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40 Jahre Rhein-Kreis Neuss
Für die Mobilität der Bürger im Einsatz

40 Jahre Rhein-Kreis Neuss: Für die Mobilität der Bürger im Einsatz
Daniela Weins ist beim Straßenverkehrsamt in der Führerscheinstelle für die Ersterteilung der Fahrerlaubnis zuständig. Manchmal schickt sie die Antragsteller zur Medizinisch-psychologischen Untersuchung. FOTO: Tinter, Anja
Rhein-Kreis Neuss. Die Liste an Dienstleistungen, die das Straßenverkehrsamt auf seiner Internetpräsenz nennt, findet kaum ein Ende. Von "Anschrift in den Fahrzeugpapieren ändern" über "Segway – Elektronische Mobilitätshilfe" bis hin zum "Zwangsumtausch für 50-jährige Fahrerlaubnisinhaber" ist bei dem Amt mit über 90 Mitarbeitern alles an Dienstleistungen vertreten, was mit dem Straßenverkehr zu tun hat. Von Susanne Zolke

In der Führerscheinstelle kümmert sich Daniela Weins darum, dass bei der Ersterteilung der Fahrerlaubnis alles geordnet und mit rechten Dingen zugeht. Und manchmal, so sagt sie, geht es in ihrem Bereich auch um berufliche Existenzen. "Als ich noch relativ neu hier war, ist mir so etwas untergekommen. Das lässt einen nicht kalt", erinnert sich die 32-jährige Grevenbroicherin. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört es unter anderem, zu prüfen, ob Lkw-Fahrer alle erforderlichen Dokumente vorweisen können, damit ihre Fahrerlaubnis verlängert werden kann. "Lkw-Fahrer müssen alle fünf Jahre ein ärztliches und ein augenärztliches Attest vorlegen und zusätzlich erneuerte Schulungstage nachweisen. Das betrifft die Klassen C und CE. Erst dann kann ihr Führerschein verlängert werden", erläutert die ehemalige Rechtsanwaltsfachangestellte, die als Quereinsteigerin im Straßenverkehrsamt angefangen hat.

Zu Problemen kommt es dann, wenn die Antragsteller Fristen nicht einhalten und sich zu spät um die Verlängerung kümmern. "Ein Lkw-Fahrer hatte es verpasst, alles rechtzeitig vorzulegen, sagte mir aber, er würde seinen Job verlieren, wenn der Führerschein nicht erneuert wird", sagt Weins. "Der Geschäftsführer der Spedition bestätigte die Aussage des LKW-Fahrers. Er sagte, wenn nicht alles innerhalb von einer Woche erledigt sei, würde dem Mitarbeiter gekündigt." Daraufhin setzte Daniela Weins alle Hebel in Bewegung – mit Erfolg. "Es hat zum Glück noch geklappt, manchmal muss man eben individuelle Lösungen finden. Hexen können wir hier trotzdem nicht, die Führerscheine müssen beim Kraftfahrtbundesamt in Berlin bestellt werden."

Auf Verständnis dafür, dass die vielen verschiedenen Vorgänge im Straßenverkehrsamt auch schon mal längere Zeit in Anspruch nehmen, können die Mitarbeiter nicht immer hoffen. "Es besteht bei den Bürgern schon eine hohe Bereitschaft, zu kritisieren, Anerkennung bekommen wir eher selten", sagt Klaus Schirm, der das Straßenverkehrsamt seit 1998 leitet. "Die häufigste Frage, die unsere Mitarbeiter hören, ist wahrscheinlich: 'Kann das nicht etwas schneller gehen?‘ Viele Dinge sind aber eben nicht von heute auf morgen möglich."

Ein mitunter zeitaufwendiger Klassiker ist die Erstzulassung von ausländischen Fahrzeugen in Deutschland. Das Fahrzeug muss identifiziert, die Fahrgestellnummer überprüft werden. "Die Nummer in den Papieren muss mit der auf dem Fahrgestell übereinstimmen. Es kann allerdings sein, dass die Nummer nicht mehr lesbar ist", sagt der 62-jährige Amtsleiter. Im Zweifelsfall muss eine neue Nummer vergeben werden. Und das Straßenverkehrsamt beauftragt einen Ingenieur, diese Nummer am Fahrgestell einzuschlagen. "All das dauert natürlich, aber nicht, weil wir jemanden ärgern wollen." Geduld und Gelassenheit braucht Daniela Weins oft in ihrem Beruf. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Beantwortung von Fragen über die eingerichtete Hotline. Von Eltern, die wissen wollen, welche Anträge ihr Kind für die Führerscheinprüfung noch vorlegen muss, über Nachfragen von Fahrlehrern zu neuen Bestimmungen bis zu Lkw-Fahrern, die sich über nötige Zusatzqualifikationen erkundigen, sei alles täglich dabei. Da heißt es dann, auch im größten Stress stets zuvorkommend zu bleiben – vor allem an Tagen, wenn viel los ist. "Wenn man ein und dieselbe Frage viele Male am Tag gestellt bekommt, ist es schon manchmal schwierig, immer freundlich und ruhig zu bleiben", sagt Daniela Weins.

Amtsleiter Schirm kennt solche Tage ebenfalls und stellt eine erstaunliche Theorie auf. "Wir können hier wirklich ablesen, wann Vollmond ist. Manchmal fragt man sich, was ist denn heute schon wieder los mit den Leuten, die sind alle irgendwie komisch drauf. Am Ende stellt sich raus, dass mal wieder Vollmond war", sagt Schirm lachend. Von Zeit zu Zeit muss Daniela Weins den Antragstellern auch eher unerfreuliche Nachrichten vermitteln, denn nicht jedem kann sie die Ersterteilung des Führerscheins bewilligen. "Wenn jemand als Jugendlicher schon einmal ohne Führerschein gefahren ist, dazu vielleicht noch Alkohol im Spiel war oder jemand Nummernschilder geklaut hat oder ähnliches, muss er zunächst zur medizinisch-psychologischen Untersuchung." Zu jenem Verfahren also, dass auch als "Idiotentest" bekannt ist. Genau das sei vielen Antragstellern ein Graus, weiß Weins, "aber da lasse ich mich auch nicht auf lange Diskussionen ein, die Entscheidung ist dann klar."

Bei anderen Fällen hingegen falle die Entscheidung sehr schwer. "Es passiert auch mal, dass Kinder anrufen, die Angst um ihre alten Eltern haben, weil die noch Auto fahren, aber eigentlich nicht mehr fahrtüchtig sind. Sie bitten dann darum, dass den Eltern der Führerschein weggenommen werden soll", sagt Weins nachdenklich. Auch Amtsleiter Klaus Schirm kennt die Tragweite solcher Entscheidungen. "Autofahren hat viel mit persönlicher Freiheit zu tun. Wem die Fahrerlaubnis entzogen wird, dem wird ein Stück weit auch die Freiheit entzogen. Wir müssen immer zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer abwägen."

Es komme auch vor, dass ältere Menschen von sich aus ihren Führerschein abgeben, das sei aber eher die Ausnahme. "Meistens ist es so, dass die Fähigkeit, ein Auto zu fahren, zwar abnimmt, die Einsichtsfähigkeit aber nicht in gleichem Maße zunimmt."

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