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Solingen
Mehr Einbrüche, weniger Gewalt

Solingen. Seit 1. März ist Andreas Dickel nicht mehr Kripochef im Städtedreieck, sondern arbeitet bei der Polizei Bochum. Doch zur Präsentation der Kriminalitätsstatistik 2009 kehrte der Leitende Kriminaldirektor noch mal aus dem 25 Kilometer entfernten Ruhrgebiet ins Präsidium Wuppertal zurück – und nahm dafür auch den Benzinpreis von 1,40 Euro pro Liter in Kauf. Von Martin Oberpriller

Andere sind hingegen weniger gewillt, so viel zu löhnen, und geraten darum ins Visier der Polizei. Allein in Solingen zählte man im vergangenen Jahr 227 Fälle von Tankbetrug, ein Anstieg von über 90 Prozent im Vergleich zu 2008.

Dabei sind Leute, die beim Tanken nicht zahlen, aber nicht die einzigen Sorgenkinder der Polizei. Zwar ist die Klingenstadt immer noch die sicherste Großstadt im Bergischen, und auch im bundesweiten Vergleich schneidet Solingen ausgesprochen gut ab. Gleichwohl nahmen die gemeldeten Straftaten 2009 um ein knappes Prozent auf 10 819 zu, während die Aufklärungsquote von 50,9 (2008) auf 48,41 Prozent sank.

Es sind vor allem so genannte reisende Täter, die die Statistik eintrüben und der Polizei zu schaffen machen. "In Solingen stieg die Zahl der Laden- und Taschendiebstähle an", berichteten Andreas Dickel sowie Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher. Hier registrierten die Ermittler ein Plus von 133 auf zuletzt 506 Fälle.

Aktion "Wachsamer Nachbar"

Das Problem: Viele Taten werden auswärtigen Kriminellen zugerechnet, die schnell auf Nimmerwiedersehen verschwinden, was auch für Täter gilt, die sich auf Einbrüche spezialisiert haben. 260 Mal stiegen Einbrecher 2009 in Wohnungen ein. Eine Zunahme von 52 Fällen, wobei die Aufklärungsquote mit gerade 9,2 Prozent besonders niedrig ausfiel. Darum setzt die Polizei 2010 erneut auf ihre Aktion "Wachsamer Nachbar", die Abhilfe leisten soll, wie auch eine verstärkte Präsenz in der City und am Hauptbahnhofbei der Diebstahlkriminalität für Abschreckung sorgen könnte.

Erfreulich entwickelte sich die Zahl der Gewaltdelikte. Sie sank um 10,6 Prozent auf 363 Delikte, wobei allerdings Sexualstraftaten im Vorjahresvergleich um 34 auf 90 zunahmen. Dagegen ist die Zahl der Raube auf Straßen, Wegen und Plätzen rückläufig. Besonders auffallend: Raubdelikte bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, oft verharmlosend als "Abzocke" bezeichnet, fielen in Solingen sogar von 13 Fällen 2008 auf drei Delikte 2009. Straftaten gegen das Leben wurden insgesamt fünf registriert, die samt und sonders von Erwachsenen begangen wurden.

Das insgesamt gute Abschneiden Solingens führte Polizeipräsidentin Radermacher auf noch "intakte soziale Strukturen" zurück. So ist die Wahrscheinlichkeit, in der Klingenstadt – mit ihrer Mischung aus urbanen und ländlichen Gegenden – Opfer einer Straftat zu werden, erheblich geringer als in großen Metropolen.

Quelle: RP
 
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