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Solingen
Städtefreundschaften fürs Weltklima

Solingen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit fördert Energieprojekte in den mit Solingen befreundeten Städten Thiès im Senegal und Jinotega in Nicaragua. Von Alexander Riedel

Hierzulande bringt sich der Klimawandel derzeit in erster Linie durch den milden Winter in Erinnerung und sorgt für viele theoretische Diskussionen darüber, wie die Zukunft wohl aussehen mag. Anderswo sind seine Auswirkungen hingegen schon jetzt dramatisch - so zum Beispiel im senegalesischen Thiès, mit dem Solingen seit 1990 eine Städtefreundschaft unterhält. Die Durchschnittstemperatur ist dort in der jüngeren Vergangenheit um 1,7 Grad Celsius gestiegen. "Die Regenzeit hat sich verschoben", erklärt Ariane Bischoff, Beauftragte für nachhaltige Entwicklung im Rathaus.

Gemeinsam mit menschlichen Einflussfaktoren wie der Abholzung von Bäumen in der Umgebung führt das immer wieder zu schweren Überschwemmungen in der Stadt. Zugleich geht fruchtbarer Ackerboden durch Erosion verloren.

Der Solinger Förderverein Freundschaft mit Thiès will den massiven Problemen gezielt entgegenwirken: In den nächsten drei Jahren soll die Gegend um die westafrikanische Stadt aufgeforstet werden. Auch Steinwälle sollen vor weiteren Gefahren schützen. Für diese Vorhaben stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 270.000 Euro zur Verfügung. 30.000 Euro trägt der Förderverein selbst. Zum Projekt gehört außerdem eine gemeinsame Errungenschaft der Solinger Jugendfeuerwehr und der Landwirtschaftshochschule in Thiès: "Wir haben Öfen entwickelt, die 70 Prozent weniger CO2 verursachen", erklärt Otmar Schick, Vorsitzender des Fördervereins und ehemaliger Stadtjugendfeuerwehrwart. Denn zum Kochen und Heizen verbrauchen die Einwohner der Stadt sehr viel Holz. "Und Umweltschutz endet immer dort, wo man sich selbst versorgen muss", sagt Schick.

Ähnlich verhält es sich mehr als 7000 Kilometer weiter westlich in Nicaragua. Dort engagiert sich der Förderverein Städtefreundschaft mit Jinotega für eine bessere Ausbildung der Jugend und ebenfalls eine umweltbewusste Energiegewinnung. Im Zuge eines Projektes mit dem sperrigen Titel NAKOPA, das steht für "Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte", erhielten zwei Dörfer schon vor zwei Jahren Solaranlagen - mit deutlichen Veränderungen für die Lebensqualität der Einwohner: "Die Schulen hatten Licht, man konnte plötzlich in den Abendstunden noch lesen und arbeiten", berichtet Hans Wietert-Wehkamp vom Förderverein. In einer zweiten Runde der Maßnahme sollen viele Haushalte mit holzsparenden Öfen ausgestattet, Wälder aufgeforstet und die Wasserversorgung verbessert werden. 90 000 Euro und damit 90 Prozent des Gesamtvolumens stammen dabei ebenfalls aus Mitteln des BMZ. Zusätzlich will der Förderverein auf Kleinbauernhöfen Biogasanlagen installieren, um die gesundheitsschädliche Verbrennung von Holz zu verringern.

Die Stadt Solingen unterstützt die Aktivitäten der Fördervereine. "Wichtig ist bei all den Projekten das Zusammenwirken zwischen den Stadtverwaltungen und den Vereinen als Kräften der Zivilgesellschaft", betont Sofia Thives-Kurenbach, Solinger Beauftragte für Städtefreundschaften. Als "Entwicklungshilfe" will sie die Maßnahmen aber nicht verstanden wissen: Schließlich förderten die Projekte nicht nur den Klimaschutz, sondern auch den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen - unter anderem durch die regelmäßigen Treffen zwischen Schülern der Alexander-Coppel-Gesamtschule mit Jugendlichen aus Nicaragua. "Wir können uns damit auseinandersetzen, wie wir selbst mit Ressourcen umgehen", bekräftigt Ariane Bischoff.

Quelle: RP
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