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An(ge)dacht
Gute Nachrichten

Ratingen. Weihnachtsevangelium heißt übersetzt: "Die gute Nachricht von Weihnachten". Die "gute Nachricht" ist in der Bibel und gerade am Weihnachtsfest Programm. Gibt es eine Arbeitsteilung? In der Bibel stehen die guten, in der Zeitung die schlechten Nachrichten? Dass dies nicht so ohne weiteres stimmt, wird einem klar, wenn man an die großen Zeitungsartikel über die Hilfsbereitschaft der Deutschen gegenüber Flüchtlingen denkt. Ähnlich gemischt wie in der Zeitung ist es in der Bibel. Im Weihnachtsevangelium geht es gut los. Das Kind ist gesund, die Mutter wohl auf. Man berichtet von der Nachbarschaftshilfe der Hirten und Spenden aus dem Morgenland, persönlich überbracht von Königen. Außerdem erlebt die heilige Familie himmlischen Beistand durch Engel, die Frieden auf Erden verkünden - alles gute Nachrichten. Gleichzeitig werden aber auch die schlechten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich: Der Kaiser will die Steuern erhöhen. Für arme Leute wie das junge Paar aus Nazareth gibt es nur einen Stall zum Übernachten. Und der römische Tyrann Herodes lässt die Kinder Bethlehems ermorden, weil er um seine Macht fürchtet. Auch Maria und Josef bleibt nur die Flucht nach Ägypten. So ist das ganze Evangelium von all den schlimmen Nachrichtenlagen durchzogen, die uns bis heute beschäftigen.

Die Bibel als "gute Nachricht" führt uns nicht in eine Scheinwelt, in der alles schön ist. Die Bibel ist gute Nachricht, weil sie darum ringt, jede Lebenslage und jede Lebenssituation von Gott und seinem Handeln her zu verstehen. Maria und Josef stehen vor Gott mit ihrer Freude über das Baby und ihrer Angst, wie es nun weitergeht.

Vielleicht ist das der Kern der guten Weihnachtsnachricht: Gott hat im Christuskind in der Krippe und in Christus am Kreuz alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens erlebt. Nichts ist ihm fremd. Darum spricht das Evangelium immer den ganzen Menschen an, seine Freude und seine Angst, sein zerstörerisches und sein schöpferisches Potenzial. Mit allem, was der Mensch ist, steht er vor Gott. Und er hat es in der Hand, ob daraus gute oder schlechte Nachrichten werden, Krieg der Sterne oder Friede auf Erden.

GERT ULRICH BRINKMANN, EVANG. PFARRER STADTKIRCHE

Quelle: RP
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