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Julia Ogiermann
Verbrauchern ein Aha-Erlebnis vermitteln

Julia Ogiermann: Verbrauchern ein Aha-Erlebnis vermitteln
Sie weiß, wie Umweltbewusstsein geht: Julia Ogiermann von der Verbraucherzentrale Solingen. FOTO: Köhlen
Solingen. In der Verbraucherzentrale am Werwolf wird seit inzwischen 25 Jahren auch eine Umweltberatung angeboten.

Als US-Präsident Obama beim Berlin-Besuch mit einem Coffee- to- go-Becher am Brandenburger Tor spazieren ging, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Ogiermann Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein. Eine solche Persönlichkeit muss doch mit guten Beispiel vorangehen.

Welche Alternative hätten sie ihm empfohlen?

Ogiermann Natürlich einen Mehrwegbecher, den er immer wieder benutzen kann.

In Freiburg ist jetzt eine Aktion mit wieder verwendbaren Plastik-Kaffeebechern gestartet worden. Könnte das auch in Solingen umgesetzt werden?

Ogiermann Das kann ich mir gut vorstellen. In vielen anderen Städten, nicht nur in Freiburg, gibt es gute Beispiele dafür. In Solingen füllen schon Bäckereien Kaffee, Kakao oder Tee in mitgebrachte Becher ab, das hat ein Marktcheck der Umweltberatung 2015 ergeben. Falls man den eigenen Becher vergessen hat oder unterwegs spontan Kaffeedurst bekommt, wäre ein wiederverwendbarer Pfandbecher eine gute Alternative.

In der Verbraucherberatungsstelle am Werwolf wird seit inzwischen 25 Jahren auch eine Umweltberatung angeboten. Welche Aktionen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ogiermann Ich schätze die Vielfalt der Umweltthemen. Ob es um Ressourcenschutz und Abfallvermeidung geht wie beim Thema Verpackungen, um Umwelt- und Gesundheitsschutz mit Themen wie Schadstoffe in Wohnräumen, Schimmel oder sicheres Spielzeug für Kinder, oder um Mobilität und Klimaschutz, wo wir zum Beispiel den CO2-Ausstoß beim Brötcheneinkauf, Transportieren mit dem (Lasten)Fahrrad oder den klimaverträglichen Schulweg thematisieren. Besonders freue ich mich, wenn ich den Verbrauchern ein Aha-Erlebnis vermitteln kann: Ein Erkenntnisgewinn durch Information und Wissen oder eine Handlungsempfehlung, die sich im Alltag gut umsetzen lässt.

Ist ein Umdenken in Sachen Umweltschutz in den vergangenen Jahren eingetreten oder interessiert das die Leute nur wenig?

Ogiermann Ich denke schon. Viele Konsumentscheidungen sind inzwischen viel komplexer geworden, so dass ein Umdenken auch notwendig ist. Manchmal kommen einem allerdings alte Gewohnheiten in die Quere. In Solingen engagieren sich sehr viele Bürger für Klimaschutz.

Sie arbeiten auch eng mit Kindergärten und Schulen zusammen. Was steht hier vor allem auf dem "Stundenplan"?

Ogiermann Die Umwelt-Bildungsangebote orientieren sich an den Leitlinien Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Kindertagesstätten und Grundschulen steht Abfallvermeidung und -trennung sowie Recyclingpapier auf dem Stundenplan. In den weiterführenden Schulen und Berufskollegs folgen die etwas komplexeren Themen, zum Beispiel ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen am Beispiel des Smartphones (Werkstatt R) oder das Thema Lebensmittelverschwendung stoppen (Werkstatt L). Bei allen Angeboten werden die Schüler auch selbst aktiv.

Welche besonderen Aktionen haben Sie sich in naher Zukunft vorgenommen?

Ogiermann Am 8. und 18. Dezember gibt es noch die Weihnachtsaktion "Mehr Wert schenken". Im März 2017 zeigen wir in und mit der Stadtbibliothek die Ausstellung "Einfach machen!", in der wir Ideen für nachhaltigen Konsum vorstellen. Wie immer ganz praktisch.

UWE VETTER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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