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Neuss
Leinen los - Neusser segelt um die Welt

Neuss: Leinen los - Neusser segelt um die Welt
Michael Führer ist vom Sporthafen in Gnadental aus mit seinem Katamaran auf Weltreise gegangen. Die Reise bis nach Neuseeland wird rund anderthalb Jahre dauern. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Organist Michael Führer ist gestern in See gestochen, genauer: in den Rhein. Der 63-Jährige will in anderthalb Jahren mit seinem Katamaran in Neuseeland sein. Für die einzelnen Etappen hat er verschiedene Mitsegler. Von Susanne Genath

Dosen mit Schmierflüssigkeit, Werkzeug, Lappen - an Bord der "Vagabund" sieht es aus wie auf einer Baustelle. "Das Boot ist noch nicht fertig. Ich muss unter anderem noch elektrische Teile anschließen", sagt Skipper Michael Führer. Doch das stört den 63-Jährigen nicht. Gestern Mittag wurde feierlich angestoßen. Denn der frühere Organist der Dreikönigenkirche ist vom Sporthafen in Gnadental aus mit seinem Katamaran auf Weltreise gegangen. Seine Frau Ursula Renzel (50), ihrerseits Organistin in der Kirche Christkönig, und Vereinsfreunde vom Yachtclub Novesia verabschiedeten Michael Führer am Steg.

"Eine Weltumsegelung war schon immer mein Traum", erklärt der 63-Jährige, der jetzt in den Vorruhestand gegangen ist. Mit elf habe er mit dem Paddeln angefangen, mit 21 den Segelschein gemacht. "Seitdem bin ich immer gesegelt." Anfangs mit einem kleinen Boot, das per Trailer an die Nordsee oder an die Adria gebracht werden konnte, später mit einem größeren Schiff in der Region.

Den Katamaran habe er vor zwei Jahren gekauft, um damit auf Weltreise zu gehen. "Er schaukelt weniger als ein Boot mit nur einem Rumpf, hat einen geringeren Tiefgang und soll nicht untergehen, selbst wenn er mit Wasser vollläuft", sagt Führer. "Nur wenn man kentert, braucht man Hilfe." Passende Funkscheine hat er in der Tasche.

Der wichtigste Proviant ist für den zweifachen Vater Dinkel. "Ich kann keinen Weizen essen", erklärt er. "Deshalb nehme ich 75 Kilo Dinkel mit für Brot. Das reicht für etwa ein Jahr." Eine Brotbackmaschine ist ebenfalls an Bord. Acht Solarzellen auf dem Deck füttern die Batterien. "Wenn sie voll sind, sollen sie für 99 Stunden reichen."

Die Reise bis nach Neuseeland wird rund anderthalb Jahre dauern. Die längste Etappe auf hoher See ist mit einem Monat veranschlagt - von den Galapagos-Inseln zu den ostpolynesischen Marquesas-Inseln. "Ich habe für die verschiedenen Etappen fast immer einen Begleiter dabei", berichtet Michael Führer. Seine ältere Tochter will ein halbes Jahr mitsegeln, seine Frau, die ebenfalls gerne auf dem Wasser ist, ihn nächstes Jahr auf Kuba besuchen. "Ich muss ja noch arbeiten", sagt sie.

Am Dienstagabend gab der 63-Jährige ein Abschiedskonzert in der Dreikönigenkirche. Am Sonntag zuvor - beim Konzert zum 60-jährigen Bestehen der Kirche Christkönig - erteilte ihm Pastor Hans-Günther Korr den Reisesegen.

Damit er das Orgelspielen nicht verlernt, ist ein Klavichord - ein kleines Klavier - mit an Bord. "Einen Fernseher habe ich nicht. Dafür aber einen Laptop", sagt Führer, der die letzten vier Jahre Organist in Grevenbroich war.

Die Fahrt nach Neuseeland ist die erste Etappe. "Vermutlich brauche ich zehn Jahre, um um die Welt zu kommen", schätzt er. Die Sommer wolle er immer in Neuss verbringen. Seine Frau sieht dies gelassen. "Mal sehen, wie alles wird", sagt sie.

Fahrtziel gestern war Hitdorf. Über Rhein, Mosel, französische Kanäle und Rhône geht es zunächst zum Mittelmeer.

Quelle: NGZ
 
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