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Ratingen
Mini-Zinsen machen Lust auf Konsum

Ratingen: Mini-Zinsen machen Lust auf Konsum
Krokuspflanzung im Drupnas-Park mit RMG-Chefin Nina Bauer und Dieter Liere von der Werbegemeinschaft Lintorf. FOTO: Achim Bazy
Ratingen. Die Sparkasse HRV meldet für 2015 die höchste Kreditnachfrage der Institutsgeschichte. Von Dirk Neubauer

Die Welt des großen Geldes steht Kopf. "Wenn wir 150 Millionen Euro angelegen wollen, müssen wir dafür auch noch Geld zahlen", sagte gestern Jörg Buschmann. Mit solchen "negativen Zinsen" begründete der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hilden, Ratingen, Velbert (HRV), warum nach einem Rekordjahr 2015 für die Sparkasse, mit enormen Steigerungsraten im Firmen- und Privatkundengeschäft, der Jahresüberschuss mit 4,2 (Vorjahr: 4,4) Millionen Euro dennoch leicht rückläufig war. Wie den etwa 130.000 Kunden der Sparkasse fehlt es auch den Bankern an Anlagemöglichkeiten, solange die Europäische Zentralbank die Zinsen bei null hält oder sogar ins Minus drückt.

Trotz dieser "Rahmenbedingungen, an denen wir nichts ändern können" (Buschmann) dürfen die Kämmerer von Hilden, Ratingen und Velbert eine Gewinnausschüttung wie in den Vorjahren einplanen. Die richtet sich nach den Anteilen der Städte an der Sparkasse: Ratingen und Velbert streichen jeweils 740.000 Euro, Hilden 520.000 Euro ein. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Von den 33 rheinischen Sparkassen schüttet nur jede Vierte etwas aus.

Bei einer Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Euro (plus 2,6 Prozent) seien Ertragslage und Eigenkapitalausstattung "solide". Dass die Wirtschaft in Deutschland vom Konsum getragen wird, merkt die Sparkasse HRV an dieser Zahlen: Das Kundenkreditgeschäft meldet das stärkste Wachstum der Institutsgeschichte: plus 5,6 Prozent, absolut plus 111,1 Millionen Euro. Dabei stieg die Nachfrage sowohl von Firmen als auch von Privatkunden. Letztere schichten ihr Vermögen um in Betoninvestments. "Gute Immobilien werden gar nicht mehr besichtigt, sondern sind manchmal binnen weniger Stunden verkauft", berichtete Bankvorstand Josef Stopfer. Neben der Finanzierung habe man im Jahr 2015 106 Objekte selbst vermittelt. "Die Nachfrage lag noch darüber." Die Kunden fragen aber nicht nur Geld in Form von Krediten nach. Sie vertrauen es nach wie vor der Sparkasse an. Obwohl es nur noch Mini-Zinsen gibt, bekam die Sparkasse HRV 73,7 Millionen Euro (plus 3 Prozent) an Einlagen. Viele Kleinsparer scheinen Fatalisten zu sein: Es gibt ein Plus von 13 Prozent bei Sparbüchern. Wer sein Geld für sich arbeiten lassen wollte, griff zu Aktienfonds oder gemischten Fonds. Über den aktuellen Kursrutsch wird dann erst in der nächsten Sparkassenbilanz zu berichten sein.

In allen Spielarten des Online-Bankings gibt es Zuwachsraten um das Doppelte, manchmal Dreifache. Sparkassen-App, Online-Kontoführung, Online-Depotverwaltung, Online-Informationen - die Kehrseite ist: Vorstandschef Jörg Buschmann will keine Bestandsgarantie für die 28 Sparkassen-Geschäftsstellen abgeben. "Das können wir nicht. Wir müssen ständig beobachten, was unsere Kunden wollen und uns danach ausrichten."

Bei der Sparkasse HRV arbeiten derzeit 785 Beschäftigte. Zum Jahreswechsel wurden 63 junge Frauen und Männer ausgebildet (52 angehende Bankkaufleute, 1 IT-Kaufmann, 10 Studierende).

Und: Die Sparkasse gab auch mehr als eine Million Euro an rund 300 Vereine, Initiativen, Projekte und Veranstaltungen.

Quelle: RP
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