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Neuss
Leipziger Vokalromantiker in reinem Sound

Neuss. Sänger-Ensemble gastiert bereits zum zweiten Mal in der Neusser Christuskirche. Faszinierende neue Klangerlebnisse.

Tägliche Konzerte in allen Regionen Deutschlands - da durften sich die Neusser freuen, dass die "Leipziger Vokalromantiker" bereits zum zweiten Mal in der Christuskirche Neuss an der Breite Straße in der Innenstadt auftraten. Vielleicht hat diese für Neuss angenehme Bevorzugung auch damit zu tun, dass die Schwester von Tobias Deckelmann (1. Bass) seit 1999 in der Quirinusstadt lebt?

Im Hauptberuf singt der Bassist im Opernchor Leipzig, wie fünf seiner Kollegen im Vokalensemble auch. Die drei andern Sänger verdienen ihr Geld hauptsächlich beim MDR-Rundfunkchor. Bereits 1987 hat sich das Ensemble gegründet, alle Mitglieder haben erste prägende Erfahrungen im Leipziger Thomanerchor oder im Dresdner Kreuzchor gesammelt und auch Gesang studiert.

"Vokalromantiker" - der Name ist Programm. Gleichwohl begannen die Sänger mit drei gregorianischen Chorälen, die sehr bedächtig illustriert, aber höchst homogen in die für ein solches Ensemble wie geschaffene Akustik integrierten. Das gregorianische "Pater noster" erfährt eine Erweiterung in Igor Strawinskys "Vater unser", das durch sauberste Intonation bestach. Eine Einzelstimme konnte für sich einnehmen: Andreas Fischer (1. Tenor) sang im Wechsel mit den übrigen Männerstimmen verhalten lyrisch Mendelssohn Hymne "Hör mein Bitten". Der Gospel-Block des Ensembles stand für moderne anspruchsvolle Arrangements, die diese uralten Gesänge gründlich entstaubten. "Swing low, sweet chariot" wurde so zu einem puristischen, gleichwohl faszinierend neuem Klangerlebnis. Die Romantiker pflegen aber auch das deutsche Volkslied, Friedrich Silchers "Loreley" und Lieder an den Mond ("Der Mond ist aufgegangen") erklingen in Reinkultur. Besonders fesseln musste bei dem Konzert in der Christuskirche, dass die acht Männer sich als Konzertpartnerin eine junge Musikerin eingeladen hatten. Lucie Delhaye, in Berlin lebende französische Harfenistin, war nicht nur attraktiver Kontrast zum Männerchor, sondern harmonierte als Begleiterin kongenial.

In ihren Solostücken, etwa Claude Debussys "Arabesque", nutzte sie ihr Instrument zu ungewöhnlicher ornamentaler Schönheit. Die Vokalromantiker verabschiedeten sich mit der Silcher-Zugabe "Morgen muss ich fort von hier". Sie hatten Recht und mussten zum nächsten Konzert.

(Nima)
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