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Solingen
Walbusch-Umsatz geht deutlich zurück

Walbusch-Umsatz geht deutlich zurück
Dr. Bert Hentschel (l.) und Christian Busch leiten das Unternehmen. FOTO: Köhlen (Archiv)
Solingen. Die Vertriebsschienen E-Commerce und Filialgeschäft können den Rückgang im Kataloggeschäft nicht ausgleichen. Das Modeunternehmen muss sich 2015 mit 295 Millionen Euro Umsatz begnügen - 30 Millionen Euro weniger als 2014. Von Uwe Vetter

Walbusch kannte in den vergangenen 15 Jahren eigentlich nur eine Richtung - die nach oben mit stetig steigenden Umsätzen und dem Ausbau des Modeunternehmens. Von Wachstum ist im Geschäftsjahr 2015 bei Walbusch indes nichts zu sehen - im Gegenteil: Die Unternehmens-Gruppe aus dem Industriegebiet Scheuren muss einen herben Umsatzrückgang in Höhe von rund 30 Millionen Euro verkraften. Nach 325 Millionen Euro Umsatz in 2014 und sogar 331,9 Millionen Euro in 2013 verzeichnete Walbusch im vergangenen Jahr nur noch 295 Millionen Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz und damit auch seit Jahren wieder erstmals einen Umsatz unter der 300-Millionen-Euro-Grenze.

Grund für den Rückgang ist das schwächelnde klassische Katalog-Geschäft, das immer noch einen Anteil von gut der Hälfte am Umsatz ausmacht, aber sich seit Jahren nicht mehr positiv gestaltet. Die Vertriebsschienen E-Commerce und auch der Verkauf der Mode in eigenen, mittlerweile über 40 Filialen im Bundesgebiet "können den Rückgang im Kataloggeschäft noch nicht kompensieren", sagt der für Einkauf und Vertrieb zuständige Geschäftsführer Dr. Bert Hentschel. Klar ist: Durch die digitalen Veränderungen in der Vergangenheit könne es nicht bei den bisherigen Unternehmensstrukturen bleiben. "Wir wissen, dass wir Zeit für die nötigen Veränderungen brauchen. In dieser Phase nehmen wir bewusst eine Seitwärtsbewegung oder sogar Umsatzrückgänge in Kauf", erläutert Geschäftsführer und Hauptgesellschafter Christian Busch.

Immer mehr verändert sich das Solinger Modeunternehmen deshalb mit den vier Marken Walbusch, Klepper, Avena-Gesundheitsversand und der Männermodemarke Mey & Edlich zum modernen Multichannel-Unternehmen. Damit wurde bereits vor Jahren begonnen. Seit 2000 erfolgt auch eine starke Hinwendung zum Online-Bereich. Zusätzlich eröffnete Walbusch seit 2009 über 40 Filialen in ganz Deutschland.

Unter Führung des hinzugezogenen Generalbevollmächtigten Carel Halff und unter Einbeziehung aller Führungskräfte und vieler Mitarbeiter überprüft das Unternehmen derzeit im Rahmen eines Wechselprozesses seine Strategie. "Wir geben uns dafür die notwendige Zeit. Auf Dauer wird es uns gelingen, jetzt verlorengegangene Umsatz-Teile wieder aufzuholen", sagen Christian Busch und Bert Hentschel. Dabei würde dem Unternehmen auch der demografische Wandel in die Karten spielen.

Walbusch spricht vor allem qualitätsbewusste Kunden der Generation 50+ an, die Wert auf hochwertige und bequeme Kleidung legen. Der Schwerpunkt der Kollektion liegt auf sportlich-klassischer Männermode. Kernprodukt und stilistischer Ausgangspunkt ist das Hemd: "Gute Hemden. Gute Outfits." Zwei Drittel entfällt auf den Verkauf von Herrenmode, zu einem Drittel auf die Damenbekleidung. Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen einen Umsatz in Höhe des Vorjahres an. "Wir haben in den vergangenen guten Jahren ein gutes Polster angelegt. Da können wir auch mal ein schlechteres Jahr verkraften", betont Christian Busch. Expandieren ist weiter angesagt, die hohe Schlagzahl an Filialeröffnungen wie in den beiden vergangenen Jahren wird es bei Walbusch 2016 jedoch nicht geben. "Wir gehen hier vorsichtig vor und werden selektiv nach neuen Standorten gucken", sagt Dr. Bert Hentschel mit Blick auch auf viele leerstehende Geschäfte in Innenstädten. Aus einer Warteposition heraus werde man günstige Gelegenheiten abwarten, um gezielt ein weiteres Fachgeschäft mit Walbusch-Mode zu eröffnen.

Walbusch beschäftigt insgesamt rund 1000 Mitarbeiter, davon gut 650 in Solingen. 200 Beschäftigte sind es in den Filialen, der Rest verteilt sich auf Standorte in Österreich und der Schweiz.

Quelle: RP
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