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Rhein-Kreis Neuss
Piraten kämpfen um Verbleib im Landtag

Rhein-Kreis Neuss. Die Piraten müssen damit rechnen, bei der Landtagswahl 2017 Schiffbruch zu erleiden. Ein Jahr vor der Wahl liegen sie laut Umfragen bei gerade mal einem Prozent. Von Andreas Buchbauer

Es ist keine Sentimentalität, dass Lukas Lamla die Whats-App-Gruppe seiner Wachkameraden bei der Feuerwehr nie verlassen hat. Wenn neue Nachrichten aufploppen, dann ist der ehemalige Berufsfeuerwehrmann aus Dormagen sofort wieder mittendrin in seinem alten Leben. "Ich fühle mich immer noch als Teil davon. Und es ist schön zu wissen, dass ich jederzeit auf der Wache auf einen Kaffee vorbeischauen kann und willkommen bin", sagt der 32-Jährige. Die Feuerwehr trägt er immer noch in sich, sie ist alter Beruf und immer noch Berufung. Auf der Fensterbank im Büro des Landtagsabgeordneten der Piratenpartei liegt sein Feuerwehrhelm, und das nicht nur als Erinnerungsstück. Lamla kann ihn jederzeit wieder anziehen und zurück in sein altes Leben. Das ist eine beruhigende Option. Die Piratenpartei ist schließlich in rauer See unterwegs. Ankerpunkte geben da Halt.

Am 14. Mai 2017 steht die NRW-Landtagswahl an. Vertraut man den aktuellen Umfragewerten, braut sich etwas zusammen überm Piraten-Segel: Oft liegt die Partei bei gerade mal einem Prozent, und so sehr man die Umfragen auch durchforstet und hin und her wendet - mehr als zwei Prozent finden sich schon länger nicht mehr. Da stellt sich die Frage, ob die Piraten nach einer Legislaturperiode im NRW-Landtag schon Schiffbruch erleiden. "Wir haben viel Arbeit vor uns", sagt Lamla. "Aber wir müssen auch das Erreichte besser verkaufen. Tue Gutes und rede darüber." Lamla spricht dann über mehr Transparenz in der Politik, und dass es zum Beispiel ein Verdienst seiner Partei sei, dass Ausschusssitzungen per Livestream übertragen werden.

Bei der Wahl 2012 segelte Lamla auf dem Piraten-Ticket geradewegs in den Landtag. 7,8 Prozent holte die junge Partei damals. Plötzlich waren ihre Vertreter mittendrin im institutionalisierten parlamentarischen Polit-Betrieb - und mussten sich dem Realitätsabgleich stellen. Lamla räumt ein, dass dies ein Lernprozess war. Bestmögliche Kompromisse zu finden, sei oft ein zäher und langwieriger Prozess. "Das hilft aber auch, Schnellschüsse zu verhindern", betont Lamla. "Zugleich wird aber das Drumherum immer schneller, also das Tempo von öffentlichen Debatten und Forderungen."

Geduld zu vermitteln und Geschwindigkeit herauszunehmen, ist jedoch alles andere als einfach - vor allem für eine Partei, die ein großes Maß an Protestwählern für sich gewann. Im Realitätsabgleich wenden die sich oft wieder ab - siehe Umfragewerte. Nur noch ein Prozent, das reicht nicht für den Wiedereinzug in den Landtag. Lamla will die Ärmel hochkrempeln und kämpfen. Und er würde gerne im Landtag weitermachen. "Ich werde kandidieren. Aber das entscheidende Wort hat die Basis: Unsere Mitglieder müssen mich auch wählen."

Auch unabhängig vom Wahlausgang möchte sich Lamla weiter für die Piratenpartei engagieren. "Wir sind schnell nach oben geschossen. Dabei sind wir noch mitten im Prozess, Strukturen aufzubauen", sagt er. Andere Parteien hätten da einen Vorsprung. Lamla möchte mitwirken, die Basis für die Zukunft der Piraten zu legen. Und beruflich? Die Rückkehr zur Feuerwehr sei immer eine Option. "Da müsste ich aber erst mal mit einem Sportprogramm in Sachen Fitness nachholen", sagt er. Über den Plan B zum Landtag habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht. Wie das bei Joachim Paul, dem anderen Landtagsabgeordneten der Piratenpartei aus dem Rhein-Kreis Neuss aussieht, war auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu erfahren. Mehrere Anfragen liefen ins Leere.

Quelle: NGZ
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