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Neuss
Lothar Schröder reist mit Trojanow

Neuss: Lothar Schröder reist mit Trojanow
Lothar Schröder zeigte mit den Reiseberichten Ilija Trojanows den Autor als Kosmopoliten. FOTO: Woi
Neuss. Der Kulturredakteur war Gast in der Stadtbibliothek bei "Neuss liest ..."

"Neuss liest" widmet sich in diesem Jahr in Lesungen an unterschiedlichen Orten dem ersten Roman "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" des in Bulgarien geborenen deutschen Autors Ilija Trojanow. (52). In einer zusätzlichen Veranstaltung in der Stadtbibliothek las Lothar Schröder (54), Kulturchef unserer Zeitung, aus Reiseberichten von Trojanow. Das fand Christine Breitschopf, bei der Bibliothek auch für Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, ganz wunderbar, "denn wir haben eine Fülle von Reiseberichten vorrätig, die Nachfrage aber ist eher gering." Lothar Schröder konzentrierte sich auf Berichte aus der Sammlung "Der entfesselte Globus", die Reisen aus 20 Jahren zum Thema haben.

Denn Ilija Troganow war ein wahrer Kosmopolit und lebte unter anderem mehrere Jahre in Afrika und Indien. "Seine Berichte haben hohe journalistische Kompetenz und sind von außergewöhnlicher literarischer Qualität", begründet der Kulturredakteur seine Wahl. Aus einem Reisebericht über Kampala (Uganda) erfährt der Zuhörer, dass es in Schwarzafrika nichts Schlimmeres gibt, als allein zu sein. Die Harmonie untereinander hat höchsten Stellenwert. Mindestens ebenso interessant waren die knappen Kommentare und Interpretationen, mit denen Lothar Schröder die Berichte versah: "Wenn man diese Geschichte hört, ahnt man, wie es afrikanischen Flüchtlingen bei uns gehen muss, die unter Einsamkeit leiden."

Oft verblüfft die Aktualität der bis zu 20 Jahre alten Texte. Stark literarisierte Afrika-Reportagen des polnischen Journalisten Ryszard Kapucsinski, die Ilija Trojanow herausgegeben hat, stehen aber wegen großer Zweifel am Wahrheitsgehalt in der Kritik. Dazu Schröder: "Man muss schon mal viel aussortieren, um eine Geschichte erzählbar zu machen. Aber das ist dann auch eine Verfälschung der ganzen Wirklichkeit."

Da Schröder in diesem Jahr zur Jury gehört, die den deutschsprachigen "Roman des Jahres" mit dem Deutschen Buchpreis zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse auszeichnet, erzählte er am Rande von dieser "anstrengenden, aber auch viel Spaß machenden Arbeit".

(Nima)
 
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