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Alpen
Gasleitung soll nahe Rheinberg verlaufen

Alpen. Für die neue Zeelink-Ferngasleitung sind mehrere Routenverläufe im Gespräch. Die bevorzugte Variante führt an Borth vorbei. Aber auch Verläufe nahe Xanten und Alpen könnten kommen. Von Peter Kummer

Etwa 110 Kilometer lang, zumeist verlegt in einem Meter Tiefe und gekennzeichnet mit gelben Schildern: Das Essener Unternehmen Open Grid Europe und die Thyssengas GmbH planen eine neue Erdgasleitung Zeelink 2 von Borken durch den Kreis Wesel bis nach Kempen. Von dort aus soll sie weiter nach Aachen und nach Belgien (Zeelink 1) führen. "Eine sichere Versorgung benötigt auch gute Verbindungen", wirbt ein Flyer von Open Grid Europe für das Projekt. Wie diese Verbindung aber verlaufen wird, steht momentan noch in den Sternen. Verschiedene Trassenentwürfe sind in der Diskussion, die Stadt- und Gemeindeverwaltungen haben ihre Stellungnahmen abgegeben.

Momentan werden zwei Arten Erdgas als Energieträger eingesetzt: das L-Gas (Low calorific gas) und das H-Gas (High calorific gas). Die Förderung von L-Gas, das einen geringeren Brennwert hat, werde vor allem wegen zurückgehender Erdgasförderung in Deutschland und den Niederlanden bis 2030 um etwa 90 Prozent sinken, erläutert Helmut Roloff, Pressesprecher von Europe Grip. Die neue Zeelink Fernleitung mit einem Durchmesser von 1,2 Metern werde ein wichtiger Teil der schrittweisen Umstellung sein. Sie sorge dafür, dass das neue H-Gas-Aufkommen an das deutsche Erdgasnetz angebunden werde. Die Abhängigkeit von Russland werde damit reduziert.

Der Festlegung auf eine Trasse gehen umfangreiche Voruntersuchungen und Genehmigungsverfahren voraus. Beteiligt werden die betroffenen Kommunen, Verbände, Träger öffentlicher Belange wie zum Beispiel Umweltverbände sowie die Bürger. Pressesprecher Roloff weiß, wie wichtig die Kommunikation bei der Umsetzung des Projekts ist. Die Politik einschließlich Landesregierung ist informiert, eine erste Bürgerversammlung in Alpen soll nur der Auftakt sein für eine umfangreiche Informationsoffensive. Im Internet ist die Seite www.zeelink.de online, ein Newsletter kann bestellt werden, und die Landwirtschaftorganisationen wurden ebenfalls schon angesprochen. Wenn der endgültige Trassenverlauf feststeht, sollen für die Bürger weitere sogenannte Dialogmärkte mit Fachleuten folgen, diesmal aber kleinteiliger, das heißt in verschiedenen Kommunen.

Mit den Landwirten, in deren Boden die Leitung verläuft, schließen die Betreiber Verträge mit einem Wegerecht, damit auch Wartungsarbeiten durchgeführt werden können. Pro laufendem Meter erhalten die Bauern eine Entschädigung; gleiches gilt für Ernteausfall. Allerdings kann das Land landwirtschaftlich später wieder voll genutzt werden. Nur eine Bebauung und tiefwurzelnde Bäume sind entlang der Trasse nicht erlaubt.

Derzeit favorisiert wird die Rheinquerung bei Wallach. Sie verläuft über Borth nach Spellen. Eine alternative Strecke berührt Xantener Gebiet bei Birten und führt dann über den Fürstenberg nach Alpen und von da aus weiter Richtung Süden. Zur Zeit läuft das Raumordnungsverfahren; Mitte 2017 ist das Planfeststellungsverfahren für die Ermittlung der konkreten Trasse. Dann erfolgt die gesetzlich festgelegte Bürgerbeteiligung. Für 2019 ist der Baustart vorgesehen, die Inbetriebnahme für Anfang 2021.

Die Verwaltungen haben bereits ihre ersten Stellungnahmen zu dem Projekt an die federführende Bezirksregierung in Münster weitergeleitet. Tenor:

Rheinberg: Nach einer ersten Einschätzung hat die Verwaltung keine grundsätzlichen Einwände, "die einem der Korridore komplett entgegenstehen. Die vorgeschlagenen Korridore können nicht grundsätzlich abgelehnt werden". Zugleich spricht sie aber von "zahlreichen Unklarheiten, die gegebenenfalls eine Überarbeitung der Unterlagen und eine Neubewertung der Varianten erforderlich machen". Eine Reihe von Fragen seien noch nicht geklärt, wie der Hochwasserschutz und die Bergsenkungen. Fazit: "Bei einer sich weiter konkretisierenden Planung werden sich von Seiten der Stadt Rheinberg noch weitere Anmerkungen ergeben, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar sind." Zuletzt heißt es in der Stellungnahme, dass eine öffentliche Infoveranstaltung wünschenswert und erforderlich ist.

Alpen: Die bevorzugte Trasse nach Millingen führt entlang einer bereits dort verlegten Leitung, so dass hier keine Bedenken bestehen. Anders sieht es bei den beiden Trassen aus im Bereich Drüpt und von Bönninghardt Richtung Veen/Birten. In beiden Fällen würde die Leitung Zonen mit Windkraftanlagen tangieren.

Xanten: In einer Variante gebe es den Schutz insbesondere einer Kammmolchart und für das Vogelschutzgebiet "Unterer Niederrhein" ein hohes Konfliktpotential. Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung stellt für den Abschnitt insgesamt 24 Konfliktpunkte fest. Ein Hindernis können auch römische Überreste auf dem Fürstenberg sein.

Quelle: RP
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