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Remscheid
Klöppeln auf ungarischen Klangwellen

Remscheid. Der Virtuose Cyril Dupuy glänzte mit seinem Zymbalspiel beim Philharmonischen Konzert. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ungewöhnliche Klangfarben im Teo Otto Theater: Beim Philharmonischen Konzert der Bergischen Symphoniker am Mittwochabend bekamen die gut 300 Zuhörer unter dem Motto "Zymbalklänge" ausschließlich ungarisch eingefärbte Musik präsentiertder jungen Virtuosen Cyril Dupuy überzeugte auf seinem Instrument, einer Zymbal.

Geboten wurden drei ungarische Komponisten, von denen den meisten wohl nur das Klaviergenie Franz Liszt bekannt gewesen sein dürfte. Seine "Ungarische Rhapsodie Nr. 3 in D-Dur" bot auch den idealen Einstieg in einen enorm kurzweiligen und erfrischend beschwingten Abend. Da war Dupuy mit seinem Instrument, einer Mischung aus Harfe und Hackbrett, noch gut versteckt im hinteren Teil des Orchesters.

Man horchte hin und wieder auf, da sich in den gewohnt virtuosen und voluminösen Klangkörper der Symphoniker dann und wann der ungewohnte, metallisch-schnarrende Klang eines Instruments mischte, das man dort nicht unbedingt vermutete. Aber es passte dort perfekt hin, das fand auch das insgesamt sehr begeisterungsfähige Publikum, das nach dem furiosen Finale der Rhapsodie und dem Schlussakkord, der deftig wie ein ungarisches Gulasch in der kalten Puszta daherkam, die ersten Bravo-Rufe spendierte.

Die anderen beiden Komponisten waren Béla Vavrinecz und Zoltan Kodály. Vor allem die "Konzert-Variationen für Zymbal und Orchester" des 2004 verstorbenen Vavrinecz zeigten einen Cyril Dupuy in Höchstform. Wie der junge Franzose über die Saiten seines Instruments flitzte, die Klöppel in schwindelerregender Geschwindigkeit bewegte und die wahnwitzigsten chromatischen Läufe spielte, das war nicht nur eine Ohren-, sondern auch eine Augenweide.

Die Symphoniker unter der gewohnt sympathisch-souveränen Leitung ihres Generalmusikdirektors Peter Kuhn mussten da stellenweise nur noch den Teppich für Dupuys Solo-Eskapaden zusammenweben. Faszinierend war auch Dupuys außerplanmäßige Zugabe vor der Pause: Ganz alleine variierte er eine bekannte Weise auf verschiedene Art. Nach der Pause wurde die abwechslungsreiche, aber leider recht kurze "Háry János Suite" von Kodály gegeben, in der Dupuy nur noch partiell gefordert war. Dafür moderierte Kuhn launig die sechs Teile an. János sei eine Art ungarischer Baron Münchhausen gewesen, entsprechend war auch die Musik mit einem Augenzwinkern versehen: etwa die "Schlacht und Niederlage Napoleons", bei der der französische Egomane durch das Saxophon dargestellt wurde und, historisch natürlich nicht korrekt, eine derbe Schlappe gegen Österreich-Ungarn erleiden musste.

Bleibt ein Abend der schönen Klänge, der ruhig etwas länger hätte ausfallen können, aber dennoch am Ende völlig zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Quelle: RP
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