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Solingen
Nächste Spur im Fall Hanaa S. verläuft vor Gericht im Sand

Solingen. Geduld ist beim Mordprozess um die seit 2015 vermisste Irakerin Hanaa S. am Wuppertaler Landgericht für die Beteiligten eine wichtige Tugend.

Ebenso wie die fünf Angeklagten schwiegen bislang auch viele Zeugen oder ließen sich nur zögerlich ein. Und manch eine Spur führte sogar völlig ins Leere. Gestern zum Beispiel ließ die Kammer einen Mann polizeilich vorführen, der im vergangenen Herbst bei den Ermittlern vorstellig geworden war und seine Hilfe angeboten hatte. Am vorangegangenen Prozesstag war er trotz Ladung nicht erschienen. Diesmal nahm er auf dem Zeugenstuhl Platz - und brachte einen ehrenamtlichen Betreuer mit, der gleich von einer seelischen Erkrankung seines Schützlings berichtete.

Der Düsseldorfer war Stammgast des Kiosks, den der Schwager der mutmaßlich Ermordeten betrieb. Der gehört genauso zu den Angeklagten wie ihr Sohn, ihr Ehemann und zwei weitere seiner Familienangehörigen. Von ihnen soll die Jesidin vor dem Mord Drohungen auf ihrem Handy erhalten haben. Deren Absender ist jedoch bislang nicht zu ermitteln. Neben der verletzten Familienehre durch die Trennung von ihrem Mann vermutet die Staatsanwaltschaft als Mordmotiv ihre Weigerung, das Hochzeitsgold im Wert von 20.000 Euro herauszugeben.

So lang sich das Verfahren wohl noch hinziehen wird. Die Vernehmung des Kiosk-Stammgastes gestern nahm ein rasches Ende. Vieles habe er nur aus der Zeitung erfahren, gab der Mann zu. Einen Tipp hatte er für die Ermittler für die Suche nach dem bis heute unauffindbaren möglichen Mordopfer aber doch noch parat: "Man könnte mal in Griechenland oder Schweden nachsehen." Dorthin sei ihre Familie einmal in Urlaub gefahren.

(rdl)
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