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Rommerskirchen
Restaurator mit Herz für antikes Mobiliar

Rommerskirchen: Restaurator mit Herz für antikes Mobiliar
Carsten Kühnes Spezialgebiet ist die Restaurierung alter Spiegel. Doch der Sinstedener bearbeitet auch antike Kommoden und Schränke. FOTO: Rosenbaum
Rommerskirchen. Der Sinstedener Carsten Kühne kämpft gegen den Zahn der Zeit. Er bearbeitet alte Möbel, teilweise vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Von Bernd Rosenbaum

Jahrelang hatte Carsten Kühne in seiner Mietwohnung einen großen Spiegel im Flur hängen - "an einer relativ dunklen Stelle", wie sich der 44-Jährige erinnert. An dem antiken Stück hatte bereits der Zahn der Zeit genagt, es waren dunkle Punkte auf der Reflexionsfläche entstanden.

Doch erst beim Umzug bemerkte Kühne, dass feine Kratzer im Glas hinzugekommen waren, die sich über die Flecken zogen. "Die Putzfrau hatte wohl versucht, die Flecken zu entfernen", sagt Kühne. Sie wusste offenbar nicht, dass die Flecken in der dünnen Spiegelschicht auf der Rückseite des Glases entstehen und nicht auf der Vorderseite. Und obwohl Carsten Kühne gelernter Möbelrestaurator ist und sich sogar auf Spiegel spezialisiert hat, ist selbst er bei solchen Schäden machtlos. Die blinden Stellen in der empfindlichen Quecksilber- oder Silberschicht lassen sich zwar behandeln, aber sichtbar werden sie bleiben.

So machtlos Kühne bei der Spiegeloberfläche ist, so beeindruckend sind seine Möglichkeiten beim Rahmen, der meist besonders aufwendig gefertigt und kunstvoll bemalt oder mit Blattgold verziert ist. "Nachher sehen Sie nicht mehr, an welchen Stellen er beschädigt war", erklärt der Restaurator und Inneneinrichter. Nicht nur Risse und abgestoßene Ecken kann er reparieren. Ganze fehlende Bereiche stellt er mit Hilfe von Silikon wieder her. Dazu fertigt er Abdrücke von noch vorhandenen Ornamenten an. Die Abdrücke füllt er mit einer gipsähnlichen Masse aus und fügt sie passgenau in die Fehlstellen ein.

Nach dem Aushärten wird der Bereich im gleichen Stil bemalt oder mit Blattgold belegt wie der übrige Rahmen. Schon als kleiner Junge hat sich der Sinstedener für Inneneinrichtung interessiert: "Mit meinem Vater bin ich regelmäßig über Trödelmärkte gezogen auf der Suche nach schönen alten Dingen." Folgerichtig absolvierte er eine Schreinerlehre und arbeitete in Restauratorenbetrieben in Köln, bei Düsseldorf und in den Niederlanden. Einen der wenigen Studienplätze im Bereich Restaurierung konnte er zwar nicht ergattern, dafür besuchte er drei Jahre lang eine Wirtschaftsschule mit dem Ziel, sich irgendwann selbstständig zu machen. Zunächst jedoch arbeitete er im Außendienst für einen großen Objekteinrichter. "Mein Herz für alte Möbel hat mich da aber weggeholt", sagt Kühne. Neben seinem Job arbeitete er in der Garage immer wieder antike Kommoden, Schränke und Spiegel auf. Abends las er alles, was er zum Thema Restaurierung finden konnte, vornehmlich alte Bücher mit wertvollen Tipps und Kniffen. Alte Möbel - Kühne beschäftigte sich schon mit Mobiliar vom Anfang des 19. Jahrhunderts - seien oft nicht perfekt gerade, weil auch die Werkzeuge oft nicht perfekt waren. Doch diese Unvollkommenheit mache den Reiz eines alten Möbelstücks aus. Vor sieben Jahren wagte Kühne den Schritt in die Selbstständigkeit - bis heute hat er ihn nicht bereut.

Quelle: NGZ
 
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