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Radevormwald
Bei Unternehmern überwiegt Skepsis

Radevormwald. Die Konjunkturaussichten im Oberbergischen Kreis sind laut IHK Köln getrübt. Die Wirtschaft wird pessimistischer. Die wirtschaftliche Lage wird im gesamten Bezirk abgefragt: in Köln, Leverkusen, Rhein-Berg und im Oberbergischen Kreis. Von Henning Rasche

Die Briten verlassen die Europäische Union, die Amerikaner wählen vielleicht einen zumindest Unberechenbaren zum Präsidenten, verschiedene EU-Mitglieder driften an den rechten politischen Rand, der Terror wuchert, und mehr als 65 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. All das ist nicht weit von Radevormwald, Hückeswagen und dem Oberbergischen Kreis entfernt. In Zeiten der Globalisierung rückt der Weltmarkt zusammen - und die Wirtschaftsunternehmen vor der Haustür sind abhängiger vom Export. Weil die Weltlage aber unsicher erscheint, dämpfen die Betriebe der Region deutlich die Erwartung an die Zukunft.

In der Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer zu Köln zur Konjunktur schätzen 36,7 Prozent der Unternehmen im Oberbergischen Kreis die Lage als gut ein. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es in etwa genauso viele, im Frühjahr hingegen knapp vier Prozentpunkte mehr. 56,3 Prozent der Firmen halten die Geschäftslage für befriedigend, sieben Prozent für schlecht. Der Trend geht laut IHK nach unten. In Oberberg sind vor allem die Handelsunternehmen zufrieden, die Stimmung bei Industrie und Dienstleistungswirtschaft hingegen ist im Vergleich zum Frühjahr eingetrübt.

122 Unternehmen aus dem Oberbergischen Kreis haben sich an der Umfrage beteiligt. Die IHK hat die Daten zwischen August und Anfang September erhoben. Die Konjunkturumfrage findet dreimal jährlich statt. Die wirtschaftliche Lage wird im gesamten IHK-Bezirk abgefragt, der neben Köln und Leverkusen auch den Rheinisch-Bergischen und den Oberbergischen Kreis umfasst.

Michael Sallmann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Oberberg, sagt: "Die momentan starke Binnenkonjunktur kann auf Dauer nicht die Unsicherheiten im internationalen Umfeld ausgleichen. Die Risiken beeinflussen vor allem das Exportgeschäft und somit die Industrie." Es sei für die exportorientierte Region von Bedeutung, dass Handelshemmnisse abgebaut werden. Damit meint er etwa Zölle oder Einfuhrkosten. Im IHK-Bezirk Köln profitieren rund 53 Prozent aller Unternehmen vom Außenhandel, oder ihr Hauptabsatzmarkt liegt im Ausland. Im Vergleich dazu sind es in NRW lediglich 44 Prozent.

In der gesamten Region ist der sogenannte IHK-Konjunkturklimaindikator, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, um 7,2 Prozent gefallen. Es überwiegt laut der Umfrage die Skepsis, die auf die Auslandsnachfrage und den Fachkräftemangel zurückzuführen sei. Auch die Exporterwartungen sind gesunken sowie die Bereitschaft, den Mitarbeiterstamm zu vergrößern. Die geringere Erwartung an Exporte ist vor allem auf die politische Weltlage zurückzuführen, also etwa das Brexit-Votum. Die Unternehmen im Kreis sind laut IHK auch bei ihren Investitionen weniger optimistisch als zuvor. Im Vergleich zur vorherigen Umfrage gaben statt 15,4 Prozent nun 19,5 Prozent an, dass sie die Investitionen zurückfahren werden. Höhere Ausgaben planen 30,5 Prozent der Unternehmen; jeder Zweite will das Investitionsniveau halten.

Insgesamt ist die Erwartungshaltung bei den oberbergischen Unternehmen hinsichtlich der Entwicklung im kommenden Jahr pessimistischer. 15,6 Prozent der Unternehmer rechnen mit einer schlechteren Entwicklung als im Vorjahr, 68 Prozent glauben, dass alles beim alten bleibt. Dass 2017 etwas besser wird, daran glauben knapp sechs Prozentpunkte weniger Firmen als im Frühling - nur noch 16,4 Prozent. Im Langzeitvergleich sind die Geschäftserwartungen so schlecht wie seit Anfang 2013 nicht mehr. Die Geschäftslage hingegen ist auf lange Sicht recht konstant, wenn auch zuletzt auf leicht fallendem Niveau.

Quelle: RP
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