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Neuss
Hockey-Weltmeister hängt an der Heimat

Neuss. Sebastian Draguhn ist zweimaliger Hockey-Weltmeister, wohnt und arbeitet zwar mittlerweile in Düsseldorf, doch der Quirinus-Stadt ist der 32-Jährige nach wie vor eng verbunden - über den HTC SW Neuss, seine Familie und die Freunde. Von Dirk Sitterle

Sebastian Draguhn ist leicht irritiert. "Heimatserie? Ich? Aber ich wohne doch noch nicht mal mehr in Neuss." Gut, das stimmt. Aber auch wenn die seit dem 14. Jahrhundert zwischen der Quirinusstadt und Kappes-Hamm verkehrende Rheinfähre ihren Dienst 1951 nach mehr als 600 Jahren eingestellt hat, vom Stadtbezirk 3 im Düsseldorfer Süden ist's über die rund 780 Meter lange Kardinal-Frings-Brücke trotzdem nur ein Katzensprung ins ehemalige Legionslager "Castrum Novaesium". "Du musst wirklich nur mal eben über die Südbrücke", bestätigt Draguhn schmunzelnd.

Viel weiter weg hätte es für das Kind der Nordstadt auch nicht gehen dürfen, denn sein Herz hängt nun mal an der alten Römerfeste. Und das hat ganz elementar mit seiner "unheimlichen Verbundenheit" zum 1928 gegründeten Hockey- und Tennis-Club Schwarz-Weiß Neuss zu tun. "Ich war der kleine Edelfan, der seinen älteren Bruder als Maskottchen zu den Turnieren um die Deutsche Meisterschaft begleitet hat. In meiner Kindheit habe ich jede freie Sekunde im Klub verbracht, habe Hockey oder einfach nur Räuber und Gendarm gespielt."

Die Stadion-Anlage an der Jahnstraße war immer sein zweites Zuhause. Hierhin kehrte er stets zurück - auch als Weltmeister auf dem Feld (Mönchengladbach 2006) und in der Halle (Wien 2007). Ohne ihn und seine Tore wäre der HTC 2007 niemals ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft auf dem Feld eingezogen. Bis heute unvergessen ist das Viertelfinale der Hallen-DM 2008 in Frankenthal, als mitten in der Höhle des Löwen gut 200 Anhänger der Schwarz-Weißen gemeinsam mit Draguhn & Co. den 7:5-Erfolg mit dem Neusser Heimatlied feierten: "Dort, wo die Erft den Rhein begrüßt ..." Die bei der Endrunde in Hamburg kurz darauf eingebrachte Vizemeisterschaft stellt bis heute den größten Erfolg eines Herren-Teams in der Klubgeschichte dar.

Der Weltklasse-Stürmer hätte den Verein jederzeit verlassen können, "es gab schöne Angebote aus Holland und Spanien", doch er blieb. "Natürlich habe ich hier und da mal überlegt", räumt er ein, "aber irgendwie hat es nie gepasst." Dabei erinnert er sich durchaus gerne an seine Zeit als Elftklässler am renommierten Sportinternat Millfield in der englischen Grafschaft Somerset. "Das war toll." Dass dies bis heute sein einziges längeres Auslandsengagement geblieben ist, bereut er indes keineswegs. Auf das über Jahre aufgebaute und mit großer Inbrunst gepflegte heimische Netzwerk konnte er nämlich auch in schweren Zeiten bauen - auf Vereinsmitglieder wie Horst Busse, aber natürlich auch auf seine Eltern und vor allem auf seinen Bruder Thomas Draguhn. "Er ist eher so eine Art allerbester Kumpel für mich. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal einen Tag nicht miteinander telefoniert hätten." Der große Bruder, 2013 Empfänger der Sportehrengabe der Stadt Neuss und dem HTC über seine aktive Hockey-Karriere hinaus als Abteilungsleiter zu Diensten, war folgerichtig auch im beruflichen Streben ein Vorbild.

Sebastian Draguhn hat nach seinem Abitur 2003 am Quirinus-Gymnasium ebenfalls in Düsseldorf Jura studiert, arbeitet seit dem bestandenen zweiten Staatssexamen 2013 in der Rechtsabteilung des US-Bekleidungskonzerns Phillips-Van Heusen (PVH), zu der unter anderem die Modeunternehmen Tommy Hilfiger und Calvin Klein gehören.

Von seinem Arbeitsplatz im Düsseldorfer Medienhafen ist er ruckzuck in Neuss und damit beim HTC, der den Neuaufbau in Liga zwei unmöglich ohne den inzwischen 32-Jährigen stemmen kann. Auch der über die Hockey-Connection entstandene Schützenlustzug "Nüsser Krummstöck", mit aktiven und ehemaligen Teamkollegen wie Steven Dühr, Mario Stümpel, Oli Peters und Sebi Pelzer zieht ihn immer wieder über den Rhein. Nicht ausgeschlossen, dass er sich mit dem am 11. März geborenen Töchterchen Philippa und seiner Frau Esther - die sechsmalige Deutsche Meisterin im Taekwondo verrichtet ihren Dienst als Kriminalkommissarin ebenfalls in Neuss - über kurz oder lang ein neues Heim in der Quirinus-Stadt sucht. "Wenn da jemand einen Tipp für uns hat ..."

Quelle: NGZ
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