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Solingen
Polizei zerschlägt Drogendealer-Bande

Schüsse an Marihuana-Plantage in Solingen
Schüsse an Marihuana-Plantage in Solingen FOTO: Martin Kempner
Solingen. Bei einer Razzia in einem Haus in Höhscheid wurden drei Männer festgenommen. Als einer der Verdächtigen floh, schoss die Polizei aus Notwehr auf sein Auto, wobei niemand verletzt wurde. Die Kripo fand 580 Cannabis-Pflanzen. Von Martin Oberpriller

Es war einer der dramatischsten Polizeieinsätze der vergangenen Jahre in Solingen - und ist ein schwerer Schlag gegen die Drogendealer-Szene. Bei einer Razzia in einem eigentlich schon seit Längerem leerstehenden Haus in der Hofschaft Breidbach im Süden von Höhscheid sind Fahnder der Kriminalpolizei am Donnerstagabend auf eine "professionelle" Marihuana-Plantage mit insgesamt 580 Cannabis-Pflanzen gestoßen.

Im Zuge des Zugriffs, an dem rund zwei Dutzend Polizeibeamte beteiligt waren, gelang es, drei aus dem Iran stammende Männer festzunehmen. Die Verdächtigen im Alter von 26, 27 beziehungsweise 36 Jahren wurden später einem Haftrichter vorgeführt, teilte gestern ein Sprecher der federführenden Staatsanwaltschaft Wuppertal mit.

Nach einem solch glimpflichen Ende hatte es am Donnerstagabend indes lange Zeit nicht ausgesehen. Denn nachdem die Razzia gegen 17.40 Uhr zunächst noch relativ routinemäßig mit dem Öffnen des Anwesens durch einen beauftragten Schlüsseldienst, der Festnahme von zwei der drei Verdächtigen sowie ersten Durchsuchungen angelaufen war, überschlugen sich rund zwei Stunden später plötzlich die Ereignisse.

Gegen 19.40 Uhr tauchte nämlich auf der sehr beengten Fahrbahn der vom Odentaler Weg abgehenden Hofschaftsstraße Breidbach wie aus dem Nichts ein dunkelfarbiges Audi TT Cabriolet auf. Zuerst näherte sich der Autofahrer dem unbewohnten Haus weiter mit einer normalen Geschwindigkeit, als er schließlich einige vor der Tür des Anwesens stehende Polizeibeamte entdeckte.

Und dann ging alles ganz schnell. In Windeseile drehte der Mann den Wagen um, legte den Vorwärtsgang ein, um sofort danach mit hoher Geschwindigkeit davon zu rasen. Dabei erhöhte der Sportwagenfahrer immer mehr das Tempo und hielt so auf eine weitere Gruppe von Polizisten zu, die zu guter Letzt keinen anderen Ausweg mehr sahen, als mit ihren Pistolen zweimal auf den Audi zu schießen.

Doch auch jetzt war die Amokfahrt des Verdächtigen noch nicht beendet. Der Audifahrer raste die schmale Straße weiter runter, touchierte einem am Rand stehenden Mitarbeiter des Schlüsseldienstes, der dabei leicht verletzt wurde - und konnte am Ende erst durch ein Zivilfahrzeug der Polizei gestoppt werden, das den Audi kurz vor der Einmündung in den Odentaler Weg rammte.

Der Fahrer, der sich bei seiner Flucht Prellungen zugezogen hatte, wurde schließlich genauso in Gewahrsam genommen wie seine mutmaßlichen Komplizen. Die Polizeibeamten, die alles aus nächster Nähe hatten mitansehen müssen und die Schüsse abgegeben hatten, begaben sich später in psychologische Betreuung.

Derweil setzte die Kripo noch in der Nacht die Ermittlungen fort. Der stark beschädigte Audi wurde zu genaueren Untersuchungen abgeschleppt, die Cannabis-Pflanzen sichergestellt - und Experten der Polizei suchten das Haus nach verwertbaren Spuren der drei Verdächtigen ab.

Tatsächlich dürften die Männer schon seit einigen Monaten das von außen nur sehr schwer einsehbare Anwesen in Breidbach für ihre Drogengeschäfte genutzt haben. "Die Polizei hatte seit längerer Zeit die Vermutung, dass dort etwas nicht stimmte", sagte gestern der Sprecher der Staatsanwaltschaft im Gespräch mit unserer Redaktion. Diesen ersten Verdachtsmomenten schlossen sich dann wochenlange Observationen an, bei denen die Beamten schließlich auf die drei nun Festgenommenen aufmerksam wurden.

Denn obwohl die Männer keine erkennbare Verbindung in die Hofschaft hatten, tauchten sie dort immer wieder auf. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen 36-Jährigen, der in Solingen wohnt. Der zweite, der mit dem Audi zu fliehen versuchte, ist 27 Jahre und in Haan gemeldet. Der dritte mutmaßliche Dealer ist 26 Jahre, hat eine Adresse im brandenburgischen Einsenhüttenstadt und lebt - im Gegensatz zu den Komplizen - erst kurz in Deutschland.

Auf die Festgenommenen wartet nun eine Anklage wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge. Die Kripo Wuppertal wird die Ermittlungen in der kommenden Woche fortsetzen, während die Untersuchung des Schusswaffengebrauchs noch Donnerstagnacht an die Polizei Düsseldorf abgegeben wurde. Auch diesbezüglich wird in den nächsten Tagen mit ersten Ergebnissen gerechnet. "Bislang gibt es aber keinerlei Hinweise, dass die Beamten nicht in Notwehr gehandelt haben", hieß es gestern vonseiten der Staatsanwaltschaft.

Quelle: RP
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