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Beweisaufnahme soll geschlossen werden
Prozess um Mord an Hanaa S. aus Solingen nähert sich dem Ende

Hanaa S. - Mordprozess in Wuppertal
Hanaa S. - Mordprozess in Wuppertal FOTO: dpa, bt lof
Wuppertal/Solingen. Im April 2015 verschwand Hanaa S. aus Solingen zunächst spurlos. Im Sommer fanden die Ermittler die Leiche der Frau in Baden-Württemberg. Fünf Verwandte sitzen auf der Anklagebank. Nun endet die Beweisaufnahme.

Der Mordprozess um den Tod der sechsfachen Mutter Hanaa S. biegt in Wuppertal auf die Zielgerade ein. Nach 92 teilweise turbulenten Verhandlungstagen will das Landgericht an diesem Dienstag die Beweisaufnahme schließen und Verteidiger sowie Staatsanwalt um die Schlussvorträge bitten.

Fünf Angehörige der Ermordeten sitzen auf der Anklagebank, darunter ihr Sohn. Sie sollen die Irakerin umgebracht haben, "um die Familienehre wieder herzustellen", wie es in der Anklage heißt. Ihr "Vergehen": Sie hatte sich von ihrem Mann getrennt und in Solingen eine eigene Wohnung genommen. Ein Schwager der Getöteten hatte vor Gericht ausgesagt, Hanaa S. sein im Streit um Gold getötet worden. 

Der Mordprozess gegen die fünf Verwandten von Hanaa S. - darunter ihr Mann und ein Sohn - begann am 27. Juni 2016. Monatelang dümpelte der Prozess bei schwieriger Beweislage als reiner Indizienprozess dahin: Die Leiche blieb verschwunden und die Angeklagten schwiegen. Nach 69 Verhandlungstagen platzt plötzlich der Knoten: Ein angeklagter Schwager der Ermordeten durchbricht völlig überraschend das Schweigen und gesteht, eine Mitverantwortung an dem Verbrechen zu tragen.

Der Fall Hanaa S.

Der Prozess wird unterbrochen und der 26-Jährige führt die Ermittler zu dem Waldstück in Baden-Württemberg, in dem die Mutter bei Bruchsal in der Nähe der A5 vergraben war.

Zahnmedizinisches Gutachten bestätigt Verdacht

Nach tagelanger Suche auch mit Hubschraubern konnten ihre sterblichen Überreste schließlich im Sommer gefunden und geborgen werden. Die Leiche war in einen Teppich gewickelt, der mit Panzertape zu einem Paket verschnürt war. Um den Hals baumelte noch ein Spanngurt, als man sie in zwei Metern Tiefe fand.

Anhand der Zähne der Toten und einem Abgleich mit den Unterlagen ihres Zahnarztes ergibt sich, woran ohnehin kaum noch ein Zweifel bestand. Bei der Toten handelt es sich "mit großer Wahrscheinlichkeit" um Hanaa S..

Die Polizei hatte schon direkt nach ihrem Verschwinden am 21. April 2015 mit großem Aufwand nach der sechsfachen Mutter gesucht. Das Foto, das dafür verwendet wurde, zeigt eine selbstbewusst lächelnde Frau im roten Rollkragenpulli. Mit Hilfe von Einsatzhundertschaften, Polizeitauchern und der Fliegerstaffel waren Gewässer und Waldstücke in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abgesucht worden.

Beweisaufnahme endet

Bei den Ermittlungen geriet schnell die Familie der Verschwundenen ins Visier. Alle fünf Angeklagten sind Iraker: der Ehemann und der Sohn der Verschwundenen sowie zwei Brüder und eine Schwester des Ehemanns. Was fehlte, war die Leiche.

Nachdem der Schwager Hanaas im Prozess auspackte und die Leiche gefunden war, redeten nach und nach auch einige der anderen Angeklagten. Reinen Tisch machten sie mit ihren Einlassungen aber nicht, wiesen sich eher gegenseitig die Schuld zu.

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Mit Spannung wird erwartet, ob die Verteidiger das Gericht noch in eine weitere Runde der Beweisaufnahme zwingen: Bis 9.30 Uhr am Dienstag hat ihnen der Vorsitzende Richter Richter Thomas Bittner eine Frist gesetzt, um letzte Beweisanträge einzureichen.

Hier geht es zu einer ausführlichen Chronik des Falls Hanaa S. 

(sef/lnw)
 
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