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Lokalsport
Das Duell der Zwillingspaare

Solingen. Die "Hermänner" des BHC lassen sich von den "Müllers" der MT Melsungen bei der 22:29-Niederlage nichts gefallen. Von Georg Amend

Es läuft die 16. Minute im Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der MT Melsungen und dem Bergischen HC. Alexander Hermann sieht sich in der Deckung Michael Müller gegenüber. Das Duell mit dem MT-Kapitän haben vorher schon Maximilian Weiß und Moritz Preuss mit unterschiedlichen Erfahrungen - Weiß sah schnell die erste Zeitstrafe des Spiels, Preuss machte Müller mal mit einer bärigen Umarmung zu - erlebt. Nun ist Hermann gegen den 1,97-Meter-Mann gefordert, und geht ihn im Sprungwurf an. Der gewaltige Linkshänder der Gastgeber geht zu Boden, steht direkt wieder auf, stellt sich Stirn an Stirn mit dem BHC-Halblinken und sagt ihm ein paar nette Worte ins Gesicht. Der Österreicher lässt sich aber weder provozieren noch beeindrucken, wie der nächste Angriff der Gäste zeigt: Aus dem Lauf wirft Hermann den Ball an Müller vorbei zum 9:9 ins Tor, der Melsunger erwischt ihn aber mit beiden Händen brutal am Hals - und nun reicht es Hermann, er stößt den Koloss um. Es gibt Zeitstrafen für beide.

Damit ist das Duell noch nicht beendet, es wird übertragen: Alexanders Zwillingsbruder Maximilian pflückt Müller in Hälfte zwei aus der Luft - es gibt eine Zeitstrafe für den Österreicher. Dummerweise ist es die zweite binnen 20 Sekunden für den BHC, dessen doppelte Unterzahl der MT hilft, das Spiel zu ihren Gunsten zu drehen. Alles ist aber noch nicht geklärt, denn auch Michael Müllers Zwillingsbruder Philipp macht noch einmal auf sich aufmerksam: Er stößt BHC-Kapitän Viktor Szilágyi in den Solar Plexus, dass dieser behandelt werden muss. "Ich weiß nicht, wer es war, ich gehe einfach in die Deckung rein. Aber ich glaube, wenn Müller hinten draufsteht, trifft's nie den Falschen", wird Szilágyi nachher sagen.

Die "Hermänner" des BHC beziehen nach der mit 22:29 (14:15) verlorenen Partie, in der die Gäste einem der Top-Teams der Liga lange ebenbürtig waren, Stellung zu ihren Duellen mit Michael Müller. "Man weiß, dass der hart zugreift, aber wir lassen uns halt nichts gefallen, und wehren uns dann eben", sagt Maximilian Hermann. Sein Bruder Alexander kommt hinzu und erklärt ohne die Worte des Zwillings gehört zu haben: "Von der ersten Minute ist der mit Sticheleien und Beschimpfungen dabei. Ich bin aber kein kleiner Junge mehr, der sich das gefallen lässt."

Während das Duell der Zwillingspaare ohne echten Sieger geendet ist, feiert die MT einen Erfolg, den sie erst in der zweiten Halbzeit sicherstellen konnte. In der ersten Hälfte war der BHC mehr als auf Augenhöhe, aber nach dem Seitenwechsel ging der Faden verloren. "Die Abwehr war auf einmal scheiße", sagt Alex Hermann deftig. "Weil wir da plötzlich Dinge machen, die nicht abgesprochen waren", ergänzt Max Hermann. "In der ersten Halbzeit stand die Deckung gut, wir haben uns gegenseitig geholfen. Melsungen war keinen Deut besser. Aber durch unsere Fehler machen wir uns das wieder kaputt."

Der Frust sprach aus jeder Silbe der "Hermänner", denn in Melsungen war mehr drin. Die angesprochenen Fehler in der Abwehr sorgten aber dafür, dass BHC-Trainer Sebastian Hinze von der 3:3-Deckung auf eine 6:0 umstellen musste, und das tat den Gästen nicht gut. "Wir haben in der Phase davor taktische Fehler gemacht", erklärte Kristian Nippes, der nach monatelangen Kniebeschwerden in Melsungen sein Comeback geben und immerhin einen Treffer und ein tolles Anspiel auf Alexander Oelze zu dessen Treffer zum 17:21 verbuchen konnte. "Mit der Umstellung auf die 6:0 haben wir uns aber auch im Angriff deutlich schwerer getan", ergänzte der Halbrechte. "Das war dann zu wenig, um Druck auszuüben."

Hinze sah es genauso: "In der zweiten Halbzeit haben wir zu einfache Fehler gemacht in der Abwehr. Kämpferisch waren wir immer noch voll da, aber es ist ein bisschen der Mut verloren gegangen, so dass nicht alle beim Gegenstoß nach vorne gegangen sind. Und diese Tore brauchst du hier."

Sein Gegenüber, Michael Roth, fand: "Wir haben zwei verschiedene Halbzeiten gesehen. Wir haben große Probleme gehabt und viele Fehler gegen die 3:3-Abwehr gemacht, die körperlich gespielt wird und gut steht, wodurch immer ein bisschen Stress aufkommt. Ich denke, die Englische Woche hat Kraft und Konzentration gekostet." Zwar hatte der BHC ebenfalls unter der Woche im Pokal gespielt, aber das erwähnte der MT-Trainer nicht. Als Fazit blieb für Hinze: "Wir waren gefühlt sehr, sehr lange im Spiel. Schade, dass wir diese Phase nicht genutzt haben. Aber insgesamt war es eine herausragende kämpferische Leistung. Wir müssen die Fehler analysieren und in zwei Wochen abstellen." Dann geht es zu Hause gegen Berlin.

Quelle: RP
 
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