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Vortrag
Wenn Häuser Geschichten erzählen

Vortrag: Wenn Häuser Geschichten erzählen
Natürlich hat das Neusser Rathaus eine lange Geschichte. In einem Vortrag wurde jetzt gezeigt, dass viele weitere Gebäude mindestens ebenso spannende Geschichten erzählen könnten. FOTO: Stadt
Neuss. Jedes Haus hat seine eigene Geschichte. Dass viele davon erzählenswert sind, zeigte Reinhold Mohr mit einem Vortrag zur Geschichte etlicher Immobilien im Zentrum von Neuss. Im Tuppenhof in Kaarst-Vorst berichtete er dabei von längst vergangenen Zeiten. Das stattliche gelblich angestrichene Gebäude, in dem das Stadtarchiv untergebracht ist, ist zum Beispiel eine ehemalige Posthalterei. "Clemens Sels kaufte das Haus 1850 und richtete dort eine Stearinfabrik zur Herstellung von Kerzen ein", erklärte Mohr, der auf eine ungewöhnliche Karriere aufmerksam machte: "Der Postgehilfe Caspar Hermkes wurde Architekt - er plante das klassizistische Rathaus."

Die Zuhörer im Tuppenhof erfuhren zudem, dass das Kloster Kamp nach Neuss hätte verlegt werden sollen. Der Plan scheiterte jedoch an den überzogenen Preisvorstellungen des Grundstückseigentümers. Zuvor war aber Mitte des 12. Jahrhunderts der Kamper-Hof errichtet worden: dort, wo früher Horten war und jetzt die Kreisverwaltung und das Rheinische Landestheater untergebracht sind. 1811 schenkte Napoleon der Stadt diese Immobilie, die sie unter anderem als Schule nutzte.

Ebenfalls Mitte des 12. Jahrhunderts kaufte das Kloster Meer in Büderich eine Fläche im Herzen der Stadt, um den Meerer-Hof zu errichten. Dort, wo heute Wohnungen und Geschäfte sind, wurden damals landwirtschaftliche Produkte feilgeboten, in Kriegszeiten bot der Hof Schutz hinter den Neusser Stadtmauern. Der Cortenbacher Hof stand dort, wo jetzt der Kaufhof ist. Bis 1789 lebten in dem Stadthaus verschiedene Adelsfamilien. Es gehörte zuletzt Heinrich Ferdinand von Cortenbach, der bis zu seinem Tod im Jahre 1770 in der zu Kaarst gehörenden Lauvenburg gewohnt hat.

Auf dem Areal des Cortenbacher Hofes existierte ab 1901 die "Gesellschaft für Buchdruckerei", wo auch die Neuß-Grevenbroicher Zeitung gedruckt wurde. Bis 1958 stand dort auch die Gaststätte "Zum Marienbildchen" und an die Tanzschule Hopp-Schneidt werden sich noch viele ältere Neusser erinnern. 1965, im Rahmen der radikalen Altstadtsanierung, zogen Druckerei und Tanzschule auf das Grundstück der Bürgergesellschaft.

Mohr ging auch auf das Haus "Rheintorstraße 10" ein, ein fast unscheinbares, aber geschichtsträchtiges Gebäude. Geblieben ist nur die Fassade. In den 1970er Jahren war die Kneipe "Jordans" ein beliebter Treffpunkt für Gymnasiasten. Franz Jordans, von 1800 bis 1805 Bürgermeister von Neuss, dürfte nicht geahnt haben, dass die Immobilie gut 100 Jahre später als "Spaghetti-Haus"" genutzt und bekannt werden würde.

Quelle: NGZ
 
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