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Bergischer Hc
Personelle Paukenschläge beim BHC

Bergischer Hc: Personelle Paukenschläge beim BHC
Bald im Anflug? Der russische Spielmacher Inal Aflitulin soll die erneute Verletzung von BHC-Regisseur Viktor Szilágyi kurzfristig kompensieren, aber sein aktueller Verein verweigert derzeit die Freigabe. FOTO: Imago
Solingen. Viktor Szilágyi fällt erneut lange aus, sein möglicher Ersatz Inal Aflitulin hat noch keine Freigabe, Max Weiß hört bald auf. Von Georg Amend

Die gute Nachricht vorneweg: Beim Bundesliga-Heimspiel des Bergischen HC gegen die Füchse Berlin morgen (15 Uhr, Unihalle Wuppertal) steht Trainer Sebastian Hinze ein voller Kader von 14 Profis zur Verfügung. Die schlechte Nachricht: Kapitän Viktor Szilágyi ist nicht darunter und wird es voraussichtlich in diesem Jahr nicht mehr sein. "Er hat sich einen Teilabriss der Achillessehne zugezogen, der ein Mitwirken in den neun wichtigen Spielen bis Jahresende unmöglich erscheinen lässt", erklärt BHC-Beirat Jörg Föste. Gerade erst hatte sich Szilágyi nach dem Riss der Plantarfaszie - einer Sehnenplatte unter dem Fuß - zurückgearbeitet, nach monatelanger Schufterei in der Reha gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke ein umjubeltes Comeback gefeiert, das er mit wichtigen Aktionen zum 30:28-Sieg vergolden konnte. Und nun, nur sechs Spiele später, der nächste Rückschlag.

Entmutigen lässt sich der Österreicher davon aber nicht: "Man muss das so annehmen wie es ist", sagt Szilágyi im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich habe mich entschieden, diese Saison zu einhundert Prozent durchzuziehen, und da gehören solche Sachen dazu. Auch wenn es vom Kopf und vom Körper her nicht einfach ist - jetzt geht es darum, hart zu arbeiten und so schnell wie möglich zurückzukommen." Dabei fühlt er sich vom BHC-Physiotherapeuten und vom Mannschaftsarzt bestens beraten: "Aus medizinischer Sicht habe ich mit Carsten Walonka und Diedrich von der Heyde ein sehr gutes Gefühl. Das ist alles sehr vertrauensvoll, und ich mache zu einhundert Prozent, was sie sagen. Ich bin optimistisch, dass wir das wieder in den Griff kriegen, auch wenn man das zeitlich schwer bestimmen kann. Jeder Fuß ist anders", sagt Szilágyi.

Wieder verletzt: Viktor Szilágyi ist ein Teil der Achillessehne gerissen. FOTO: imago sportfotodienst

Wie es genau zu der Verletzung am rechten Fuß - der Riss der Plantarfaszie war am linken - gekommen ist, weiß der Rückraumspieler selbst nicht so recht. "Es waren wohl mehrere Sachen, Probleme, die da waren. Es war dann ein Unfall im Training, aber es ist schwer zu sagen, in welchem Moment."

In jedem Fall brachte die Verletzung den BHC in Zugzwang, einen Ersatz zu verpflichten, der dem Tabellenvorletzten schnell helfen kann. Dieser ist bereits gefunden, aber auch hier gestaltet es sich derzeit alles andere als einfach. "Es ist eine außerordentlich komplizierte Angelegenheit, weshalb wir von unserem Usus weggehen, dass wir Verpflichtungen erst öffentlich machen, wenn unterschrieben worden ist", führt Föste an und ergänzt: "Die Causa dieser Verpflichtung ist sehr vertrackt. Wir haben die Freigabe noch nicht erhalten. Inal Aflitulin, 24 Jahre alt, Spielmacher der russischen Nationalmannschaft, steht derzeit bei HC Baira Mare unter Vertrag. Das ist der rumänische Meister, der aber in argen Finanznöten steckt. Da ist ein Ausverkauf an Spielern im Gange. Inal ist aber noch nicht freigegeben worden, es hat noch kein Grünes Licht gegeben, also wird er am Wochenende nicht spielen können." Für den BHC, wohlgemerkt.

