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Rommerskirchen
Der Geflügelhof wird zur "Uni-Filiale"

Rommerskirchen. Der Wissenschaftliche Geflügelhof unterzeichnete jetzt mit der Universität Bonn, dem Rhein-Kreis Neuss und den Deutschen Rassegeflügelzüchtern einen Kooperationsvertrag. Im Herbst werden die ersten Studenten in Sinsteden sein. Von Sebastian Meurer

Auch wer kein überzeugter Tierschützer ist, dürfte viele Aspekte der Massentierhaltung für fragwürdig halten: etwa den, dass es für männliche Küken von Legehennen derzeit keinerlei Verwendung gibt und diese in der Regel sofort getötet werden. Der Wissenschaftliche Geflügelhof in Sinsteden beschäftigt sich in einem seiner laufenden Projekte mit den sogenannten "Zweitnutzungshühnern". Dabei handelt es sich um eine Rasse des Haushuhns, die sowohl zum Eierlegen als auch zwecks Mast gezüchtet werden kann.

Ziel ist es, "wieder zusammenzubringen, was beim Wirtschaftsgeflügel seit Jahrzehnten auseinandergelaufen ist", sagt Inga Tiemann, die Leiterin des Experten auch als Bruno-Dürigen-Institut geläufigen Geflügelhofs. Der arbeitet deshalb mit "Lohmann Tierzucht", dem größten Legehennen-Züchter der Welt zusammen. Dass beide Geschlechter einer Hühnerrasse ihren wirtschaftlichen Zweck haben, ist laut Inga Tiemann zumindest "eine Zielvorstellung, die langsam näher rückt". Würde sie erreicht, wäre männlichen Küken zumindest ein längeres Leben beschieden.

Der Wissenschaftliche Geflügelhof kooperiert indes nicht nur mit Privatunternehmen, sondern ist jetzt sogar so etwas wie eine "Filiale" der Universität Bonn. Professor Karl Schellander, der am Institut für Tierzucht die Abteilung Tierzucht und Tierhaltung leitet, unterzeichnete jetzt einen Kooperationsvertrag, zu dessen Partnern der Rhein-Kreis Neuss, der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter, die Stiftung für Geflügelwissenschaften und der Wissenschaftliche Geflügelhof selbst gehören.

"Wir sind immer erpicht darauf, wissenschaftliche Einrichtungen in den Kreis zu holen", kommentiert Kreisdezernent Karsten Mankowsky die Vereinbarung, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Tillmann Lonnes unterzeichnet hat. Stolz ist Mankowsky darauf, dass es gerade mit der Uni Bonn gelungen sei, eine regionale Zusammenarbeit herzustellen.

Eine reine Good-Will-Angelegenheit soll der Vertrag nicht sein, wie Professor Karl Schellander versichert: Bereits im Herbst sollen Studenten aus Bonn auf der Grundlage der Vereinbarung erstmals in Sinsteden präsent sein. Vorgesehen ist die studentische Arbeit im Geflügelhof als ein Projektmodul im Master-Studium. Karl Schellander zufolge werde es dabei "keinen Frontalunterricht" geben, sondern "Anleitungen zur eigenen Entwicklung von Forschungsprojekten".

Völliges Neuland betritt der Geflügelhof mit der Vereinbarung nicht, gab es doch auch schon bisher freie Lehrveranstaltungen, wobei sogar die erste Bachelor-Arbeit entstanden ist, die auf in Sinsteden gewonnenen Erkenntnissen basiert. Gleichwohl wird der Austausch mit Dozenten und Studenten mit dem jetzigen Vertrag gleichsam "institutionalisiert". Dass Christoph Günzel, Präsident der Deutschen Rassegeflügelzüchter mit im Boot ist, ist kein Zufall: Der Wissenschaftliche Geflügelhof wurde 2004 in Regie des BDRG errichtet. Tillmann Lonnes machte deutlich, dass ein Besuch in Sinsteden keineswegs bloß für Geflügelzüchter, Wissenschaftler oder Studenten lohnt: Besuche von Schulen etwa sind längst in das museumspädagogische Konzept des Kreises "Lernwelt Sinsteden" integriert worden.

Quelle: NGZ
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