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Lokalsport
Ohne Frauen läuft nichts im Pferdesport

Lokalsport: Ohne Frauen läuft nichts im Pferdesport
Der "Hingucker" beim Winterfest des Kreispferdesportverbandes: Die Voltigier-Europameister vom Nixhof brillierten mit einer Schaunummer. FOTO: -woi
Rhein-Kreis. Mehr als 80 Prozent der Vereinsmitglieder im Kreis-Pferdesportverband sind weiblich - und auch beim Erfolg geben Frauen den Ton an. Von Mareike Roszinsky

Der Pferdesport im Rhein-Kreis Neuss ist erfolgreich, anerkannt - und weiblich. Das beweisen die Zahlen: Nur 18,4 Prozent der Vereinsmitglieder im KPSV sind männlich. Und so prägen Frauen nicht nur reiterlich die Turnier- und Reitlandschaft, sondern auch hinter den Kulissen.

Ausgezeichnet: Heiner Schiergen, Gilbert Tillmann, Claudia Haller und Juliette Piotrowski (v.l.). FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Das beste Beispiel dafür ist Annette Grimsel. Sie ist seit über 20 Jahren im Vorstand des Neuss-Grefrather Reitclubs, die letzten acht Jahre davon als Vorsitzende. Sie ist das Gesicht der Neuss-Grefrather Dressurtage, als Organisatorin unabdingbar. Auch für den Kreis-Pferdesportverband Neuss. Bei der Organisation des Winterfests ist Annette Grimsel dabei. Alles Gründe, warum die Neusserin am Samstag genau bei dieser Veranstaltung im Neusser Zeughaus - längst ein "Pflichttermin" für die Pferdefans im Kreis-Pferdesportverband (KPSV) - ausgezeichnet wurde. Peter Schmitz, Vizepräsident des Pferdesportverbandes Rheinland, verlieh Grimsel die Goldene Ehrennadel. "Ohne Frauen dieses Kalibers sähe es im Reitsport nicht so gut aus", brachte es Peter Schmitz auf den Punkt.

Das gilt auch für die meisten sportlichen Erfolge. Die internationalen Medaillen holte 2015 der weibliche Nachwuchs in den KPSV: Die Zwillinge Helen und Linda Erbe (FK Dressur) gewannen Teamsilber in der Ponydressur, Helen wurde zudem Dritte in der Einzelwertung. Die große Schwester Hannah holte EM-Doppelgold bei den Dressurjunioren. Das Voltigierteam Neuss vom Nixhof wurde Europameister. Dazu kamen nationale Erfolge und solche auf Kreisebene, die beim Winterfest vor großer Kulisse gewürdigt wurden.

Bei den rund 800 Besuchern waren die Damen dann vermutlich auch in der Überzahl. Die Zahl derer, die zu dem "Klassiker" im Zeughaus kommen, bleibt übrigens seit Jahren sehr konstant. "Da werden es eher mehr als weniger", freut sich Lutz Bartsch, Präsident des KPSV. Wenn er das Präsidenten-Zepter nach dieser Wahlperiode weitergibt, hinterlässt er einen solide aufgestellten Kreisverband. "Die Zahl der Turniere und Turnierreiter ist seit Jahren konstant, und die sportlichen Erfolge sind immens. Wir gehören zu den sportlich stärksten Kreisverbänden überhaupt", lautet sein Fazit. "Der Pferdesport im Rhein-Kreis ist extrem beliebt und hat einen sehr großen Stellenwert."

Deshalb treiben die Mitgliederzahlen - die 41 Vereine im KPSV haben derzeit rund 4200 Mitglieder - ihm zwar kleine Fältchen, aber keinesfalls Sorgenfalten auf die Stirn. "Zu unseren Glanzzeiten hatten wir um die 5000 Mitglieder. Aber es gibt nun mal viele Veränderungen, demografische Faktoren, Ganztagsschule, steigende Kosten für die Pferdehaltung, und denen müssen wir uns stellen und entsprechend reagieren. Dazu brauchen wir junge Menschen in den Vereinsvorständen und im KPSV-Vorstand." Der hat sich deswegen schon 2015 strukturell neu aufgestellt. "Die Weichen sind gestellt", ist sich Lutz Bartsch sicher. Dass die Mitgliederzahlen im Reitsport rückläufig sind, ist nichts Neues. Alljährlich verkündete die Deutsche Reiterliche Vereinigung einen konstanten Mitgliederschwund beim klassischen Turniersport. 2015 war die Zahl der Turnierreiter - rund 1,7 Millionen in Deutschland - zwar erstmals wieder stabil, aber trotzdem verlieren die meisten Vereine Mitglieder.

2012 konnte Lutz Bartsch, Präsident des Kreis-Pferdesportverbandes Neuss (KPSV), diesen Trend für den Rhein-Kreis Neuss noch nicht ausmachen. Doch inzwischen ist der Bundestrend im heimischen Kreisverband angekommen. Wenn auch abgeschwächt. "Es wird immer schwerer, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren", kennt Lutz Bartsch die Probleme darüber hinaus. Und je weniger Menschen das Vereinsleben gestalten, sprich Turniere organisieren, desto weniger Mitglieder werden es - ein Teufelskreis. "Gut, dass es bei uns Vorzeigebeispiele gegen den Trend gibt", so der KPSV-Präsident. Zum Beispiel der RFVV Gillbach PF Neuhövelerhof, der mit 690 Mitglieder heraussticht und sogar Mitgliederzuwachs verzeichnet.

Quelle: NGZ
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