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Remscheid
Spätromantische Poesie in der Stadtkirche Lennep

Remscheid. Der Pianist Frédéric Sommer musizierte mit dem Lenneper Kammerorchester am Reformationstag. Von Gisela Schmöckel

In der abendlichen Vesper zum Reformationstag erinnerte Prädikant Rolf Haumann an die Geburtsstunde der protestantischen Kirche vor 498 Jahren. Der Reformator Martin Luther hatte mit seinem Thesenanschlag in Wittenberg die Botschaft der Seligpreisungen bewusst gemacht: Die Gnade Gottes lässt sich nicht durch eigenes Handeln erkaufen. Gleich nach dem Gottesdienst schloss sich ein konzertantes Wagnis an. Anspruchsvolle Musik von Bach bis Chopin stand auf dem Programm, zu dem Kantor Johannes Gessner seinen früheren Lehrer, ihm freundschaftlich verbundenen Pianisten Frédéric Sommer nun zum zweiten Mal nach Lennep eingeladen hatte.

Der zaghafte Einsatz der Streicher am Beginn von Bachs Concerto Nr. 5 war bald vergessen, als der Pianist den Cembalopart auf dem Flügel der Evangelischen Stadtkirche Lennep zum raumfüllenden, von warmen, runden Farben getragen erklingen ließ. Im Largosatz entstand feines Schwingen, und der lange Presto-Schluss-Satz führte das ambitionierte Laienorchester endgültig mit dem herausragenden Pianospiel zusammen.

Frédéric Sommer, früher Lehrer an der Hochschule Detmold, heute Dozent an der Eisler Musikhochschule Berlin, stellte sich mit sympathischer Sensibilität auf das Kammerorchester ein. In Chopins "Hades"-Prélude Op. 28 Nr. 16 wurde sein kunstvolles, von inniger Poesie erfülltes Spiel deutlich. Dramatische und lyrische Kräfte macht er lebendig, mItreißend die feine Dynamik des Spiels. So entsteht ein spannungsvoller Atem auch in schnellen Passagen. Mit Wucht steigerte er den Ausdruck in der "Revolutionsetüde" Op.10 Nr. 12. Erzählerisch, bis in feinste Facetten ausschildernd, voll Poesie und Farbenreichtum erklang sein Spiel der Ballade Nr. 1 Op. 23. Den drei Chopinwerken antwortete das Spiel des Kammerorchesters mit einer suitenartigen Folge von englischen und französischen Werken.

Für ein Schulorchester komponierte Gustav Holst die St. Pau's Suite Nr. 2, die mit einem zunächst "harmlos" wirkenden Jig beginnt, dann aber die Orchesterstimmen zu einem immer wieder überraschenden, von schnellen Rhythmen geprägten Netz zusammenführt. Orchestermitglied Peter Müller spielte den Part der Solovioline im pünktlichen, lockeren Pizzicato des Ensembles.

Im Finale findet munteres "Ranking" zwischen dem Violinthema und dem berühmten Volkslied "Greensleeves" statt, die ein fröhliches, kunstvoll gemischtes, wie aus einem Kirmeslärm erklingenden Klangchaos voll rhythmischer Raffinesse schaffen. Eine köstlich musikantische Entdeckung ist diese Musik. Mit der Berceuse von Gabriel Fauré kehrte das instrumentale Spiel zur Romantik zurück; in Camille Saint-Saëns charmantem Hochzeitswalzer zog Pianist Frédéric Sommer das Ensemble des Kammerochesters in ein spannungsvolles, unterhaltsames Musizieren.

Als Zugabe erklang noch einmal das sanfte Largo aus dem anfänglichen Bach-Concerto.

Das Publikum im der gut besuchten Konzert dankte mit herzlichem Beifall.

Quelle: RP
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