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Radevormwald
Vom Brotbaum zum Notbaum

Radevormwald. Die Fichte ist Baum des Jahres 2017. Der Nadelbaum ist auch im Bergischen weit verbreitet - das hat Vor- und Nachteile. Von Verena Kensbock

Immergrün mit spitzen Nadeln, einem braunen schuppigen Stamm und unverkennbaren Zapfen - die Fichte ist Baum des Jahres 2017. Kein Wunder, ist sie doch der zahlenmäßig stärkste Baum in Deutschland. Mit 30 Prozent Waldfläche ist der Anteil in NRW besonders hoch - auch im Bergischen Land ist der Nadelbaum weit verbreitet, bestätigen die Revierförster Heiner Grüter (Hückeswagen), Kristina Lingslebe (Wermelskirchen) und Bernhard Priggel (Radevormwald). Sie alle sind für das Regionalforstamt Wald und Holz NRW tätig.

In Hückeswagen liegt der Fichtenanteil bei mehr als 40 Prozent. In Wermelskirchen ist jeder dritte Baum eine Fichte, in Radevormwald sogar jeder zweite. Der Grund: "Die Fichte gilt als ertragreicher Brotbaum - in privaten, kommunalen und staatlichen Wäldern", sagt Kristina Lingslebe. "Ihr Holz wird in Dachstühlen verwendet, für Papier und fast jedes Brett im Baumarkt." Um aus dem Baum einen Gebrauchsgegenstand zu machen, muss er 80 bis 100 Jahre lang wachsen - deutlich weniger als andere Arten. Außerdem sei die Fichte ein anspruchsloser Baum, sagt Heiner Grüter. "Sie kommt mit den hohen Niederschlägen und nährstoffarmen Böden in der Region klar."

Die hohe Anzahl einer Baumart kann auch Nachteile haben: Borkenkäfer. In den Revieren des Bergischen Landes sei das kein Thema. "Bei uns sind die Flächen so klein, dass wir sie ohne Bedenken vollflächig mit Fichten bestellen können", sagt Bernhard Priggel. "Drumherum ist ohnehin Laubwald - das kann man nicht mit dem Sauerland vergleichen." Besonders gut vertragen sich Fichten auch mit Weißtannen und Douglasien, sagt Kristina Lingslebe. "Das hat mit der Dynamik der Bäume zu tun, wie schnell sie wachsen und, dass sie sich nicht gegenseitig das Licht nehmen."

Dennoch scheint die Fichte vom Brotbaum zum Notbaum zu werden. Denn eigentlich fühlt sich der Nadelbaum in Deutschland gar nicht wohl und würde - ohne Zutun der Menschen - nur in wenigen Bundesländern vorkommen. Nun wird den Fichten noch das Klima zum Verhängnis: Stärkere Stürme und höhere Temperaturen setzen ihnen zu. "Vor allem von langen Trockenperioden sind die Bäume geschwächt und anfälliger für Borkenkäferplagen", erklärt Lingslebe. "Glücklicherweise haben wir im Bergischen einen relativ hohen Niederschlag."

Auch der trockene September sei für die Fichten kein Problem gewesen. "Wir hatten einen feuchten Frühling, das hat uns über das Jahr geholfen." Dennoch gehören die drei Förster wohl zu den wenigen Menschen, die sich noch etwas mehr Regen gewünscht hätten.

Quelle: RP
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