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Fußball
FC Remscheid: 25 Jahre, ein Verein, ein Absturz

9. Juni 1991 - 2:0-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg. Aufstieg in die 2. Bundesliga. Großes Kino.

8. Juni 2016 - 0:2-Auswärtsniederlage beim ASV Süchteln. Abstieg in die Bezirksliga. Große Leere.

25 Jahre - ein Verein, ein Absturz.

Warum? Geld, Macht, Missgunst, Fehleinschätzungen, Überschätzungen, falsche Personalentscheidungen. Der FC Remscheid ist ein Spiegelbild der Welt um uns herum. Bodenständig ist langweilig, dann lieber der schöne Schein, der zwar nur vordergründig glänzt, in dem Profilneurosen aber wunderbar gelebt werden können. Das Ich steht über dem Wir. Trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Narzissten kamen und gingen, der Verein blieb. Nur jetzt eben in Liga sieben. Ein tiefer Fall. Schuld sind aber selbstredend die anderen.

Zuhören ist scheinbar die kleine Schwester des Bodenständigen. Auch irgendwie unsexy. Warnungen? Werden in den Wind geschlagen. Alles notorischen Nörgler, klar. Erst hinterher sind alle schlau. Dem Kind im Brunnen wird vorwurfsvoll nachgerufen, dass es besser nicht gefallen wäre und wer es hätte aufhalten können. Vorher zu warnen - das wäre wirklich schlau gewesen.

25 Jahre - wie viele Fußballer-Generationen sind das eigentlich? Zdenko Kosanovic war vor 25 Jahren beim 2:0 über Wolfsburg dabei. Als junger Verteidiger mit mächtigem Vokuhila. Jetzt ist er wieder da, als bereits vierter Trainer in dieser Saison. Er musste - wie so viele andere - ausbaden, was lange vorher Stück für Stück von der Spitze und ihren Handlangern verbockt wurde. Das Fußball-Leben geht trotzdem weiter, sagt er. Nur jetzt eben in der Bezirksliga.

Was kommt? Hoffentlich kein neues "Projekt Zukunft". Wo das endet, sah man in Süchteln. Ein "Projekt heute" wäre mal schön. Sehen was ist, nicht darüber Schwadronieren, was sein soll. Vernünftig planen, vernünftig wirtschaften, vernünftig spielen, vernünftig auftreten und nicht immer den Scheinwerfer auf sich richten. Und das alles mit verlässlichem Personal.

Das gibt es noch. In vielen Vereinen, und auch im Dunstkreis des FCR. Die mit dem Herz am rechten Fleck. Mit ihnen ist auf einer Gala vielleicht kein Staat zu machen, und sie machen auch Fehler, natürlich. Aber sie arbeiten für das Gebilde, nicht für sich. Genau diese Menschen braucht ein Verein, wenn er die lange Ochsentour der Konsolidierung überstehen will.

Deswegen braucht der FCR endlich den stillen, bescheidenen Neuanfang. Jetzt. Andere werden in 25 Jahren mal nachschauen, was daraus geworden ist.

HENNING SCHLÜTER

Quelle: RP
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