Vor dem Abschied: Max Weiß hört am Saisonende mit dem Handball auf. FOTO: imago sportfotodienst

Warum Baira Mare den jungen Mittelmann nicht gehen lassen will, und was an der ganzen Sache so "vertrackt" ist, erklärt Föste so: "Der Verein begründet die Nichtfreigabe damit, dass man in den verbleibenden beiden Champions-League-Spielen noch Chancen aufs Weiterkommen habe und Inal deshalb noch brauche. Dem steht aber gegenüber, dass er kein Visum für Rumänien hat. Demnach hat er nach unserer Rechtsauffassung auch kein Arbeitspapier." Demzufolge wäre der Vertrag von Baira Mare mit Aflitulin nichtig, und nur so ergibt sich die Chance für den BHC, ihn zu verpflichten. "Wir zweifeln die Spielberechtigung an", berichtet Föste. "Der abgebende Verein zweifelt die nicht an. Wenn die Freigabe nicht durch eine übergeordnete Stelle erfolgt, könnte er nicht wechseln." Deshalb hat der BHC "alles angeprangert und veröffentlicht", wie Föste sagt, und eine offizielle Eingabe bei der Europäischen Handball Föderation (EHF) und beim rumänischen Verband gemacht. "Wir warten auf eine Reaktion", ergänzt der BHC-Beirat. "Wenn die Freigabe kommt, wirken wir darauf hin, dass er sofort spielen kann. Wir sind der grundlegenden Auffassung, dass er, wenn er kein Visum hat, auch keine gültige Arbeitserlaubnis haben kann." Hinzu kommt: "Der Spieler hat seit zwei Monaten kein Gehalt bekommen und will zu uns."

Sollte Inal Aflitulin es zum BHC schaffen, sieht Hinze gute Chancen, dass er dem Klub helfen kann. "Er ist sehr schnell, gut im Eins-gegen-Eins, spielt gut mit dem Kreis und hat eine gute Spielsteuerung. Man kann sich sicher sein, dass er uns mit seinen Qualitäten sofort weiterhilft." Geld für die Verpflichtung ist vorhanden: "Es gibt Reserven, und wir haben jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit, etwas Sinnvolles damit zu tun", sagt Föste, der darauf verweist, dass der BHC wohl auch im Falle von Linksaußen Christian Hoße und Linkshänder Kristian Nippes Ersatz nachverpflichtet hätte, wenn die Ausfalldauer von mehreren Monaten vorab bekannt gewesen wäre.

Einen neuen Mittelmann zu integrieren, sei zwar "nicht die einfachste Aufgabe", weiß der Trainer, aber: "Wichtig ist, seine Qualitäten im Training kennenzulernen, und die für uns zu nutzen. Wir können nicht erwarten, dass er unser Spiel neu entdeckt und steuert. Aber er hat so eine Spielfähigkeit, dass wir es mit Auslösehandlungen, die überall gespielt werden, hinkriegen, dass wir unseren Rhythmus an seine Qualitäten anpassen. Er ist eine Unterstützung für uns, nicht etwas, was uns bis Saisonende stärken soll." Deshalb würde der Vertrag mit Aflitulin, so er zustande kommt, zunächst einmal auch nur bis zum Ende dieser Spielzeit laufen.

Bis dahin läuft auch der Kontrakt mit Max Weiß, und der Kreisläufer, der seit viereinhalb Jahren das BHC-Trikot trägt, sorgte gestern für den nächsten personellen Paukenschlag: Er hängt die Handballschuhe nach dieser Saison an den Nagel (siehe gesonderten Bericht: "Ich werde wohl eine Weltreise machen").

Quelle: RP
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