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Radevormwald
Pauels redet offen über seine Depression

Radevormwald. Der katholische Diakon, Büttenredner und Kabarettist sprach am Dienstagabend auf Einladung der Kolpingsfamilie und der Karnevalsgesellschaft "Rua Kapaaf" ehrlich, humorvoll und transparent über eine sehr schwere Zeit seines Lebens. Von Flora Treiber

Willibert Pauels ist seit mehr als 17 Jahren professioneller Büttenredner im Kölner Karneval und weit über die Grenzen der Domstadt hinaus. Der katholische Diakon eroberte die großen Bühnen und Fernsehshows vor vielen Jahren und war in der Hoch-Zeit seiner Karriere hauptberuflich als Kabarettist tätig.

Vor drei Jahren musste er aber mehrere Gänge herunterschalten. Zu dem Thema "Von der heilenden Kraft der anderen Perspektive" erzählte er am Dienstagabend im Caritashaus von seiner Depression und seinem Weg, mit der Krankheit umzugehen. Auf Einladung der Kolpingfamilie und der Karnevalsgesellschaft "Rua Kapaaf" war der Diakon mit der Pappnase nach Radevormwald gekommen.

"Eine Depression ist wie ein großer schwarzer Hund, der dich anfällt und würgt", sagte Pauels. Mit einer Mischung aus Witz, Ernst und christlicher Weltanschauung berichtete er seinen Zuhörern von seinem Krankheitsverlauf, um Mut zu spenden und seine Erfahrungen zu teilen. "Viele Menschen leiden an Depressionen. Leider wird die Krankheit oft nicht erkannt, ignoriert oder verschwiegen."

Seine Depression, deren Anlage Pauels schon sein Leben lang gespürt hat, brach vor drei Jahren durch massiven Stress und Leistungsdruck aus. "Mir ist das Lachen vergangen", sagte der Humorist. Offen teilte er seine Geschichte mit dem Publikum, erzählte von seiner Zeit in der Klinik und seinem neuen Blick auf die Welt.

Martin Luther nannte Depressionen "Satans Bad", Goethe umschrieb die Krankheit mit dem "Grübelzwang" von Faust - und in der Bibel ist die geistige Störung mit "dunklen Gedanken" beschrieben. In den vergangenen drei Jahren hat Pauels gelernt, die Krankheit klar zu sehen und seinen Kampf mit dem "schwarzen Hund" in dem Buch "Wenn dir das Lachen vergeht - wie ich meine Depression überwunden habe" festgehalten.

Die wichtigste Botschaft, die er mit seinen Zuhörern am Dienstagabend im Caritashaus teilen wollte, war die Bedeutung des Perspektivenwechsels und des Lachens. "In dem Moment, in dem wir lachen, sind wir von allen Ängsten befreit. Wer dazu in der Lage ist, über Dinge und sich selbst zu lachen, hat sich die Fähigkeit bewahrt, frei zu sein und weite Gedanken zu haben", sagte der Diakon.

Seine Arbeit als Kabarettist verlangt immer wieder von ihm, dass er sich in andere Menschen hineinversetzt und die Perspektive wechselt. Das hat ihm bei der Bewältigung seiner Krankheit geholfen. "Humor befreit. Es sind nicht die Dinge, die uns unglücklich machen, sondern wie wir die Dinge sehen", zitierte er den Philosophen Epikur. Mit viel Transparenz, Ehrlichkeit und Humor machte Pauels den Abend über ein ernstes Thema zu einem lebendigen und positiven Erlebnis für sein Publikum und sich selbst.

Quelle: RP
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