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Heiligenhaus
Flüchtlingshilfe auf kleinem Dienstweg

Heiligenhaus: Flüchtlingshilfe auf kleinem Dienstweg
FOTO: Blazy, Achim (abz)
Heiligenhaus. Familie Koleci aus Albanien ist in eine Wohnung am Werkerhofplatz eingezogen. Für den Alltag gibt es Unterstützung. Von Paul Köhnes

Es ist nicht weit von der städtischen Flüchtlingsunterkunft in den Werkerhofplatz im Nonnenbruch. Aber für Familie Koleci liegen Welten zwischen diesen beiden Adressen. Vater Sul mit seiner Frau Dafina und den Kindern Dejvid und Leana hat hier eine eigene Wohnung bezogen. Für sie ist es der erhoffte Beginn eines neuen Lebens.

Gelegentlich schaut Angelika Binkowski vom Bürgerverein Nonnenbruch vorbei. Ihr Verein hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Flüchtlingsfamilien in Heiligenhaus zu unterstützen. Inzwischen hat das seit November 2014 dreimal gut auf die gleiche Art und Weise funktioniert. "Das Sozialamt der Stadt meldet sich bei Bedarf beim Verein mit der Bitte um Hilfe", sagt Binkowski. Dabei geht es nicht um die benötigte Mietwohnung - für die sorgen Jörg Saborni und seine Mitarbeiter vom Rathaus aus. Es ist eine ihrer Aufgaben im Rahmen der Flüchtlingsbetreuung, insbesondere Familien Wohnraum auf dem sogenannten freien Markt zu suchen. Die Zeit in der zentralen städtischen Unterkunft - der ehemaligen Schule Ludgerusstraße - soll besonders für Familien so kurz wie möglich gehalten werden.

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"Wir hatten Angst um unsere Kinder in unserem Heimatland", sagt Dafina Koleci auf Englisch. "Deswegen sind wir hier." Arbeitserlaubnisse für sie und ihren Mann, einen Lehrer, lägen vor. Woran es jetzt hapert, sind Deutschkenntnisse. Hier kommen die Heiligenhauser Helfer wieder ins Spiel: "Wir haben für beide Kinder Kita-Plätze hier im Nonnenbruch organisiert", sagt Binkowski. Das würde aller Erfahrung nach auch den Kontakt zu den Eltern stärken.

Eine weitere Anlaufstelle im Stadtteil ist für die albanische Familie das Stadtteilbüro in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrer neuen Wohnung. Dort bietet Binkowski zweimal wöchentlich eine Sprechstunde an. Es ist aber nicht allein der Bürgerverein, der sich um die Zugezogenen kümmert. "Wir arbeiten auch mit der Diakonie und der freikirchlichen Gemeinde zusammen."

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Das funktioniert im Optimalfall so: Die Stadtverwaltung meldet sich bei Binkowski. Und der Bürgerverein kümmert sich um die Erstausstattung einer Wohnung. Viel geht auf kleinen Dienst- oder Privatwegen. "Ob Kinderbetten, Kinderwagen oder Möbel gebraucht werden - man hört sich eben in der weiteren Nachbarschaft um, ob irgendwer etwas entbehren kann", sagt die Vereinsvorsitzende. Auch wer einen Umzug plane, habe oft Möbel übrig, für die er künftig keine Verwendung mehr habe. Auf diese Art ist auch die albanische Familie an eine Erstausstattung gekommen.

So ganz am Ziel ihrer Wünsche sieht sich Binkowski mit der selbst hergestellten Infrastruktur allerdings noch nicht: "Wir haben zwar nette Menschen, die Möbel abholen und an ihren Bestimmungsort bringen, aber bisher noch keine Möglichkeit, Möbel auch zwischenzulagern."

Quelle: RP
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