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Neuss
Stadt reißt das Obdachlosen-Asyl ab

Neuss: Stadt reißt das Obdachlosen-Asyl ab
Nicht mehr zeitgemäß und auch baulich schwierig: das Männerasyl für Obdachlose. FOTO: woi
Neuss. Die Baracken am Derendorfweg sind schon länger ein Sanierungsfall, jetzt verschwinden sie. Aber an gleicher Stelle wird eine neue Notschlafstelle aus Containern errichtet, die nun doch nicht für Flüchtlingsunterkünfte benötigt werden. Von Christoph Kleinau

Die Baracken der Notschlafstelle für Obdachlose am Derendorfweg werden abgerissen. Anstelle dieser - von Bürgermeister Reiner Breuer so bezeichneten - Hütten soll ein Neubau entstehen. Der wird nicht nur deutlich mehr Schlafplätze bieten, sondern auch die Einrichtung von Zwei-Mann-Stuben möglich machen. All das möchte der Bürgermeister noch in diesem Jahr schaffen. Ausgeschlossen ist das nicht, denn die Stadt hat das Baumaterial schon gekauft.

Die neue "Hin- und Herberge", wie dieses nächtliche Männer-Asyl heißt, wird nämlich aus den Containern zusammengefügt, die für die Flüchtlingsunterkünfte in Uedesheim und Allerheiligen vorgesehen waren. Beide sollten eigentlich in diesem Monat bezugsfertig sein, doch angesichts der geringen Zahl von zugewiesenen Flüchtlingen konnte Breuer schon im April auf Bürgerversammlungen einen "Baustopp" verkünden. Der Vollzug dieses Planes sei aber nur ausgesetzt, betont Breuer, der demnächst in weiteren Bürgerversammlungen darlegen will, was die Verwaltung für den Fall der Fälle plant. Wenn nämlich die Fallzahlen wieder steigen. "Diesen Fall sehen wir aber im Moment nicht", sagt Breuer.

Die entspannte Flüchtlingssituation sorgt nicht nur dafür, dass die Stadt Alternativen für die nun doch nicht benötigten Container entwickeln konnte, sondern eröffnet auch eine Option für eine Zwischenlösung für die Obdachlosenunterkunft. Denn weil in den schon seit Monaten bezugsfertigen Wohncontainern am Südpark noch immer kein Flüchtling einquartiert werden musste, wird die "Hin- und Herberge" übergangsweise dorthin verlagert. "Ich will den Zeitplan knapp halten, weil die Einrichtung für Flüchtlinge vorgehalten werden soll", sagt Breuer.

Die Anlage am Südpark gehört zu den vier Notunterkünften, die seit 2015 für Flüchtlinge errichtet wurde. Basis für die Standortentscheidung war ein dezentrales Unterbringungskonzept, mit dem die zu erwartenden Belastungen auf alle Stadtteile verteilt werden sollten. Von den 27 dazu identifizierten Standorten sind einige inzwischen verworfen worden. Zum Beispiel die ehemalige Schokoladenfabrik "Novesia", das Abschiebegefängnis an der Grünstraße oder das - an einen Privatinvestor verkaufte - ehemalige Landesbesoldungsamt an der Görlitzer Straße. Zuletzt strich die Stadt das Gelände der Gesamtschul-Dependance am Lindenplatz in Weckhoven von dieser Liste. Dort sollen nun Wohnhäuser entstehen. An dem dezentralen Konzept werde er aber festhalten, sagt Breuer. Allerdings wäre ein Flüchtlingsheim nur eine von mehreren Möglichkeiten, wie ein Ortsteil seinen Beitrag zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen leisten kann. Festhalten will Breuer auch an dem Standort Derendorfweg für die Obdachlosenunterkunft. Ihn hält er für "derzeit optimal". Und ein Containerbauwerk sei ja nicht für die Ewigkeit.

Quelle: NGZ
 
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