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Gastbeitrag Pfarrerin Manuela Melzer
Maria von Magdala ist die erste Zeugin der Osterfreude

Gastbeitrag Pfarrerin Manuela Melzer: Maria von Magdala ist die erste Zeugin der Osterfreude
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Radevormwald. "Maria!" Da drehte Maria sich um und rief: "Rabbuni", das heißt "Mein Meister". Das ist eine Schlüsselszene im Leben der Maria von Magdala. Sie hört ihren Namen, sie hört die vertraute Stimme, den bekannten Tonfall - und alles ist klar. Alles ist wieder da.

Während sie Sekunden vorher den vor ihr stehenden Mann noch für den Gärtner gehalten hat, fällt es ihr nun wie Schuppen von den Augen: Es ist Jesus, es ist der Auferstandene. Es ist ihr Herr und Meister.

Und sofort ist alles wie vorher: die Vertrautheit, die Zuneigung, der Wunsch ihm nachzufolgen. Was hat sie nicht alles mit ihm erlebt. Das erste Erlebnis war eine Kehrtwende in ihrem Leben gewesen: Jesus hat sie von einer schweren Krankheit geheilt, die wir heute wohl in den Bereich der psychischen Erkrankungen einordnen würden. Daraufhin ist sie seine Jüngerin geworden. Sie und andere ebenfalls wohlhabende Frauen haben Jesus und die Jünger auch finanziell unterstützt. Sie stand in seiner Nachfolge. Sie war dabei, wenn er gepredigt, geheilt oder mit Menschen diskutiert hat. Sie hat ihn auch nach Jerusalem begleitet, in die Höhle des Löwen. Sie ist nicht von seiner Seite gewichen, sogar bis unter das Kreuz ist sie gemeinsam mit anderen Frauen mit ihm gegangen. Sie hat ihn leiden sehen. Sie hat den Schmerz und die Trauer ausgehalten. Sie hat die Angst um das eigene Leben überwunden, sie hat sich nicht versteckt. Bis ans Grab, in das sie Jesus legten, ist sie mitgegangen. Und nun am dritten Tag nach der Kreuzigung, als der Sabbat vorüber war, ist es selbstverständlich, dass sie ans Grab geht. Sie hofft, wohl noch einmal an ihn heranzukommen und seinem Leichnam die letzte Ehre erweisen zu können. Doch es kommt anders: "Rabbuni - mein Meister." Maria erkennt Jesus und setzt nahtlos an die Vergangenheit an - sie hat ihn wieder, den so sehr Betrauerten. Aber sie irrt. Nichts ist mehr wie vorher. Sie bekommt ihn nicht zurück. Das macht Jesus ihr klar. Eine neue Zeitrechnung ist angebrochen, auch für Maria. Er wird nicht sichtbar bei ihr bleiben, er wird zu seinem Vater zurückkehren. Aber es ist dennoch nicht das Ende. Anstelle eines erneuten Abschieds gibt es eine Beauftragung: "Geh zu meinen Brüdern und erzähle ihnen...." Der, den sie geliebt hat und liebt, der sendet sie aus. Er macht sie zur Apostelin. Sie wird zur Zeugin, der ersten Zeugin der Osterfreude. Sie kommt ihrer Beauftragung nach und verkündet die Osterbotschaft den Jüngern. "Ich habe den Herrn gesehen." Maria von Magdala - eine starke Frau, die in ihrem Leben unbeirrt ihren Weg geht. Es ist der Weg der Nachfolge. Diese Nachfolge gibt sie auch nicht auf, als doch alles verloren und der verehrte Meister gescheitert zu sein scheint. Ihre Treue ist nicht umsonst. In allen vier Evangelien wird sie namentlich genannt, sie steht in den Aufzählungen der Frauen immer an erster Stelle. Sie muss in der wandernden Jesus-Gemeinschaft eine wahrscheinlich leitende Rolle gehabt haben. Ihre besondere Stellung als Apostelin, die Jesus ihr am Ostermorgen verleiht und die sie wohl auch in der Urgemeinde behielt, geht auch aus den späteren urchristlichen Überlieferungen hervor. Und wie könnte ihr Zeugnis heute lauten? "Die Begegnung mit dem Auferstandenen verändert Leben. Steht ein für eure Überzeugung, seid mutig und bekennt euch zu eurem Glauben. Die Welt braucht solche Menschen."

MANUELA MELZER IST PFARRERIN DER LUTHERISCHEN KIRCHENGEMEINDE

Quelle: RP
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