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Rhein-Kreis Neuss
Kreistag will Klinik-GmbH gründen

Rhein-Kreis Neuss: Kreistag will Klinik-GmbH gründen
Ab morgen Direktor der Kreis-Kliniken: Sigurd Rüsken, Ex-"Lukas"-Chef. FOTO: Woi
Rhein-Kreis Neuss. Morgen tritt der neue Krankenhaus-Chef Sigurd Rüsken seinen Dienst an. Er soll Defizite der Kreis-Kliniken abbauen und den Weg zur GmbH vorbereiten. Von Ludger Baten

Für die Krankenhäuser in Dormagen und Grevenbroich, bisher als Eigenbetrieb der Kreisverwaltung geführt, beginnt eine neue Zeitrechnung. Gestern brachte der Kreistag mit breiter Mehrheit die Umwandlung seiner Rhein-Kreis Kliniken in eine privatwirtschaftliche GmbH auf den Weg, deren einziger Gesellschafter der Kreis sein wird. Bis der formale Wechsel der Rechtsform vollzogen werden kann, wird es noch einige Monate dauern. Dennoch beginnt die Zukunft bereits morgen - und sie hat einen Namen: Mit Sigurd Rüsken (69) kommt zum 1. Juli ein Interimsdirektor - auch das beschloss gestern Abend der Kreistag -, der die beiden Häuser fit für den Struktur- und Kulturwandel machen soll.

Der erfahrene Krankenhaus-Manager Rüsken, der mehr als ein Vierteljahrhundert das städtische Lukaskrankenhaus in Neuss leitete, kommt morgen mit der Empfehlung in den Kreis, an der Preußenstraße mit 1300 Mitarbeitern, darunter 200 Ärzten, bei einem Jahresumsatz von 140 Millionen Euro stabil schwarze Zahlen erwirtschaftet zu haben. In das "Lukas" mit 540-Betten wurden seit 1987, damals übernahm die Stadt das Krankenhaus von den Augustinerinnen, etwa 200 Millionen in Neubauten, Modernisierungen und neue Technologie investiert.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und die CDU gaben auch gestern im Kreistag Takt und Tempo beim Thema "Zukunft der Krankenhäuser im Kreis" vor. Sie bereiten, attestiert von der FDP, schon den nächsten Schritt vor. So setzte der Kreistag gestern einen politisch besetzten Beirat ein, der Möglichkeiten zur Kooperation mit anderen Krankenhäusern in der Region prüfen soll.

Im Klartext: Der Kreis wird das Gespräch mit der Stadt Neuss suchen, um eine weitreichende Verzahnung mit dem städtischen "Lukas" auszuloten. Daraus machte auch Dieter Welsink keinen Hehl. Der CDU-Chef sieht in dem Beirat eine Antwort auf die Gesprächsbereitschaft, die die Vorsitzenden von CDU und Grünen im Neusser Rat, Helga Koenemann und Michael Klinkicht, signalisiert hatten. Die Rot-Grün geführte Opposition trat gestern vergeblich auf die Bremse. Für Rainer Thiel (SPD) kommt der Beirat "zur Unzeit", während Susanne Stephan-Gellrich das neue Gremium als "neuen Unterausschuss des Kreiskrankenhauseausschusses" eingliedern wollte.

Dennoch fuhr Oppositionsführer Rainer Thiel einen Teilerfolg ein. Die von seiner Fraktion vorgelegte Erklärung passierte mit Unterstützung von CDU und FDP den Kreistag, der es mehrheitlich als Ziel ansieht, den Beschäftigten der Krankenhäuser eine "Arbeitsplatzgarantie" zu gewähren, wobei "auch künftig" bestehende Tarifverträge gelten sollen. Sprecher der CDU sahen sich mit der SPD "im Ziel einig", wiesen aber darauf hin, dass es letztlich keine Garantien geben könne. Landrat Petrauschke: "Wenn sich nicht ändert, können wir nicht besser werden." Den Grünen war das zu unverbindlich. Sie verweigerten ihre Zustimmung. Ihr Vorsitzender Erhard Demmer: "Wir brauchen eine klare Strategie"; für Erklärungen mit vielen Schlupflöchern stehe seine Fraktion nicht zur Verfügung.

Auf dem Weg in eine sichere Zukunft haben die Kreiskrankenhäuser ein Etappenziel erreicht - nicht mehr, nicht weniger. Gleichwohl: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Erst Anfang Mai war bekannt geworden, dass Direktor Ralf Nennhaus nach Moers wechselt. Sein Abschied löste die nun geführte Strukturdebatte aus. Seit gestern ist klar: Im Kreishaus hat man einen Plan.

Quelle: NGZ
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