbar mit den Straßentauben in Europa - das tägliche Straßenbild bestimmen. Auch in Europa haben sich die Tiere längst verbreitet, hierzulande haben sie sich vor allem am Rhein und in Süddeutschland eingerichtet. Das vergleichsweise warme Klima ermöglicht es den Vögeln, die Winter zu überstehen. Parks, Gartenanlagen und Friedhöfe bieten zudem einen idealen Lebensraum mit ausreichend Nahrung in Form von Beeren, Blüten oder Obst. In Bäumen und an Hausfassaden finden die Tiere zudem Höhlen, in denen sie ihre Nester bauen können.

In Neuss sind die Halsbandsittiche laut Susanne Wiertz-Kirchberg um die Jahrtausendwende in Erscheinung getreten. Vor allem im Rosengarten fühlen sich die Papageienvögel rundum wohl. Immer wieder verzückt das Bild Spaziergänger - oder ärgert Anwohner, weil die Tiere Exkremente auf ihren Balkonen hinterlassen. Und, weil sie ziemlich laut werden können. Es ist kein Vogelsingsang, der betört, sondern eher ein Kreischen. Und das ist an immer mehr Orten zu vernehmen. "In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es mittlerweile geschätzt 6000 Exemplare", sagt Wiertz-Kirchberg.

Ursprünglich fand man die exotischen Tiere im Rheinland nur in Voliéren und Zoos. "Vermutlich sind einige Exemplare eines Tages ausgebüxt und haben sich dann über die Rheinschiene verbreitet", meint Wiertz-Kirchberg. Seit den 1970er Jahren haben sie sich dann als Exoten in den europäischen Parks eingerichtet.

Quelle: NGZ
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