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Radevormwald/Oberberg
Hohe Dunkelziffer bei illegalen Drogen

Radevormwald/Oberberg: Hohe Dunkelziffer bei illegalen Drogen
Radevormwald/Oberberg. Was statistisch nach einem Rückgang der Rauschgift-Kriminalität aussieht, entspricht nicht den Gegebenheiten: Die Statistik beschreibt nur die Spitze des Eisbergs. Drogen-Delikte gehören zu den klassischen "Ermittlungs-Straftaten". Von Brigitte Neuschäfer und Wolfgang Scholl

Cannabis, Amphetamine und andere illegale Betäubungsmittel gehören auch im ländlichen Raum rund um Radevormwald und Umgebung längst zu den Alltagsdrogen. Entsprechend hoch ist auch der Anteil der Straftaten, die in den Deliktbereich der Rauschgift-Kriminalität fallen. 536 solcher Fälle bearbeitete die oberbergische Kriminalpolizei im vorigen Jahr. Das waren 115 weniger als 2014.

In Radevormwald sah die Sache ähnlich aus: 18-mal wurden in der Stadt auf der Höhe nach Angaben von Polizeipressesprecher Jürgen Dzuballe Kraftfahrzeugführer erwischt, die unter Drogeneinfluss am Steuer saßen - das waren 19 weniger als 2014, im Jahr 2013 lag die Zahl mit 18 wie im vergangenen Jahr.

Auch 2016 vergeht kaum eine Woche, ohne dass die Polizei eine Drogenfahrt aus der hiesigen Region meldet (siehe nebenstehende Meldung). Was rein statistisch kreisweit nach einem starken Rückgang der Rauschgift-Kriminalität innerhalb von nur einem Jahr aussieht, entspricht letztlich nicht den wirklichen Gegebenheiten, denn die Statistik beschreibt nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Drogen-Delikte gehören zu den klassischen "Ermittlungs-Straftaten". Heißt: Ermittelt die Polizei in diesem Bereich intensiv, deckt sie auch viele einschlägige Fälle auf. Beschränkt sie die Ermittlungen, sinkt die Fallzahl bei parallel dazu steigender Dunkelziffer.

Die Statistik bildet also weniger das tatsächliche Geschehen rings um illegale Drogen ab als vielmehr die Ermittlungsarbeit der Polizei. Der Rückgang bei der - mehr oder minder zufällig entdeckten - Rauschgift-Kriminalität im Oberbergischen war folglich 2015 vor allem darauf zurückzuführen, dass die Polizei kreisweit Wichtigeres zu tun hatte, als im heimischen Drogen-Milieu zu ermitteln. Laut Landrat Jochen Hagt braucht die Kreispolizeibehörde in Oberberg demnach dringend mehr Beamte, bekommt sie aber angesichts der im Landesvergleich insgesamt sehr niedrigen Kriminalitätsrate in der Region nicht.

Das zwingt zur Bündelung der Kräfte und zur Konzentration auf Prioritäten. Die Bekämpfung der Rauschgift-Kriminalität gehört offenbar nicht (mehr) dazu. Indirekt bestätigte das Hans-Peter Sperber bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für 2015: "Wir mussten im vorigen Jahr andere Schwerpunkte setzen", sagte der Direktionsleiter Kriminalität innerhalb der Kreispolizeibehörde.

Ein Nebeneffekt aus statistischer Sicht: Die Aufklärungsquote der Kripo ist nicht so hoch, wie sie sein könnte. Denn bei der Rauschgift-Kriminalität liegt diese Quote im Oberbergischen Kreis bei deutlich über 90 Prozent, bei anders gelagerten Straftaten, etwa bei Einbrüchen, nur bei knapp 20 Prozent. Quer durch alle Deliktbereiche klärte die oberbergische Kriminalpolizei im vorigen Jahr rund 56 Prozent aller angezeigten Taten auf.

Wenn die Polizisten den Autofahrer auf mögliche Drogen kontrollieren, ist ihnen vor einigen Jahren ein Hilfsmittel an die Hand gegeben worden - der Drogenschnelltest. Mit dem kleinen Gerät aus Kunststoff nehmen sie eine kleine Speichel- oder Schweißprobe. "Der Test ist freiwillig", betont Polizeisprecherin Monika Treutler. Falle er negativ aus, könne der Fahrer seine Fahrt umgehend fortsetzen. Verweigere jemand den Test, werde er mitgenommen, um eine Blutprobe abzugeben. "Unsere Kollegen sind schon geschult; sie erkennen, wer unter Drogen steht", versichert sie.

Die für die Region typischen Drogen seien Cannabis (der klassische Joint) und Amphetamine in Pillenform (Wachmacher wie Ecstasy). Den einen machten sie müde und lethargisch, andere wiederum hibbelig. Und so mancher werde durch die Droge auch aggressiv.

Quelle: RP
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